Einzelhandel

In Tempelhof fährt man mit dem Schiff zum Shoppen

In Berlin ist das neue Dienstleistungszentrum am früheren Hafen Tempelhof eröffnet worden. Nach Angaben des Bezirks wurden dort etwa 100 Millionen Euro investiert und 400 neue Arbeitsplätze geschaffen. Es ist Berlins erstes Einkaufszentrum am Wasser.

Foto: Christian Hahn

Das erste Einkaufszentrum Berlins, bei dem die Gäste auch mit dem Boot zum Shoppen fahren können, hat am Mittwoch bei strahlendem Sonnenschein eröffnet. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zerschnitt zusammen mit Christian Diesen, dem Bauherrenvertreter, und Center-Manager Dieter Simon das rote Eröffnungsband. Wowereit lobte das Projekt als „mutiges Investment“. Mehr als 100 Millionen Euro haben die HLG und die IKB Deutsche Industriebank in den Ausbau der Brache investiert. Im sorgfältig restaurierten historischen Speicher sowie in den Neubauten sind 70 Geschäfte entstanden – auf 20.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. 600 Parkplätze stehen zur Verfügung.

Ankermieter sind unter anderem Edeka, das am Hafen mit rund 4000 Quadratmetern sein erstes E-Center in Berlin betreibt, sowie C&A, Hennes & Mauritz und Media Markt. Er eröffnete als erster am Mittwochmorgen um 6 Uhr. Mehr als 1000 Kunden warteten bereits, um die Eröffnungsangebote wie ein Notebook zum Preis von 399 Euro zu kaufen. Auch in den Stunden danach strömten die Menschen zum Tempelhofer Damm Ecke Ordensmeister Straße. Am besten gefiel Besuchern das Ambiente am Wasser. Sie lobten die Architektur und die Einrichtung. „Es ist wunderbar geworden“, findet Manfred Grothe aus Tempelhof. Annelore Lehmann und Alice Malik, die auf der Terrasse im Café Lebensart den Blick auf das Ullsteinhaus genießen, freuten sich als Tempelhofer „ganz doll über diese Bereicherung“.

„Außenbereich wie eine Baustelle“

Auch Malte und Doreen Gericke, die mit den Söhnen Mathis und Eljas übers Areal schlenderten, waren angetan: „Im Vergleich zum monströsen Alexa oder dem Potsdamer Platz, der uns zu Schickimicki ist, ist es hier ursprünglich. Die Hafenatmosphäre und die alten Kräne schaffen sogar ein wenig Nostalgie. Das gefällt uns sehr gut.“

Gudrun Engel und Dieter Dreifke allerdings, die mit dem Rad aus Rudow kamen, waren enttäuscht, dass im Außenbereich vieles noch nicht fertig ist: „Es sieht draußen noch sehr nach Baustelle aus. Da hätten die Eigner doch besser einen Monat mit der Eröffnung warten sollen.“ Nicht fertig geworden sind auch die beiden Restaurants und das Eiscafé im Neubau mit der Kupferfassade an der Stubenrauchbrücke. Bautechnische Gründe – beispielsweise eine Fettabdichtung im Boden – werden für die Verzögerung verantwortlich gemacht. Die Betreiber wollen ihre Gäste jetzt ab Anfang Juni bewirten. Der Inhaber des neuen Maximilian-Imbisses will die Zeit bis zur geplanten Eröffnung am 20. Mai mit einem mobilen Wagen überbrücken.

Center-Manager Dieter Simon freute sich, dass der Start glatt über die Bühne ging. Kleine Schönheitsfehler wie die schlechte Ausweisung zu den Toiletten, die viele Gäste nur mit detektivischem Spürsinn fanden, sollen schnell behoben werden. Für die ersten Eröffnungstage haben sich die Geschäftsleute etliche Aktionen einfallen lassen. So lädt das Center, das auch am kommenden Sonntag von 13 bis 18 Uhr öffnet, zu einer kostenlosen Hafenfahrt ein (bis inklusive Sonntag).

Im Restaurant „Janus“, das seit 25 Jahren an der Ordensmeister- Ecke Wenckebachstraße seine Gäste bewirtet, sieht man der Zukunft mit gemischten Gefühlen entgegen. „Durch die unerträgliche Baustelle hatten wir in den letzten zwei Jahren großen Gästeschwund. Jetzt wird es langsam besser. Wir hoffen auf eine positive Entwicklung durch die Nähe zum Center“, so Geschäftsführerin Sibyll Moldenhauer. Viele hätten sich jedoch bereits schon wieder geärgert, dass die Nachbarn zur Eröffnung nicht eingeladen worden seien.

Öffnungszeiten des Tempelhofer Hafens (U-Bhf Ullsteinstraße): Mo.–Sbd. 10-20, Fr. bis 22 Uhr; Edeka: Mo.–Mi. 8–20 Uhr, Do.–Sbd. bis 22 Uhr.

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