Brandserie

Hellersdorfer wünschen sich mehr Polizeipräsenz

In Hellersdorfer wurde wieder Feuer gelegt – Nummer 67 seit März dieses Jahres. Noch immer gibt es keine Spur vom Täter. Das Landeskriminalamt spricht von der Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Bei den Bewohnern im Süden von Hellersdorf wächst die Angst. Seit Monaten brennt es in Kellern und Hausfluren. Und das nahezu täglich. Auch in der Nacht zu Donnerstag wurden Polizei und Feuerwehr in die Stollberger Straße gerufen. Dort brannte eine Mülltonne, es blieb bei Sachschaden. Eine Nacht zurvor hatten Anwohner zwei Brände bemerkt. Am späten Abend entdeckte zunächst eine Passantin Rauch in der Kleingartenanlage "Am Storchennest" in Alt-Hellersdorf. Als die alarmierten Feuerwehrleute dort eintrafen, schlugen bereits meterhohe Flammen aus einer Laube, wie eine Polizeisprecherin mitteilte. Verletzt wird niemand. Das Gebäude brannte komplett aus. Die Feuerwehr verhinderte ein Übergreifen des Feuers auf nebenstehende Häuser. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei wird auch in diesem Fall wieder einmal von Brandstiftung ausgegangen. Gegen 2 Uhr bemerkte eine 63-jährige Frau im Ortsteil Kaulsdorf-Nord dann Feuer in einem Hausmüllcontainer. Die Besatzung eines Streifenwagens konnte den Brand in der Ridbacher Straße nach Angaben der Polizeisprecherin löschen.

Damit steigt die Zahl der Brände seit März diese Jahres auf 67. Bislang war der materielle Schaden zumeist gering. Es grenzt allerdings fast an ein Wunder, das bislang noch keine Menschen zu Schaden kamen.

Manfred Wittke wohnt und arbeitet in Hellersdorf. Er glaubt nicht, dass die Polizei den Täter in der nächsten Zeit erwischen wird. "Eher wird ihn einer der Bürger auf frischer Tat ertappen. Die Polizei kann ja nicht rund um die Uhr an jeder Ecke stehen", sagt er. An eine Bürgerwehr denkt der Hellersdorfer aber nicht. "Wir halten die Augen schon offen, aber wir patrouillieren nicht abends durch die Straßen. Selbstjustiz kann keine Lösung sein."

Viele wünschen sich trotzdem, dass die Polizei im betroffenen Gebiet mehr Präsenz zeigt. Ein Kollege von Manfred Wittke sagt: "Es könnten schon öfter Streifenwagen auf den Straßen zu sehen sein, das würde die Brandstifter vielleicht schon genug einschüchtern und sie würden mit dem Zündeln aufhören."

Polizei weist Vorwürfe zurück

Ein Polizeisprecher weist den Vorwurf zurück, dass die Polizei nicht ausreichend präsent in Hellersdorf sei. Man sei schon mit einem enormen Aufgebot im Gebiet. Aus ermittlungstechnischen Gründen würden aber nicht nur uniformierte Polizisten, sondern gerade auch Beamte in Zivil eingesetzt. Diese agierten unauffälliger, ein Vorteil bei der Fahndung nach dem oder den Brandstiftern. Zugleich räumt man im Landeskriminalamt aber ein, dass die Tätersuche in einem so großen Gebiet wie dem jetzt betroffenen in Hellersdorf der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleiche.

Ein Spaziergänger, der seine Hund in der Nähe der abgebrannten Gartenlaube ausführt, hält es keinesfalls für sinnvoll, dass die Hellersdorfer selbst nach dem Täter suchen: "Wir können ja nicht jeden, der sich auf der Straße eine Zigarette anzündet, direkt als Brandstifter verdächtigen. Wichtig ist, dass jeder auf sein eigenes Haus aufpasst", sagt der Hundebesitzer.

Die Mahnung ist berechtigt, denn in vielen Fällen stellte die Feuerwehr fest, dass Haustüren oder Kellerverschläge nicht verschlossen waren. Das mache es den Brandstiftern einfach, in Häuser einzudringen und Feuer zu legen, sagt ein Feuerwehr-Sprecher. Wichtig sei zudem auch, keine Kinderwagen in den Hausfluren stehen zu lassen. Sperrmüll, der im Keller offen herum stehe, sei ohnehin nicht erlaubt und ebenfalls geradezu eine Einladung an die Brandstifter. Bewohner sollten dies berücksichtigen, um das Risiko einer Brandstiftung zu minimieren.

Im Fall der abgebrannten Gartenlaube hätte allerdings auch das Befolgen dieser gut gemeinten Ratschläge nicht viel genützt. In einer unbewohnten und nicht bewachten Kleingartenanlage sei ein absichtlich gelegter Brand trotz aller Vorkehrungen nicht zu verhindern gewesen, räumt der Sprecher ein.

Kriminaltechniker untersuchen DNA-Spuren

Die Polizei hat unterdessen immer noch keine Spur von dem Brandstifter. Das genaue Vorgehen des Täters oder der Täter sei bislang unklar, ebenso deren Motivation, hieß es. "Da es bereits so viele Fälle von Brandstiftung gab, bezweifeln wir, dass es sich nur um einen Brandstifter handelt", sagt ein Polizeibeamter. Es sei wahrscheinlich, dass es Trittbrettfahrer gebe, die nun ebenfalls Feuer gelegt hätten, um ihrerseits Aufmerksamkeit zu erhalten.

Kriminaltechniker untersuchen derzeit DNA-Spuren, die sie an den Tatorten sicherstellen konnten. Sie erhoffen sich, so neue Hinweise in der Brandserie zu erhalten. Die Auswertung der DNA-Spuren dauert allerdings noch an.

Ansonsten ist die Polizei auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, doch die sind bislang eher dünn. Nach dem Brand am Dienstagabend berichteten mehrere Anwohner, sie hätten zwei junge Männer auf einem Moped mit hoher Geschwindigkeit den Tatort in Richtung Riesaer Straße verlassen sehen.

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