Zwangsverkauf

Kunsthaus Tacheles wird versteigert

Dem Tacheles, Berlins bekanntester Kunstruine, droht das endgültige Aus. Anfang April wird das Areal zwangsversteigert. Die Künstler müssen sich nach monatelangen Querelen auf die Räumung einstellen.

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Sie ist Berlins berühmteste Kunstruine, und schon lange schwebt über dem Tacheles die Räumung wie ein Damoklesschwert. Am Dienstag bestätigte das Berliner Kammergericht nun, dass das Areal am 4. April zwangsversteigert werden soll. Nun tickt die Uhr für den Bau, der in keinem Berliner Reiseführer mehr fehlt. Den Künstlern droht damit nach monatelangen Querelen tatsächlich die Räumung. Und der Kunstruine das endgültige Aus.

„Wir warten seit zwei Jahren, dass etwas passiert“, sagte Künstlervertreter Martin Reiter. Ende 2008 endete für die Kreativen in Mitte der Mietvertrag, seither warten die Künstler auf ihren Rauswurf. Vom plötzlichen Gerichtstermin zeigte man sich aber dennoch überrascht. „Uns hat man natürlich nicht informiert“, empörte sich Tacheles-Sprecherin Linda Cerna. „Wir reagieren wie immer mit Kunst und Kultur und sind sehr gespannt, wer hier überhaupt investieren will.“

1998 erwarb die Fundus-Gruppe das Gelände vom Land Berlin. Sie wollte dort Wohn- und Geschäftshäuser bauen – mit dem Tacheles mittendrin, denn das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Fundus gab den Künstlern einen symbolischen Mietvertrag. Aber aus den Bauplänen wurde nichts, und die Fundus-Tochtergesellschaft, die das Gelände besaß, ging in die Insolvenz. Hauptgläubiger ist jetzt die die mehrheitlich den Bundesländern Hamburg und Schleswig-Holstein gehörende HSH Nordbank. Und die will das Areal nun verkaufen.

Bewohner sind zerstritten

Unterstützer der Kunstruine hatten in der Vergangenheit immer wieder öffentlich gegen eine Zwangsräumung protestiert. Sie fordern, dass der öffentliche Kunstraum in Berlins Zentrum erhalten werden müsse. Erst vor Kurzem ernannte man die Kaufhausruine zur neuen „Kunsthalle Berlin“ und schlug vor, an diesem Ort eine öffentliche Stiftung einzurichten. Ein neuer Investor könnte für Tacheles-Fans aber auch eine Perspektive mitbringen. Die Bewohner gelten selbst als zerstritten und uneinig, wie das Tacheles der Zukunft aussehen soll. Grundsätzlich einig ist man sich aber darin, dass die Kreativen ein Mitspracherecht behalten. „Wir haben das Haus jahrelang am Leben erhalten und wir sind die einzigen, die neue Konzepte entwickelt haben“, sagte Cerna.

Das Gericht hat den Verkehrswert des gesamten Areals, das rund 25 000 Quadratmeter misst, auf 35 Millionen Euro festgelegt. Cerna appellierte erneut an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). „Das Land sollte zumindest das Tacheles zurückkaufen, um Kunst und Kultur zu bewahren“, sagte Cerna. Das Tacheles selbst steht auf rund 1200 Quadratmetern des Geländes und ist damit nur ein kleiner Teil der Versteigerungsmasse. Ein Splitten des Geländes kommt für die HSH Nordbank aber nicht in Frage. „Wir gehen davon aus, dass ein zukünftiger Investor nur am Gesamterwerb interessiert wäre“, sagte eine Sprecherin der HSH Nordbank am Dienstag.

Im Februar wollen Tacheles-Fans erst einmal den 21. Geburtstag feiern. „Es wird eine große Werkschau geben“, sagte Cerna. „60 Künstler aus 20 Nationen wollen ihre Arbeiten präsentieren.“

Zu den prominentesten Unterstützern zählt aktuell der Love-Parade-Gründer Dr. Motte, der bereits 1990 im Tacheles als DJ auflegte. In den vergangenen Monaten produzierte er in der Kaufhausruine seine neue Platte, aktuell wird ein Video gedreht, mit Tacheles-Künstlern und Protagonisten aus der Clubszene. mit dpa