Berliner S-Bahn

Jetzt verlieren die Fahrgäste die Geduld

Ärger über Wartezeiten und überfüllte Züge: Auch nach drei Tagen hat sich die Situation bei der Berliner S-Bahn noch immer nicht entspannt. Auf den Berliner Bahnhöfen waren die Züge so überfüllt, dass einige Fahrgäste nicht mehr mitgenommen werden konnten.

Foto: Christian Hahn / Hahn

S-Bahn-Chaos und kein Ende: Fahrgäste auf den Bahnhöfen in Berlin-Buch und Karow kamen am Donnerstagmorgen mit den überfüllten Zügen nicht mit und mussten die nächste Bahn nehmen und somit zusätzliche Wartezeit einplanen. Denn seit Dienstagfrüh verkehrt die S2 wie fast alle anderen wichtigen Linien im S-Bahn-Netz nur im 20-Minuten-Takt.

Florian Theuser ist einer der Glücklichen, die noch einen Platz ergattern konnten. „Bei diesem Wetter ist das wirklich kein Vergnügen“, sagt der Informatikstudent. Er empfindet die tägliche Fahrt in überfüllten und stickigen Zügen als Zumutung. „Ich finde es unerhört, dass es noch immer keine Entlastungsangebote gibt. Warum setzt man keine Busse ein“, fragt er. Wer kann, weicht auf andere Verkehrsmittel aus. So auch Lutz Drozdowski. „Ich fahre nur noch U-Bahn. Das Getümmel in der S-Bahn will ich mir nicht antun“, sagt er. Zwar müsse er nun mehr Zeit einplanen, das sei es ihm aber wert.

Auf dem Bahnhof Friedrichstraße sucht Angelika Kujat vergeblich nach Informationen über die aktuelle Lage. Nach einigen Minuten wendet sie sich kopfschüttelnd von der Informationstafel ab. „Das ist wirklich eine Sauerei“, sagt die 43-Jährige aufgebracht. „Erst werden die Fahrpreise erhöht, dann wird an der Sicherheit gespart. Das kann ich nicht verstehen.“ Trotz des Frustes wird sie weiterhin täglich mit der S-Bahn von Mitte nach Strausberg fahren. „Was soll man machen“, sagt sie resigniert. „Ich bin auf die Bahn angewiesen.“

Kathryn Wyatts Zorn richtet sich gegen den ehemaligen S-Bahn-Chef Tobias Heinemann. „Jeder Mensch macht Fehler, das kann man verzeihen. Doch das, was bei der S-Bahn abläuft, hat ja offenbar System“, sagt sie. „Für mich ist das pure Inkompetenz. Für den Preis, den ich für die Tickets zahle, erwarte ich auch eine entsprechende Leistung.“

Auch am Alexanderplatz ist die Stimmung nicht besser. „Andauernd gibt es Probleme mit der S-Bahn“, sagt Student Antonio Löwe. „Es wäre schön, wenn wir auch einmal wieder angemessenen Service geboten bekommen würden.“ Sabrina Rohloff fordert Lösungen. „Es muss doch möglich sein, einen Ersatzverkehr einzurichten“, sagt die Verwaltungsangestellte.

S-Bahn-Verkehr weiterhin gestört

Entgegen der Ankündigung der S-Bahn, die für Freitag Entlastungen auf den Strecken angekündigt hatte, ist der Verkehr weiterhin auf vielen Strecken massiv gestört. Nach Unternehmensangaben verkehrten gestern nur die Linien der Ringbahn sowie die S7, S8 und S9 weitgehend planmäßig. Die S45 und auch wieder die S85 waren eingestellt. Alle anderen Linien verkehren weiterhin nur im 20-Minuten-Takt. Die S5 fuhr zwischen Strausberg und Strausberg Nord nur alle 40 Minuten. Zudem setzt die S-Bahn vielfach kürzere Züge als üblich ein. Das Unternehmen empfiehlt seinen Fahrgästen, auf BVG und Regionalbahn auszuweichen.

Für Freitag hat die S-Bahn auf ihrer Internetseite ( www.s-bahn-berlin.de ) wieder einen „angepassten Fahrplan“ veröffentlicht. Infos zur aktuellen Betriebslage gibt es auch unter Tel:29743333.