Insolvenz

Ohne Betreiber droht der Arena das Aus

Die Zukunft der insolventen Arena am Spreeufer in Treptow ist unsicherer denn je. Hintergrund für die Schwierigkeiten bei der Suche nach einem neuen Betreiber sind offenbar die komplizierten Beziehungsverhältnisse rund um das Veranstaltungszentrum.

Foto: Badeschiff

Die Zukunft des seit Dezember 2010 insolventen Veranstaltungszentrums Arena am Spreeufer in Treptow ist weiter ungewiss. Denn die Suche nach einem Betreiber gestaltet sich schwierig. „Ich kann nicht sagen, wie lange sie noch geht“, sagte Udo Feser, Insolvenzverwalter für das zahlungsunfähige Unternehmen. Es könne aber auch sein, „dass es gar nichts wird“, räumte Feser ein. Dann droht dem Komplex mit der Arena-Konzerthalle, dem populären Badeschiff sowie diversen Clubs und Gastronomiebetrieben zumindest vorübergehend das Aus.

Keiner der in einer Vorauswahl des Gläubigerausschusses aufgetretenen Bewerber hat bisher den Zuschlag erhalten. Zuletzt war eine Gruppe von Veranstaltungsprofis um den Manager der Band „Die Ärzte“, Axel Schulz, aus dem Rennen um die Arena ausgestiegen. Schulz gilt in der Branche als geeigneter Kandidat, denn er betreibt seit Jahren beliebte Locations wie die Columbiahalle und den Postbahnhof am Ostbahnhof.

Öffentlich ins Spiel hat sich nun auch der Manager der Techno-DJane Marusha, Armin Mostoffi, gebracht. Er sagt zu, das Gelände in kultureller Nutzung zu erhalten und eine siebenstellige Summe zu investieren. Aber der Musikmanager gilt als wenig erfahren im Betrieb von Veranstaltungsorten wie der Arena. Die Halle ist ein schwierig zu bespielender Ort, der bis zu 8000 Besucher aufnehmen kann.

Komplizierte Eigentumsverhältnisse

Hintergrund für die Schwierigkeiten bei der Suche nach einem neuen Betreiber sind offenbar die komplizierten Beziehungsverhältnisse rund um die Arena.

Denn bankrott ist nur die Kulturarena Veranstaltungs-GmbH. Diese gehörte dem Kulturimpressario und früheren Schauspieler Falk Walter, der auch zunächst üppige Einnahmen mit Erfolgsproduktionen wie dem Theaterstück Caveman erzielte. Dann überhob sich Walter aber mit der Übernahme des Admiralspalastes an der Friedrichstraße, dessen Betreibergesellschaft ebenfalls in die Insolvenz schlitterte.

Aber Walter mischt weiter mit in der Arena. Er ist einerseits Gläubiger der insolventen GmbH und auch Vermieter des Geländes. Auf der Homepage der Arena wird Walter nach wie vor als Geschäftsführer angegeben. Ein Filmbeitrag preist ihn als erfolgreichen Macher und Unternehmer, der die Arena und den Admiralspalast aus dem Dornröschenschlaf geweckt habe. Kein Wort von der ökonomischen Bruchlandung und den Versuchen, einen Übernehmer zu finden.

Der von Falk Walter gegründete Verein Artkombinat hatte 1995 das frühere Busdepot in Treptow und benachbarte Gebäude vom Liegenschaftsfonds des Landes gepachtet und das Gelände an seine eigene GmbH weiter vermietet. Seit etwa 2009 zahlte die Gesellschaft die Miete nicht mehr an den Verein, dieser wiederum blieb dem Liegenschaftsfonds bis heute eine sechsstellige Summe schuldig.

„Es ist eine schwierige Konstellation“, sagte Insolvenzverwalter Feser, der viel Erfahrung darin hat, Kultureinrichtungen durch finanzielle Engpässe zu lotsen. So managte der Anwalt bereits erfolgreich das Insolvenzverfahren für das Tempodrom in Kreuzberg. Das dauerte immerhin vier Jahre.

So gesehen könnte der Betrieb auch in Treptow noch eine Weile unter Fesers Oberregie weiter gehen. Aber die Angelegenheit ist eben verzwickter. Es gebe „separate Verhandlungen“ über die Pachtverträge, in die der Verwalter nicht eingebunden sei. Mit dem Verein Artkombinat bestünden Unklarheiten, sagte Feser. Auch die Übernahme-Interessenten haben festgestellt, dass sie auf mehreren Ebenen verhandeln müssen, wenn sie zum Zuge kommen wollen. Die Rolle des Vereins sei bisher unterschätzt worden, heißt es.

Interessent fühlt sich ausgebremst

Bei der Suche nach einem Betreiber für die Arena und einem neuen Arbeitgeber für die 30 festen und 60 freien Mitarbeiter des Veranstaltungszentrums sind offenbar nicht alle Bewerber berücksichtigt worden. „Ich habe schon mehrfach per Brief mein Interesse bekundet, aber bisher keine Reaktion erhalten“, sagte etwa Andreas Grunszky. Offenbar würden potenzielle Übernehmer mit Nichtachtung gestraft.

Grunszky betreibt mit seiner Firma Beeftea Group seit zwölf Jahren unter anderem den Hangar2 am Flughafen Tempelhof als Ort für Partys, Raves, Parteitage und Präsentationen. Er organisiert mit einer Agentur selbst Events. Seit diesem Jahr bietet er auch das Eventisland auf der Spandauer Havelinsel Eiswerder, wo unter anderem Hertha BSC im Mai den Aufstieg in die Bundesliga feierte.

Grunszkys Konzept ist deutlich kommerzieller orientiert als das eher off-kulturelle Programm der alten Arena. „Vielleicht sind wir denen nicht cool genug“, vermutet der Unternehmer, der auf der Homepage auf gute Bonität verweist und 16 Mitarbeiter in Berlin und Hamburg fest beschäftigt. Aber auch Grunszky ahnt, dass das Zerren um die Arena nicht ewig dauern kann: „Irgendwann ist die Frist abgelaufen, dann wird der Laden dicht gemacht. Das wäre schade für die Leute, die dort arbeiten und schade für Berlin“, sagte Grunszky. Er stehe aber weiter bereit, mit dem Insolvenzverwalter zu sprechen.

Dass der Anwalt Feser überhaupt kein Problem damit hat, von ihm verwaltete Objekte an Vertreter eines kulturellen Mainstreams zu geben, hat er bewiesen, als er eine Lösung für Falk Walters zweiten Insolvenzfall, den Admiralspalast, gefunden hatte. Seit Juni betreibt Maik Klockow das Theater an der Friedrichstraße. Der Inhaber der Firma „Mehr!Entertainment“ war früher Deutschland-Chef des Musical-Konzerns „Stage“ und bemüht sich nun, seinem früheren Arbeitgeber Konkurrenz zu machen. Er plant im Admiralspalast einen Mix aus Konzerten, Comedy und Shows. Das Haus gehört jetzt zu einem Netzwerk mit Theatern in Bremen, Düsseldorf und Köln, die Klockow in den vergangenen Monaten ebenfalls übernommen hatte.

Den Admiralspalast kannte der Unternehmer. Er hatte als Stage-Chef das Gebäude bereits einmal gekauft, es aber wegen der zu hohen Sanierungskosten an den Senat zurückgegeben. Falk Walter hat sich dann diese Last aufgebürdet und ist darüber Pleite gegangen.