Unternehmenssterben

Pleitewelle erfasst Berlin besonders schwer

Jetzt hat die Wirtschaftkrise Berlin voll erwischt. Die Zahl der Unternehmenspleiten ist drastisch gestiegen - über den bundesdeutschen Durchschnitt. Besonders kleinere und mittlere Unternehmen stecken in der Klemme: Ihnen mangelt es oft an Eigenkapital, doch in der Krise knausern die Banken mit Krediten.

Die Wirtschaftskrise hat die Zahl der Unternehmenspleiten in Berlin drastisch in die Höhe getrieben. Im ersten Halbjahr 2009 meldeten 850 Firmen Insolvenz an – ein Zuwachs von 16,4 Prozent im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Das geht aus Zahlen der Wirtschaftsauskunft Creditreform hervor, die Morgenpost Online exklusiv vorliegen.

Die Zahlen von Creditreform zeigen, dass das Firmensterben in der Hauptstadt rasanter voran schreitet als im bundesdeutschen Durchschnitt. Zählt man die Creditreform-Daten aller Bundesländer zusammen, kommt man auf 16.650 Unternehmenspleiten in ganz Deutschland. Der Zuwachs ist mit 14,3 Prozent ebenfalls beträchtlich, jedoch geringer als in der Hauptstadt.

Die höhere Pleiten-Dynamik erklärt sich mit der Wirtschaftsstruktur in Berlin. In Deutschlands größter Stadt dominieren kleinere und mittlere Unternehmen. Ihnen mangelt es oftmals an ausreichend Eigenkapital. Diese Unternehmen geraten nun besonders schnell ins Schlingern, da Banken angesichts der Finanzkrise bei der Kreditvergabe knausern, mehr Sicherheiten verlangen und riskante Finanzierungen scheuen.

Creditreform: Pleite-Höhepunkt erreicht

Zu den bekanntesten Berliner Unternehmen, die im ersten Halbjahr 2009 in die Insolvenz rutschten, zählen drei Autohäuser der Kroyman-Gruppe, der Sicherheitsdienst B.O.S.S. aus Weißensee und der Fernsehsender FAB.

„In der Krise rächt sich eine schmale Eigenkapitaldecke“, sagt Hans-Ulrich Fitz von Creditreform Berlin. Er bemängelt zudem ein schlechtes Risikomanagement bei kleineren und mittleren Unternehmen. Allerdings dürfte nach Einschätzung von Creditreform das Schlimmste ausgestanden sein. Für 2010 rechnet Fitz nicht mit einem weiteren markanten Anstieg der Firmenpleiten.

Weniger Privatleute melden sich pleite

Trotz des starken Zuwachses ist Berlin noch ein ganzes Stück von der Pleitenzahl der Jahre 2004 und 2005 entfernt. Damals gingen im ersten Halbjahr noch 980 (2004) Firmen beziehungsweise 910 (2005) insolvent.

Leicht rückläufig ist die Zahl der Verbraucherinsolvenzen. 3110 Privatleute meldeten in der ersten Jahreshälfte Insolvenz an. Das entspricht einem Minus von 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Zahlen bedeuten jedoch nicht, dass die Überschuldung vieler Berliner Haushalte zurückgeht. Dem harten und komplizierten Verfahren der Verbraucherinsolvenz unterzieht sich nur ein Bruchteil der privaten Schuldner. Laut Schulden-Report des Bundesverbandes der Verbraucherzentrale ist jeder sechste Haushalt in der Hauptstadt, insgesamt 240.000, so tief in den Miesen, dass er allein nicht rauskommt.