Leichtathletik

WM-Athleten bedanken sich bei Berlin

Die Leichtathletik-WM ist vorüber. Am Abend wurden im Berliner Olympiastadion die letzten Medaillen vergeben. Besonders charmant fiel der Dank der Athleten an die Gastgeber-Stadt aus. Sie entrollten im Olympiastadion ein riesiges Plakat mit den Worten: "Danke Berlin, Ihr wart super."

Die Botschaft ans Publikum prangte in schwarzen Lettern auf einem weißen Transparent: „Danke Berlin – Ihr wart super“. Mit einer Ehrenrunde, inmitten von Hunderten Volunteers mit bunten T-Shirts, verabschiedete sich ein Teil der deutschen Leichtathletik-Nationalmannschaft gestern Abend von der Hauptstadt und seinen Fans, die neun Tage lang das getan hatten, wozu Speerwurf-Weltmeisterin Steffi Nerius sie per Stirnband aufgefordert hatte: „Macht Rabatz.“

Es ist keine bewegende Schlussfeier gewesen gestern im Olympiastadion, eher ein bisschen wirr war sie und in etwa so stimmungsvoll wie Bundesjugendspiele. Das änderte gleichwohl nichts an Clemens Prokops Meinung, die er sicher mit vielen teilte: „Außergewöhnliche Weltmeisterschaften gehen nun zu Ende.“ Den Zuschauern rief der Präsident des Organisationskomitees zu: „Sie waren ein fantastisches Publikum! Danke Berlin und auf Wiedersehen in Daegu.“

In der südkoreanischen 2,5-Millionen-Stadt finden in zwei Jahren die nächsten Weltmeisterschaften statt. Glaubt man Spitzenfunktionären, Trainern und Athleten, werden die Asiaten es schwer haben, ähnliches Lob zu kassieren wie die Berliner – trotz mal mehr mal minder großer Lücken auf den Rängen wegen unverkaufter Tickets. Einige der internationalen Stars gaben gar noch ihre Deutschkenntnisse zum Besten. „Danke schään!“, rief der Norweger Andreas Thorkildsen ins Stadionmikrofon, nachdem er den Speerwurf-Wettbewerb mit 89,59 Meter überlegen vor Guillermo Martinez aus Kuba (86,41 Meter) gewonnen hatte. Und Sanya Richards flötete den offiziell 50.754 Zuschauern zu: „Thank you for coming. Ihr seid spitzeeeee!“

Richards war Schlussläuferin der amerikanischen 4x400-Meter-Staffel, die in Weltjahresbestzeit von 3:17,83 Minuten vor Jamaika (3:21,15) und Russland (3:21,64) triumphierte. Es war einer der bemerkenswerten Wettkämpfe an diesem Sonntag, denn das deutsche Quartett mit Fabienne Kohlmann, Sorina Nwachukwu, Esther Cremer und Claudia Hoffmann wurde unter dem Getöse der Fans unerwartet Fünfter (3:27,61) und rechtfertigte damit seine Nominierung. Schließlich hatten die Läuferinnen die geforderte Norm vor der WM nicht komplett erfüllt.

Auch die amerikanischen Männer ließen ihren Konkurrenten in der Staffel über die Stadionrunde keine Chance. Ebenfalls in Weltbestzeit (2:57,86) siegten sie vor Großbritannien (3:00,53) und Australien (3:00,90) und fügten der Medaillensammlung der USA Gold Nummer zehn hinzu.

Damit sind die Vereinigten Staaten die erfolgreichste Nation der zwölften Weltmeisterschaften, sechs Silber- und sechs Bronzemedaillen sind ebenfalls unerreicht. Hinter ihnen steht unangefochten Jamaika (7/4/2) auf Rang zwei, gefolgt von Kenia (4/5/2), Russland (4/3/6) und Polen (2/4/2). Deutschland übererfüllte mit insgesamt neun Medaillen (2/3/4) als Sechster die Erwartungen ebenso wie die Jamaikaner. Erstaunlich, wie eine Insel mit 2,7 Millionen Einwohnern derartig die Sprintdisziplinen dominieren kann. Jubel und Grusel sind gleichermaßen erlaubt.

Wenn man so möchte, dauert eine WM heutzutage ja ohnehin nicht nur neun Tage sondern acht Jahre. Jedenfalls wenn es um die Dopingproben geht. Sie werden so lange eingefroren und bei Verdacht und Bedarf auf Mittel oder -Methoden nachgetestet.

Dass es unter den 1984 WM-Teilnehmern in Berlin davon mehr als die drei Ertappten gibt, steht zu vermuten angesichts noch nicht zu entdeckender, aber dennoch in der Szene kursierender Präparate sowie ungleicher Kontrollzahlen weltweit – in Afrika etwa können mangels Logistik keine Blutproben zu den Laboren geschafft werden. Und in Jamaika ist erst kürzlich überhaupt eine Antidopingagentur geschaffen worden.

Dummerweise erwischen lassen haben sich bis zum Schlusstag bloß Nigerias 400-Meter-Hürdenläuferin Amaka Ogoebunam (anaboles Steroid Metenolon), Hindernisläufer Jamal Chatbi aus Marokko (Clenbuterol) und seine Landsfrau und 1500-Meter-Läuferin Mariem Alaoui Selsouli. In der Geschichte der WM verloren übrigens 14 Sieger ihre Goldmedaille nachträglich.

Da mag es womöglich beruhigend wirken, dass die Titelkämpfe von Berlin kein extremes Rekordfestival gewesen sind. Drei Weltrekorde – 100 und 200 Meter der Männer sowie Frauen-Hammerwurf – wurden erzielt, dazu neun WM-Bestmarken. Am Ende werden die Leute aber weniger von solchen Ziffern sprechen als von Abenden wie vorige Woche Sonntag, als innerhalb kürzester Zeit Usain Bolt 9,58 Sekunden lief und Nadine Kleinert und Jennifer Oeser Silber für Deutschland gewannen. Von Gänsehautmomenten wie diesen gab es reichlich in Berlin.