Berlin-Lichtenberg

Unbekannte verüben Anschlag auf Polizeiwache

Mit besonders großer Wucht warfen mehrere Täter in der Nacht zu Mittwoch Steine auf Fenster einer Polizeiwache in Berlin-Lichtenberg. Gegen eine mögliche Verfolgung durch Polizisten hatten sie sich abgesichert.

Unbekannte haben in der Nacht zu Mittwoch ein Polizeigebäude in Lichtenberg angegriffen und dabei hohen Sachschaden angerichtet. Verletzt wurde niemand. Offenbar wollten die Täter mit der Aktion Solidarität mit Personen bekunden, die wegen Autobrandstiftungen in Untersuchungshaft sitzen. Der Polizeiliche Staatsschutz ermittelt.

Gegen 0.30 Uhr war die Gruppe am Gebäude des Abschnitts 64 an der Rathausstraße erschienen und hatte mit Steinen mehr als zehn Scheiben im ersten Obergeschoss des Hauses eingeworfen. Anschließend zündeten sie Rauchbomben, der Qualm zog durch das beschädigte Glas in die Diensträume. Zudem legten die Unbekannten nahe der Wache sogenannte Krähenfüße, eine Art Wurfeisen, auf die Fahrbahn, durch die die Fahrzeuge, mit denen die Polizisten die Verfolgung der Täter aufnehmen wollten, beschädigt wurden. Die Randalierer entkamen. Zwar konnten zunächst in Tatortnähe drei Verdächtige gestellt werden, nach einer Überprüfung wurden sie jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt, weil sie nichts mit dem Angriff zu tun hatten. Zivilfahnder entdeckten kurz darauf in unmittelbarer Nähe einen Rucksack, in dem sich mehrere Flugblätter mit politischem Hintergrund befanden, die einen Bezug zu den Autobrandstiftungen herstellten.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sorgt sich angesichts der neuen Gewalt um das Leben und die Gesundheit der Kollegen auf der Straße. „Funkstreifenwagenbesatzungen werden angegriffen, Scheiben eingeworfen, immer wieder Gefangene nach Festnahmen von aufgebrachten Menschenmengen befreit“, so Berlins GdP-Geschäftsführer Klaus Eisenreich. „Diese Tätergruppierungen wissen genau, dass es in Berlin zu wenige Polizisten gibt und bei solchen Ereignissen auch einige Zeit verstreicht, bis Verstärkung eintreffen kann. Es ist der schleichende Prozess des Autoritätsverlustes des Staates.“

Der Vorsitzende des Polizeikreises der CDU, Peter Trapp, wünscht sich eine schnelle Aufklärung der Tat. „Solche Gewalttäter gehören schnellstmöglich vor Gericht. Der Zwischenfall zeigt eine neue Form der Gewalt. Diese Krähenfüße hätten auch normale Bürger in schwere Verkehrsunfälle verwickeln können.“ Ein Bereitschaftspolizist ist ebenfalls entsetzt: „Es ist für mich schwer zu ertragen, dass es Menschen gibt, die mich ob meines Berufes so sehr hassen, dass sie mich verletzen wollen.“