Palast-Theater

Aussicht auf Rettung des Admiralspalasts

Seit der Wiedereröffnung 2006 zählt die Bühne zu den bekanntesten Berliner Adressen. Trotzdem musste der Admiralspalast Insolvenz anmelden. Eine Auffanggesellschaft soll jetzt nicht nur den Spielbetrieb übernehmen, sondern auch für notwenige Baumaßnahmen garantieren – ein Hoffnungsschimmer.

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Von außen macht der legendäre Admiralspalast einen schmucken Eindruck. Doch der Eindruck täuscht, wie Insolvenzverwalter Udo Feser weiß. Seit August vergangenen Jahres ist Feser damit betraut, den Betrieb in der mehr als 100 Jahre alten maroden Spielstätte in Mitte sicherzustellen. Und anders als beim skandalträchtigen Tempodrom in Kreuzberg, das der Rechtsanwalt sechs Jahre lang betreuen musste, bis sich endlich ein solventer Betreiber fand, scheint sich für den Veranstaltungsort an der Friedrichstraße eine schnelle Lösung abzuzeichnen. „Möglichst zum 1. Februar, spätestens zum 1. März soll eine Auffanggesellschaft gegründet werden“, sagt Feser. Die Gesellschaft solle dabei nicht nur den Spielbetrieb übernehmen, sondern auch die dringend notwendigen Investitionen in die Bausubstanz und die veraltete Technik garantieren. Die Retter des Kulturtempels sind dabei mit dem Gebäude bestens vertraut: Es handelt sich um die Eigentümergemeinschaft des Gebäudekomplexes.

„Wir wollen den Betrieb mit einer Auffanggesellschaft selbst übernehmen“, bestätigt Marcus Flügge, einer der Besitzer der Immobilie, am Mittwoch auf Nachfrage von Morgenpost Online. „Wir zehn Eigentümer arbeiten an einer langfristigen Lösung für das Haus“, sagte Flügge weiter. Details wollte Flügge mit Hinweis auf die laufenden Vertragsverhandlungen indes nicht nennen. „Es gibt noch einige offene Punkte, die wir mit dem Insolvenzverwalter klären müssen“, sagt der Filmproduzent. 2003 hatte Flügge gemeinsam mit weiteren Gesellschaftern, darunter auch Falk Walter, den Admiralspalast erworben und nach umfangreichen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten als ersten Teil des gesamten Gebäudekomplexes 2006 mit der Premiere der „Dreigroschenoper“ eröffnet. Der gescheiterte Kulturunternehmer Falk Walter, der die Admiralspalast Produktions-GmbH im vergangenen Jahr in die Pleite führte, gehört nach Angaben Flügges jedoch nicht mehr zum Eigentümerkreis.

Auch für die mehr als 20 Angestellten könnte der schnelle Betreiberwechsel endlich Sicherheit schaffen. Voraussichtlich können alle übernommen werden. „Wir kennen noch keine Details, die Gespräche mit dem Personal sollen aber noch in dieser Woche laufen“, sagt Sprecherin Yvonne Urbach.

Spreewasser im Keller

Die von Falk Walter geführte Produktions-GmbH soll nach Einschätzung von Insidern rund 3,8 Millionen Euro an Verbindlichkeiten aufgehäuft haben. Die Ausfälle der bei der Eigentümergesellschaft, die ebenfalls zu den Gläubigern gehört, soll rund eine Million Euro betragen.

Die Besitzer des Admiralspalastes müssen nun zunächst dafür sorgen, dass die zahlreichen Räume und Säle im Gebäude besser vermietet werden können. Das 1910 nach Plänen der Architekten Heinrich Schweitzer und Alexander Diepenbrock errichtete Gebäude an der Friedrichstraße 101/102 verfügte ursprünglich über eine Eisarena, einen Bädertrakt, mehr als 900 Zimmer und Säle, ein Café und ein Lichtspieltheater. Der Admiralspalast war in den 20er-Jahren ein Amüsiertempel, zu DDR-Zeiten saß dort das Metropol-Theater.

Seit der Wiedereröffnung 2006 zählt die Bühne zu den bekanntesten Berliner Adressen für Konzerte, Kabarett und Lesungen. Neben dem großen Saal wird seitdem auch das Studio im fünften Stock bespielt. Nach Auskunft des Insolvenzverwalters ist der Veranstaltungskalender bis Ende dieses Jahres bereits mit zahlreichen Events gefüllt.

Viele Gebäudeteile standen jedoch nach der Wiedereröffnung auch weiter leer und haben einen hohen Sanierungsbedarf. „Die nahe Spree drückt immer wieder Wasser in die Keller, viele Fenster sind eine energetische Katastrophe und für eine Vermietung an verschiedene Nutzer müssen Heizung und Stromkreise auf neuen technischen Stand gebracht werden, nennt der Insolvenzverwalter nur einige drängende Probleme.

Rechtsanwalt Feser betreut bis zur Übergabe an die neue Gesellschaft nicht nur den Admiralspalast, sondern auch eine weitere insolvente Veranstaltungsstätte des gelernten Schauspielers Falk Walter. Die Kulturarena in Treptow, für die Walter im Dezember vergangenen Jahres Insolvenz anmelden musste, ist laut Feser jedoch ein weitaus komplizierter Fall. Dort sei zunächst für den 28. Februar eine Gläubigerversammlung angesetzt. Erst nach dem anschließenden Prüfungstermin könne entschieden werden, wie es weitergeht.

Feser betonte, für die Arena, das Badeschiff sowie mehrere Bars müsse eine neue Organisationsstruktur aufgebaut werden, „damit dieses Chaos, dass in der Vergangenheit herrschte, beseitigt wird“. Auch müssten zunächst wichtige Teile saniert und technisch instand gesetzt werden. „Das Gebiet direkt an der Spree wurde vernachlässigt, um es vorsichtig zu sagen.“ Der bisherige Eigentümer Frank Walter hat laut Feser derzeit nichts mehr mit der Neuorganisation zu tun. „Das wäre auch ungut, da muss es eine klare Trennung geben, um Vertrauen wieder aufzubauen“, betonte er. Feser zufolge gibt es bereits einige Interessenten für Teilbereiche der Kulturarena.

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