Flaschenwürfe

Sechs WM-Athleten vor Berliner Disco festgenommen

Mehrere Sportler aus den USA und der Karibik haben am Rande der Leichtathletik-WM in Berlin Türsteher einer Diskothek attackiert. Gegen 4 Uhr am Sonntagmorgen wurden aus einer Gruppe, zu der Sportler aus den Bahamas und den USA gehörten, Flaschen auf Mitarbeiter des Tanzlokals in Schöneberg geworfen.

Die USA verfügen über eine ganze Menge starker 400-Meter-Läufer, selbst diejenigen, die sonst über Hürden laufen, sind so gut, dass sie in der Staffel mitmachen dürfen. Bershawn Jackson beispielsweise gehörte zum Quartett, dass die USA in den Vorläufen vertrat. Da die Amerikaner dort ihre besten Leute schonten, war Jackson vermutlich gar nicht für das Finale am Sonntagabend vorgesehen.

Wahrscheinlich hätte er aber auch ein Problem gehabt, überhaupt dabei sein zu können. Denn offenbar saß er am Sonntag einige Zeit in der Gefangenensammelstelle. Jackson, in Berlin Bronzemedaillengewinner über 400 Meter Hürden, soll einer von sechs Leichtathleten sein, die in der Nacht zum Vortag von der Polizei vorläufig festgenommen worden sind. Dem Vernehmen nach sollen auch die Kubaner Leonel Suarez und Alexis Copello sowie die Bahamas-Athleten Leevan Sands und Shamar Sands dazu gehören.

Jackson wusste womöglich, dass er im Finale nicht berücksichtigt werden würde und erlaubte sich daher mit einigen Sportlern den nächtlichen Ausflug. Offenbar war es eine sehr ungeduldige Runde. Gegen vier Uhr wollte die Gruppe eine Diskothek in Schöneberg („Havanna“) an der Hauptstraße betreten. Weil diese überfüllt war, wurde den Personen angeboten, im Vorraum zu warten, bis andere Gäste den Club verlassen. Währenddessen kam es zu Wortgefechten, was die Türsteher veranlasste, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und die Gruppe des Hauses zu verweisen. Dies passte den Sportlern nicht, sie griffen zu Flachen und warfen gezielt auf die Angestellten der Diskothek. Ein 30-Jähriger und ein 36-jähriger Kollege trugen leichte Verletzungen davon, ein 27-jähriger Türsteher erlitt Schnittwunden im Gesicht.

Türsteher wehrten sich

Die alarmierte Polizei nahm drei Sportler von den Bahamas im Alter von 24, 25 und 28 Jahren sowie einen 26-jährigen US-Amerikaner, vermutlich Jackson, fest. Ein 25 Jahre alter Sportler, gegen den sich einer der Türsteher mit Pfefferspay wehrte, erlitt Augenreizungen. Nachdem die Beamten die ersten Randalierer gerade abgeführt hatten, kam es am selben Ort zu einem zweiten Vorfall. Dieses Mal warfen zwei Kubaner im Alter von 21 und 24 Jahren Flaschen auf die Türsteher. Diese Attacke blieb jedoch ohne Folgen. Auch sie wurden vorläufig festgenommen.

Gegen alle sechs Männer wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung eingeleitet. Am Sonntagnachmittag seien alle aber wieder freigelassen worden, sagte WM-OK-Chef Heinrich Clausen. Gegen die Hinterlegung einer Sicherheitsleistung.

Für die 4x400-Meter-Staffel der USA spielte das Ganze keine Rolle. Zwar war sie mit dem mutmaßlichen Partygänger Jackson und mit der besten Zeit aller Teilnehmer ins Finale gelaufen. Ohne Bershawn Jackson liefen die Amerikaner aber noch schneller und gewannen souverän Gold.

Auf Landfriedensbruch steht übrigens eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Gefährliche Körperverletzung ist mit Strafen von drei Monaten bis zu zehn Jahren bewehrt.