Rechtsextremismus

NPD feiert Fusion in Lichtenberger Schule

Begleitet von lautstarken Protesten haben die rechtsextremen Parteien NPD und DVU in Berlin ihre Fusion vollzogen. Mit dem Treffen wurde auch der Wahlkampf für das Jahr 2011 eingeläutet.

Bereits auf dem Weg zum Parteitreffen gehen die Reibereien los. „Ich fahr doch nicht zusammen mit den Faschos!“, schreit ein älterer Herr zornig und verlässt den Bus, als rund 30 NPD-Anhänger zusteigen. Die Rechten mokieren sich: „Jetzt haben wir den Bus ganz allein für uns, wie geil“, feixt einer. Eine schwarze Bomberjacke bedeckt seinen massigen Körper, seine Füße stecken in Springerstiefeln. Viele andere Passagiere sehen ähnlich aus: tätowierte Arme, dunkle Kapuzenpullover, Sonnenbrillen, Glatzen. In der Luft hängt der Geruch von hochprozentigem Alkohol. „Linkes Pack“, brummt ein NPDler, als der Bus an der Menschenmenge vor der Max-Taut-Schule in Berlin-Lichtenberg vorbeifährt. Rund 500 Demonstranten von jung bis alt haben sich hier versammelt. Sie protestieren gegen die NPD-Veranstaltung in der Aula der Lehranstalt, dessen Namensgeber von den Nazis schikaniert worden war.

Ausgerechnet diesen Ort hatten sich die Rechtsextremen ausgeguckt, um den Zusammenschluss von NPD und DVU zu feiern und den Wahlkampfauftakt für die Berliner Abgeordnetenhauswahl im September auszurufen. „Die pure Provokation“ ereifert sich eine 28 Jahre alte Demonstrantin. „Dass die hier sind, ich finde das unerträglich.“ Diese Abneigung verbindet alle Demonstranten. „Kein Ort für Neonazis“ steht auf einem Plakat, ein anderes fordert „No NPD! Parteiverbot jetzt!“.

Zwischen dem rot-weißen Ring aus Absperrungen, hinter dem die Menschen friedlich protestieren, und dem Eingang zur Max-Taut-Schule liegt ein dreißig Meter breiter Streifen. Unzählige Polizisten und Einsatzfahrzeuge sind hier postiert. Rechtsextreme und Demonstranten sollen sich nicht zu nahe kommen. Doch als die Polizeieskorte mit den NPD-Parteianhängern die Schule erreicht, überbrückt der ohrenbetäubende Lärm der Protestler die Distanz. „Berlin braucht keine Nazischweine“ schreien die Demonstranten, dazu ertönen Trompeten und Trillerpfeifen. Später tanzen die Protestler zu lauter Musik.

Die Polizei nahm zwei Gegendemonstranten fest, weil sie sich vermummt hatten. Dabei kam es zu einer Rangelei, wie ein Polizeisprecher sagte. Dabei wurden zwei Beamte leicht verletzt. Zudem wird wegen politischer Sachbeschädigung ermittelt, weil Unbekannte auf dem Schultor einen Schriftzug gegen die Rechtsextremisten angebracht hatten.

Auch die Rechtsextremen in der Aula hören den Lärm von draußen. „Das Geschrei vor den Türen erfüllt mich mit dem Wissen, dass wir zurecht hier sind“, verkündete Manuela Tönhardt. Wie die Chefin der Lichtenberger NPD zu diesem Wissen kam, sagt sie zwar nicht, dennoch klatschen die rund 80 Parteianhänger mit.

Den „klassischen“ NPD-Anhänger sucht man auf der Parteiveranstaltung aber vergebens, zumindest äußerlich gibt es ihn nicht: Neben rasierten Köpfen in Bomberjacken lauschen auch viele Anzugträger mit geputzten, schwarzen Schuhen den Parolen der Redner.

Für ihre hohlsten Parolen ernten die Parteifunktionäre den lautesten Applaus. So sorgen Forderungen wie „Deutsche und Ausländer müssen getrennt unterrichtet werden“, „wir wollen die Rückführung von Türken in ihre Heimat“ oder „wir haben ein Recht auf Gesamtdeutschland“ für Begeisterungsstürme unter den Rechtsextremen. „Jawohl!“, brüllt ein glatzköpfiger Mann zu nahezu jeder Forderung. Stutzig wird man nur an einer Stelle. „Ich halte es für legitim, dass es in diesem Land unterschiedliche Meinungen gibt“, sagt der NPD-Parteivorsitzende Udo Voigt. Interessanterweise klatscht dazu niemand.