Flugrouten-Debatte

Lärmkommission will sich noch nicht festlegen

Zumindest steht fest, dass die strittigen BBI-Routen der Deutschen Flugsicherung kein Thema mehr sind. Bei den Alternativ-Strecken zeichnen sich bereits Favoriten ab.

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Über die Flugrouten vom Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) besteht weiter Unklarheit. Die Fluglärmkommission hat sich bei ihrer Sitzung am Montag nicht für eine der neu von der Deutschen Flugsicherung (DFS) vorgeschlagenen Routen ausgesprochen. Klar ist nur: Die umstrittenen Flugrouten sind vom Tisch. „Das, was am 6. September von der Deutschen Flugsicherung vorgelegt wurde, wird definitiv nicht kommen. Es wird anders werden“, sagte Rainer Bretschneider, Staatssekretär im Potsdamer Infrastrukturministerium.

Zuvor waren klare Worte sowohl von der Deutschen Flugsicherung als auch von der Kommissionsvorsitzenden Kathrin Schneider Mangelware. Der Vorwurf anwesender Bürger lautete denn auch „Rumeierei“ oder „ich fühle mich nicht informiert“. Sie hatten erwartet, dass die Deutsche Flugsicherung Prüfergebnisse zur Lärmbelastung bei den verschiedenen Routenvarianten vorträgt. Die Deutsche Flugsicherung war im Januar von der Kommission beauftragt worden, mit Hilfe eines Computersystems die Lärmbelastung für die Flughafenanwohner auf der Grundlage mehrerer Flugroutenalternativen zu prüfen. Doch öffentlich wurden am Montag keine Werte genannt. Es sei noch zu früh zu sagen, wohin es geht, sagte Bretschneider. Auch die Vorsitzende der Fluglärmkommission wies darauf hin, dass die Kommission sich angesichts der Komplexität der Materie noch „nicht in der Lage fühlt, deutliche Präferenzen für bestimmte Routen auszusprechen“.

Dennoch zeichnen sich offenbar Favoriten ab. So wird bei den Ostabflügen von der Nordbahn der Geradeausflug und von der Südbahn die 90-Grad-Kurve unmittelbar nach dem Start in Richtung Süden bevorzugt. Diese Variante würde die Gemeinde Zeuthen größtenteils vom Fluglärm verschonen. „Die kurze Abflugroute stößt auf besonderes Interesse“, sagte Hans Niebergall von der Flugsicherung. „Wenn sich das mehrheitlich realisieren lässt, dann tun wir das, zumindest in den späten Abendstunden und in der Nacht.“ Allerdings berge die 90-Grad-Kurve auch Konfliktpotenzial angesichts der Anflüge auf die gleiche Bahn. „Wenn wir aber diese kurze Kurve ständig anbieten können, sind wir in der Lage, nach Osten den unabhängigen Parallelstart zu erlauben“, sagte Niebergall. Dieses gleichzeitige Starten zweier Jets von beiden Bahnen hatte die Flughafengesellschaft bereits mehrfach gefordert, um den Bedarf der Airlines abdecken zu können und die Wirtschaftlichkeit des neuen Flughafens nicht in Frage zu stellen.

Ausnahme ist denkbar

Niebergall kündigte für die Starts Richtung Osten überdies an, wie am Münchner Flughafen auch den gradlinigen Abflug von beiden Bahnen und damit eine Ausnahmeregelung zu prüfen. Das Bundesverkehrsministerium habe bereits signalisiert, diese Möglichkeit könne geprüft werden, sagte Niebergall. Für die Westabflüge gilt offenbar der Geradeausflug von der Nordbahn – möglicherweise mit einem minimalen Knick nach Norden – als realistisch. Damit könnten Ludwigsfelde, Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf vom Fluglärm entlastet werden. Von der Südbahn würde dann um 15 Grad nach Süden abgeknickt und damit das südliche Blankenfelde entlastet.

Vor Beginn der Kommissionssitzung hatte noch ein Gerücht für Aufregung gesorgt. Danach hieß es, die umstrittenen Flugrouten vom 6. September hätten sich nach Berechnungen der Flugsicherung als die beste Variante im Hinblick auf die Lärmbelastung erwiesen.

Bei der nächsten Kommissionssitzung am 14. März will die Flugsicherung nun konkreter werden und einen „Entwurf eines An- und Abflugregimes“ vorstellen. „Dies ist jetzt möglich, weil wir zu den Abflügen bessere Ideen haben“, sagte Niebergall. Das Computersystem Niros dient der Flugsicherung als Werkzeug, potenzielle Lärmbelastungen zu errechnen. Dazu werden verschiedene Flugzeugtypen, topografische und demografische Daten eingespeist. Hans Niebergall betonte, dass aktuelle Daten zur Bevölkerungsdichte eingegeben worden seien. Er trat damit dem Vorwurf entgegen, veraltetes Kartenmaterial bei der Berechnung der Flugrouten vom 6. September zugrunde gelegt zu haben. „Es gibt nichts Aktuelleres, was die Bevölkerungsdichte angeht. Die Daten stammen vom Oktober 2010.“

Die Kommission sprach sich überdies mehrheitlich für ein Nachtflugverbot und gegen die Drehkreuzfunktion des BBI aus.