Shopping-Verbot am Hauptbahnhof

Rückschritt auf Kleinstadt-Niveau

Der Hauptbahnhof ist nicht nur Wahrzeichen und touristisches Highlight von Berlin, sondern die Visitenkarte der deutschen Hauptstadt. Durch ein Shopping-Verbot an Sonntagen ist gar nichts gewonnen - im Gegenteil.

Am Hauptbahnhof kommen Touristen aus aller Welt an. Hier empfängt Berlin seine Gäste. Dass dort Geschäfte an sieben Tagen die Woche geöffnet haben, ist nur allzu selbstverständlich. Das steht einer Stadt, die sich gern mit dem Attribut Metropole schmückt, gut zu Gesicht.

Doch das soll nun – geht es nach dem Willen des Senats – anders werden. Kritiker befürchten bereits einen Abstieg des Hauptbahnhofs auf Provinzniveau. Zu Recht. Auch wenn das Ladenöffnungsgesetz keinen Interpretationsspielraum lässt und nur den Verkauf von sogenanntem Reisebedarf billigt, kann es politisch nicht wirklich gewollt sein, den Bahnhof am Sonntag auf Kleinstadt-Standard herunterzuschrauben.

Denn gewonnen ist damit gar nichts. Im Gegenteil: Geschäftsleute büßen Umsatz ein, Mitarbeiter verlieren ihren Job. Der Bahnhof wird unattraktiv.

Ausgerechnet an Sonn- und Feiertagen, wenn sich besonders viele Touristen und auch Berliner am Hauptbahnhof aufhalten, werden verschlossene Türen in Berlins neuem Wahrzeichen vorherrschen. Damit das nicht eintritt, sollte schleunigst eine Ausnahmegenehmigung – wie es sie für den Flughafen Tegel im Gesetz bereits gibt – auf den Weg gebracht werden.

Hier müssen Senat und Abgeordnetenhaus handeln – und zwar im Sinne der Geschäftsleute, Touristen und Berliner.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.