Jahreswechsel

Was sich 2011 in Berlins Bezirken ändert

Pankow verschärft die Lebensmittelkontrollen, Spandau erwirbt die Hälfte des Groß Glienicker Sees und Neukölln saniert seine Radwege: Morgenpost Online stellt die wichtigsten Maßnahmen der zwölf Berliner Bezirke für 2011 vor.

Das Jahr 2011 hält für die Bezirke viele Herausforderungen bereit, weil immer weniger Geld zur Verfügung steht. Aber es gibt auch Glanzlichter: In der City West wird die Eröffnung des Waldorf Astoria Hotels den Tourismus ankurbeln, die zur Flaniermeile umgebaute Schloßstraße in Steglitz den Einzelhandel. Dennoch drücken Sparvorgaben und Schuldenabbau den Optimismus. Die Übersicht zeigt beispielhaft, was in den zwölf Bezirken im Jahr 2011 geplant ist.

Charlottenburg-Wilmersdorf

Investitionen wird sich der Bezirk im neuen Jahr kaum leisten können – betroffen davon sind auch Straßen und Spielplätze, die nicht saniert werden können. Es muss noch radikaler als bislang gespart werden, um die Haushaltssperre und die Minus-Beträge in Millionenhöhe im Haushaltsplan aufzulösen. Umso erfreulicher ist es angesichts dieser Lage, dass große private Bauprojekte die City West zukunftstauglich machen. Mit der im Herbst geplanten pünktlichen Eröffnung des Zoofensters und dem dortigen Fünf-Sterne-Plus-Hotel Waldorf Astoria erhoffen sich Investoren und Bezirksamt gleichermaßen einen positiven Veränderungsdruck für die ganze Zoo-Gegend – auch wenn vom dort geplanten Aussichtsrad niemand mehr redet. Es geht dennoch vorwärts. Die Bauarbeiten zum Umbau des Bikinihauses haben begonnen, im Haus Cumberland am Kurfürstendamm soll die Revitalisierung nach Jahren des Stillstands ebenfalls 2011 beginnen. Und auch für das dringend sanierungsbedürftige Kudamm-Karree wollen die Bezirksverordneten nach der Sommerpause Planungsrecht schaffen. Das Feiern soll 2011 ebenfalls nicht zu kurz kommen: Schließlich wird der Kurfürstendamm 125 Jahre alt. bsm

Friedrichshain-Kreuzberg

Eine neue und seit langem geplante Ost-West-Verbindung wird 2011 gebaut. Die Axel-Springer-Straße soll künftig Kreuzberg und Mitte verbinden. Dafür muss sie um rund 300 Meter bis zur Leipziger Straße verlängert werden. Mehr als elf Millionen Euro kostet das Vorhaben. Der größte Teil des Geldes geht jedoch nicht für Asphalt oder Pflaster drauf, sondern wird für den Lärmschutz der Anwohner ausgegeben. Im März soll Baubeginn sein. Der von Grünen regierte Bezirk wird sich auch 2011 um Grünflächen und Uferwege kümmern. Die alte Schiffsanlegestelle am May-Ayim-Ufer, nahe der Oberbaumbrücke soll sich nach langer Restaurierungszeit für Berliner und Touristen öffnen. Außerdem soll Kreuzberg endlich einen Uferweg an der Spree bekommen, wie ihn Friedrichshain schon lange hat. 2010 wurden Vereinbarungen mit den Grundstückseigentümern getroffen. 2011 kann der Bau beginnen. Der Weg soll von der Schillingbrücke bis zum Spreebalkon an der Brommystraße führen. Der Ostpark auf dem einstigen Bahngelände am Gleisdreieck wird 2011 fertig. saf

Lichtenberg

Schulden hat der Bezirk nicht mehr. Das soll durch solides Wirtschaften so bleiben, ist sich das Bezirksamt einig. 250000 Euro werden zur Förderung von jungen Menschen und Familien in sozialen Brennpunkten bereitgestellt. Für große Bauvorhaben stehen Investoren bereit. So wird das Industriedenkmal „Alte Schokoladenfabrik“ gegenüber dem Sportforum Hohenschönhausen zu einer mondänen Adresse mit 70 Eigentums-Wohnungen. Am Anton-Saefkow-Platz öffnet im früheren Kaufhof wieder ein Einkaufszentrum. Das mehr als 100 Jahre alte Kulturhaus Karlshorst wird im Frühjahr abgerissen und bis Jahresende durch einen Neubau ersetzt. Aus dem Programm „Stadtumbau Ost“ werden der östliche Vorplatz am S-Bahnhof Wartenberg und der Mühlenbrunnen in Hohenschönhausen saniert. Das 130-jährige Bestehen des Zentralfriedhofs Friedrichsfelde mit der Gedenkstätte der Sozialisten wird am 21. Mai feierlich begangen. Männergesundheit ist 2011 erstmals ein Jahresschwerpunkt in Lichtenberg. Gleich drei Konferenzen befassen sich mit dem Wohl des „starken Geschlechts“, die erste Tagung ist bereits Anfang Februar. Knapp die Hälfte der 258000 Lichtenberger ist männlich. rg

Marzahn-Hellersdorf

Zum Abbau seiner Schulden von 27,5 Millionen Euro will der Bezirk im neuen Jahr aus eigener Kraft zusätzlich sechs Millionen Euro einsparen. Das hat Folgen für die Bürger: So gibt es weniger neue Bücher in den Bibliotheken. Der Medienetat muss um die Hälfte auf 170000 Euro reduziert werden. Kommunale Investitionen werden noch rarer. Für das größte Wirtschaftsvorhaben des Bezirkes, den CleanTechBusiness-Park im Gewerbegebiet Marzahn, wird auf 90 Hektar mit 24 Millionen Euro Fördermitteln eine moderne Infrastruktur angelegt. Neben dem Abriss des früheren Klärwerkes Falkenberg gehören dazu die Be- und Entwässerung sowie neue Straßen. Ein Zentrum der Solarmodul-Industrie entsteht. Das Freizeitforum Marzahn wird weiter saniert, die Shopping- und Flaniermeile Marzahner Promenade erhält ein neues Gesicht. Die Schau „Gärten der Welt“ im Erholungspark Marzahn wird um ein Projekt reicher: Am 29. April öffnet der Christliche Garten. Den Eltern aller Neugeborenen schenkt das Bezirksamt einen Familien-Gutschein über 40 Euro mit erweiterten Angeboten für Kurse zum Wohle der Babys. rg

Mitte

Eins der wichtigsten Infrastrukturprojekte im Bezirk wird das Straßenbahnprojekt Invalidenstraße sein. Der Neubau der Straßenbahn-Linie von der Chausseestraße bis Alt-Moabit bindet den Hauptbahnhof an das Straßennetz an. Auf der geplanten Strecke werden vier Linien verkehren. Baubeginn soll im Frühjahr sein. Zusätzlich werden Radstreifen ausgebaut. Bereits abgeschlossen ist der erste Bauabschnitt im Schillerpark an der Bristolstraße in Wedding. Nach ihrer Sanierung kann Deutschlands älteste Plansche in der Sommersaison wieder genutzt werden. Die Kosten für die Parksanierung – 1,7 Millionen Euro – stammen aus dem Förderprogramm für nationale Unesco-Welterbestätten. Eine grundlegende Renovierung wird es auf den Flächen rund um den Fernsehturm auf dem Alexanderplatz geben. Die Umgestaltung des Otto-Parks im Kleinen Tiergarten soll im Frühjahr in Angriff genommen werden. Der erste Bauabschnitt umfasst den Parkteil von der Ottostraße bis zur Stromstraße. Im Anschluss daran folgt der Abschnitt zwischen Stromstraße und St. Johannis-Kirche. ag

Neukölln

Der Bezirk will in diesem Jahr den 50. sanierten Radwege-Kilometer seit 2006 in Betrieb nehmen. Dieses ehrgeizige Ziel für Hauptverkehrsstraßen hatte er sich vor fünf Jahren zu Beginn der Legislaturperiode gestellt. Der Buckower Damm zwischen Bauhüttenweg und Mohriner Allee steht 2011 auf einer Länge von zwei Kilometern an der Spitze der Radwege-Aufwertung. 900000 Euro werden dort investiert. Größtes Straßenbauprojekt ist 2011 eine neue Fahrbahn auf der Fulhamer Allee. Weitergeführt werden die Sanierungsarbeiten auf der Hermannstraße, auf dem Britzer Damm, auf der Neuköllner Straße und der südlichen Karl-Marx-Straße. Ab wann der Platz der Stadt Hof zum Mittelpunkt dieser bezirklichen Lebensader aufgewertet wird, ist noch ungewiss. Der Bezirk wartet auf die Fördermittel vom Senat. Etwas ganz Besonderes für Berlin ist nach dem Vorbild von Nürnberg ein „Motorikpark“ für Jung und Alt, der für 680000 Euro im Buschkrugpark angelegt wird. Auf diesem Bewegungsparcours sollen sich Opa und Enkel fit machen. Das Albrecht-Dürer-Gymnasium an der Emser Straße wird 2011 zu einem Hochbegabtenzentrum ausgebaut. Die Bürgerämter sollen personell verstärkt werden. rg

Pankow

Erst Ende 2010 hat Pankow drei neue Parkzonen bekommen. Nur ein Jahr später sollen zwei weitere folgen. Auch die Stellplätze im Bötzowviertel und rund um Humannplatz und Arnimplatz werden dann Geld kosten. Denn die Not der Anwohner ist groß geworden, weil Berufspendler ihre Autos gern nahe der Innenstadt abstellen, dort, wo sie noch nichts bezahlen müssen. Mit seiner Negativliste für Schmuddelrestaurants ist Pankow Vorreiter in Sachen Lebensmittelhygiene. Die Kontrolleure des Bezirksamtes werden auch 2011 wieder neue Wege beschreiten. Sie testen das Smileysystem nach dänischem Vorbild, das ab Sommer 2011 in allen Bezirken eingeführt wird. Die Pankower Kontrolleure werden Anfang des Jahres mit iPads ausgerüstet und können ihren Bericht gleich im Lokal, in der Bäckerei oder Fleischerei schreiben, ausdrucken und aushängen. Im neuen Jahr soll auch eine Entscheidung über das Gelände des alten Güterbahnhofs Pankow fallen. Der Berliner Unternehmer Kurt Krieger möchte dort zwei Möbelhäuser und ein Einkaufszentrum bauen. saf

Reinickendorf

Ganz oben auf der „To-do-Liste“ steht für 2011 die Nutzung des Flughafens Tegel nach der geplanten Schließung 2012. Anfang des Jahres soll der Flächennutzungsplan im Senat fertiggestellt sein. Spätestens Mitte des Jahres soll der Bebauungsplan gemeinsam mit dem Senat erarbeitet werden. Bezirkswunsch hier ist eine Ansiedlung von Gewerbe und großflächiger, nachhaltiger Industrie. Ausreichend Abstand zu Wohngebieten ließe das zu. Mit einem Investor gibt es bereits Gespräche über die Wiederbelebung des ehemaligen Hertie-Hauses mit Einzelhandel in der Fußgängerzone in Tegel. Investor und Hauseigentümer sind in Verkaufsgesprächen. Laut Bezirksamt würde das Vorhaben die Fußgängerzone deutlich aufwerten. Vom 13. bis 15. Mai feiert der Bezirk das 100-jährige Bestehen des Altbaus des Rathauses am Eichborndamm. Die Planungen für das Fest mit Musik und Tanz laufen auf Hochtouren. Eingeladen sind alle sieben Partnerstädte. Zugesagt haben bereits Vertreter aus Frankreich, England und Israel. ag

Spandau

Seit dem Neujahrstag an ist der Bezirk Eigentümer des halben Groß Glienicker Sees. In diesem Jahr soll ein Gesamtkonzept erarbeitet werden, das die öffentliche Nutzung ermöglicht. Mit dem Kauf des Gewässers am Ortsteil Kladow hat der Bezirk auch die Fischereirechte und Bootslizenzen erworben. Mit dem Erwerb will der Bezirk sicherstellen, dass ihm bei Naturschutzprojekten niemand reinreden kann.

Das Spandauer Unternehmen „Florida Eis“ wird im Sommer mit dem Bau einer neuen Produktionsstätte beginnen. An der Straße Am Zeppelinpark werden nach Angaben von Firmenchef Olaf Höhn rund 2,6 Millionen Euro in eine neue Manufaktur investiert. Es entstehen mindestens 40 zusätzliche Arbeitsplätze. Im Siemens Technopark zwischen Siemensdamm, Wernerwerkdamm und Rohrdamm wird das Entwicklungsgebäude der Firma BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH in Betrieb genommen. Dort werden Waschmaschinen und Wäschetrockner entwickelt. Das Gesamtinvestitionsvolumen liegt bei rund 50 Millionen Euro. ag

Steglitz-Zehlendorf

An Berlins größter Einkaufsstraße im Südwesten wird es 2011 eine Baustelle weniger geben: Der Umbau der Schloßstraße zu einer Flaniermeile ist in diesem Jahr abgeschlossen. Das bedeutet mehr Platz für die Fußgänger auf breiteren Gehwegen und weniger Platz für die Autos, die nur noch eine Fahrspur pro Richtung haben. Die Baustelle hinter Wertheim wird auch 2011 das Bild der Straße bestimmen. Erst 2012 soll die neue Einkaufsgalerie „Boulevard Berlin“ eröffnet werden. Im Frühjahr wird das Ernst-Reuter-Stadion an der Onkel-Tom-Straße in Zehlendorf mit einer neuen Tribünenüberdachung und einer Flutlichtanlage den Sportlern zur Verfügung stehen. Das Stadion kann damit auch in der Zeit von Oktober bis März genutzt werden. Umgebaut und saniert wurde auch die Seniorenfreizeitstätte „Club Lankwitz“, der barrierefrei und neu ausgestattet im Februar wieder eröffnet. Im September wird das Rathaus Lankwitz 100 Jahre alt – ein Ereignis, dass mit einem Festakt gewürdigt werden soll. kla

Tempelhof-Schöneberg

Die Flugrouten-Planung wird die Bürger, insbesondere die Lichtenrader, weiter auf die Straße bringen. Als Mitglied der Fluglärmkommission kämpft das Bezirksamt in der Frage der Abflugrouten dafür, dass zumindest auf der nördlichen Flugbahn keine abknickenden Starts mit der Eröffnung des neuen Flughafens BBI im Juni 2012 Wirklichkeit werden. Intensiviert werden soll der Dialog mit den Unternehmen. Auf einer Standortkonferenz am 17. Februar wird das Netzwerk Motzener Straße noch enger geknüpft, neben dem Bürgermeister werden auch andere Dezernten aus dem Rathaus teilnehmen. Im Sinne des Sparkurses will die Behörde 2011 ihren Kurs fortsetzen und Büroflächen aufgeben. Ziel ist es auch, das Rathaus Friedenau frei zu ziehen und die Abteilung Jugend und Sport in anderen Standorten unterzubringen. Da im Umfeld des Winterfeldtplatzes immer mehr Kneipen eröffnen und das angestammte Gewerbe verdrängen, soll es schon bald ein Treffen aller Beteiligten geben. Dabei will das Bezirksamt nach Lösungen suchen, damit die Nahversorgung im Vergnügungsviertel nicht auf der Strecke bleibt. bsm

Treptow-Köpenick

Köpenick bekommt ein neues Einkaufszentrum nahe dem S-Bahnhof. Die alten Gebäude, die noch auf dem Grundstück an der Bahnhofstraße stehen, werden zu Beginn des Jahres abgerissen. Das Haus wird gegenüber vom Shopping-Center Forum Köpenick errichtet, will aber in seinen Geschäften andere Waren anbieten als der Konkurrent. Neu gestaltet wird auch der Elcknerplatz. Autofahrer im Südosten können darauf hoffen, dass im neuen Jahr die Durchfahrt unter den S-Bahn-Brücken an der Station Adlershof wieder geöffnet wird. Sie ist seit Jahren wegen des Bahnhofneubaus gesperrt. Früher war diese Durchfahrt ein Nadelöhr, weil sich Autos, Straßenbahn und Fußgänger den engen Platz teilen mussten. Jetzt ist die Straße verbreitert worden. 2011 soll auch ein großes, geplantes Straßenbauvorhaben in Schöneweide vorankommen: die sogenannte Südost-Verbindung mit einer Brücke über die Spree. Der Bezirk erwartet, dass der Senat die Planungsunterlagen 2011 bestätigt und die Ausschreibung des Vorhabens beginnen kann. saf