Nach dem Gelöbnis

"Ex-Terroristin Viett agierte aggressiv"

Das massive Polizeiaufgebot beim Reichstag-Gelöbnis hat sich offenbar gelohnt - es gab nur sieben Festnahmen von Störern. Dass diese es dennoch in die Schlagzeilen schaffen, verdanken sie der Hilfe der Ex-Terroristin Inge Viett, die bei den Störversuchen aktiv mitgewirkt hatte.

Foto: Steffen Pletl

Die Terroristin der „Bewegung 2. Juni“ soll, wo berichtete ein Polizeibeamter, „ungemein aggressiv“ vorgegangen sein. Viett habe sich an dem Versuch mehrerer Demonstranten beteiligt, einen Festgenommenen zu befreien. Inzwischen sind alle sieben wieder auf freiem Fuß - auch Viett.

Die Teilnahme der inzwischen 64-Jährigen an den Demonstrationen gegen das Bundeswehrgelöbnis ist für Szenekenner keine Überraschung. Die wegen Mordversuchs an einem Polizisten rechtskräftig verurteilte Viett, tritt seit dem Ende der Rote Armee Fraktion selbst eher selten öffentlich auf, mischt aber immer in irgendeiner Form mit, wenn es um den Kampf der extremen Linken gegen den Staat und die bestehende Gesellschaftsordnung geht.

In den vergangenen zwei Jahren marschierte sie bei den „revolutionären Demos“ in Kreuzberg mit, bei den Krawallen während des G-8-Gipfels im vergangenen Sommer an der Ostsee war sie ebenfalls präsent und sie ist immer dabei, wenn es gilt, die mörderischen Aktivitäten der RAF in den siebziger und achtziger Jahren zu verklären. Für viele Angehörige der heute aktiven linksextremistischen Gruppen ist sie nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden zu einer „echten Galionsfigur“ geworden. „In diesen Kreisen ist sie keine Terroristin, sondern vielfach bewunderte Aktivistin und Revolutionärin“, sagt ein Verfassungsschützer.

Ansichten nicht geändert

Ihre Ansichten hat die „Revolutionärin“ in den drei Jahrzehnten seit der Hochphase des Terrorismus nicht geändert, dass macht sie in Reden und Beiträgen für einschlägige Veranstaltungen und Szene-Publikationen immer wieder deutlich. Die Morde der RAF sind für sie auch heute noch „Klassenkampf von unten“. Bedauern empfindet sie lediglich darüber, „dass es damals nur so wenige waren, die zu den Waffen gegriffen haben“.

Feindbilder findet die 64-Jährige immer noch genügend. Dazu gehört neben den uniformierten Institutionen des Staates wie Polizei und Bundeswehr der überwiegende Teil der Medien im Lande. Der Großteil der Zeitungs- und Fernsehlandschaft ist für die Ex-Terroristin „ein medialer Mob“, Journalisten sind „schreibende Hofschranzen des Kapitalismus“.

Inge Viett ist nicht die einzige aus der RAF-Generation, die immer mal wieder bei Aktivitäten der linksradikalen Szene in der Hauptstadt auftaucht. Auch Ralf Reinders, wie Viett als führendes Mitglied der „Bewegung 2. Juni“ 1975 an der Entführung des Berliner CDU-Landesvorsitzenden Peter Lorenz beteiligt, ist häufiger dabei. Reinders, ebenfalls einer der eifrigsten Verteidiger der RAF, gehörte zu den Anmeldern der diesjährigen Revolutionären Mai-Demo in Kreuzberg und ist gern gesehener Gast bei vielen Veranstaltungen der Szene. Welchen Einfluss „alte Kämpfer“ wie Viett und Reinders auf die heutige radikale Linke in Berlin ausüben, das beobachten Verfassungsschützer seit langem.