Duell am Büchermarkt

Warum Wowereit ein Integrations-Buch schreibt

Nach Thilo Sarrazin schreibt nun auch Berlins Regierender Bürgermeister ein Buch zur Integration. Ob es allerdings eine provokante und sich gut zu verkaufende Streitschrift wie im Fall Sarrazin wird, scheint eher unwahrscheinlich.

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Nun schreibt er also wieder, der berühmte Sozialdemokrat. Nein, nicht Thilo Sarrazin, Noch-SPD-Mitglied und Autor des bestverkauften Sachbuchs in Deutschland („Deutschland schafft sich ab“). Sein Ex-Chef greift in die Tasten. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit will seinen Memoiren, die er vor vier Jahren veröffentlichte („Und das ist auch gut so“), nun ein weiteres Buch folgen lassen. „Mut zur Integration. Für ein neues Miteinander“ soll es heißen. Mit positiven Beispielen einer gelungenen Integration. Wowereit setze auf „Motivation statt auf Sanktion“, auf „Angebote und Aktivierung statt auf Alimentierung“ – heißt es in den ersten Werbetexten zu dem Werk, das im Mai erscheinen soll.

Also ein Anti-Sarrazin-Buch?

Nein, bitte nicht alles wieder falsch verstehen, hallt es aus der Berliner Senatskanzlei. Wowereit habe es nicht nötig, sich von Sarrazin abzugrenzen. Das habe er öffentlich schon lange getan. Das Buch sei das Ergebnis der Zukunftswerkstatt Integration der Bundes-SPD. Dieser Kommission sitzt Wowereit, der auch stellvertretender Bundesvorsitzender seiner Partei ist, vor. Es werde um die soziale Komponente der Integration gehen, um Aufstiegswillen und Aufstiegschancen. Das sind jetzt nicht so wahnsinnig neue Themen, die Berlins Regierender Bürgermeister da proklamiert. Er selbst hat sich dementsprechend schon öfter geäußert. Unter anderem in seiner Neujahrsansprache. Dass das Buch im Mai, also mitten im Wahlkampf um das Berliner Abgeordnetenhaus bei einem SPD-Verlag erscheint, ist – natürlich – auch reiner Zufall.

Zehn Euro wird Wowereits Werk kosten. Damit liegt es deutlich unter Sarrazins Schrift, die für 22,99 Euro zu erstehen ist. Doch am Buchmarkt entscheidet nicht der Preis, sondern der Inhalt. Noch will Wowereit keine Details aus seinem neuen Buch mitteilen. Ob es allerdings eine provokante und sich gut zu verkaufende Streitschrift wird wie im Falle Sarrazin, scheint eher unwahrscheinlich. Die Gegenseite macht aber schon mobil: Ursula Sarrazin, die umstrittene Lehrerin im baldigen Ruhestand, erwägt, nach ihrem Mann ebenfalls ein Buch zu schreiben. Über die Bildungsmisere in der deutschen Hauptstadt. Ob das der nächste Bestseller aus dem Hause Sarrazin wird?