BBI-Flugrouten

Verkehrsministerium prüft längeren Geradeausflug

Im Streit um die BBI-Flugrouten wird eine neue Alternative diskutiert: Bei Parallelstarts sollen beide Jets länger geradeaus fliegen. Dies erfordert allerdings eine Ausnahmeregelung – nach Münchener Vorbild.

Das Bundesverkehrsministerium sieht die Diskussion in der Fluglärmkommission über die Flugrouten „auf dem richtigen Weg“, da die umstrittenen Routen vom 6. September nicht mehr Ausgangsplanung sind. „Ich kann mir vorstellen, wie man eine Lösung finden kann“, sagte Staatssekretär Klaus-Dieter Scheurle am Donnerstag. Gespräche mit Bürgern und auch der Deutschen Flugsicherung zum Thema Flugrouten vom BBI ließen diese Annahme zu.

Scheurle geht davon aus, dass es sowohl für die Abflüge Richtung Westen als auch Richtung Osten Lösungen geben kann. „Für den Westabflug muss die Abwinkelung so gering wie möglich gehalten werden“, sagte der Staatssekretär am Donnerstag. „Für den Ostabflug werden Verfahren und Erkenntnisse an anderen Flughäfen für die BBI-Flugrouten geprüft.“ Gemeint ist das Abflugverfahren am Münchner Flughafen, wo bei unabhängigen Parallelstarts Jets zunächst von beiden Bahnen geradeaus fliegen und erst später als von der Internationalen zivilen Luftfahrtorganisation Icao verlangt voneinander abgedreht wird. Der Unterschied zu den Vorschriften der Icao beträgt eine nautische Meile. Das entspricht 1852 Metern. Dieses Verfahren bedarf einer Ausnahmegenehmigung. Es müsse geprüft werden, ob es für den BBI angewendet werden könne, sagte Scheurle.

Dies hatte auch die Vorsitzende der Fluglärmkommission, Kathrin Schneider am Montag verkündet. Die Kommission hatte Schneider beauftragt, an das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherheit (BAF) heranzutreten, um diese Möglichkeit zu prüfen. „Wenn das BAF die Möglichkeit signalisiert, steigt die Wahrscheinlichkeit erheblich, dass es zur Anwendung kommt“, heißt es in Expertenkreisen. Im Bundesverkehrsministerium geht man offenbar auch davon aus, dass der unabhängige Parallelstart in Spitzenzeiten notwendig ist. Die Flughafengesellschaft hatte Mitte November noch einmal mit einer Expertise nachgewiesen, dass das gleichzeitige Starten zweier Jets notwendig ist, um dem Bedarf der Airlines nachzukommen. Andernfalls könne man weniger Starts pro Stunde als derzeit in Tegel und Schönefeld zusammen anbieten.

„Dieses Prüfungsergebnis des Flughafens fließt in die Prüfung der Deutschen Flugsicherung ein“, sagte am Donnerstag der Sprecher von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Im Klartext heißt dies, dass der unabhängige Parallelstart, der aus Sicherheitsgründen das Abknicken der Flugrouten erfordert, Bedingung für die Flugroutenplanung ist.

Der Bundesverkehrsminister hatte im Oktober gesagt, man müsse zu den gradlinigen Routen, wie sie im BBI-Planfeststellungsbeschluss zugrunde gelegt sind, als Grundlage für jede weitere Planung zurückkehren. Auch hatte er den unabhängigen Parallelstart am BBI in Frage gestellt. Im Bundesverkehrsministerium wollte man am Donnerstag einen Widerspruch zur Flugsicherung nicht erkennen.