Kreative Woche

Berlin wird für Designer immer interessanter

Die Berliner Designwochen beginnen. Das "DMY International Design Festival" zeigt bis Sonntag das Schaffen von 550 Kreativen aus mehr als 30 Nationen in der Hauptstadt - inklusive Filzsessel und Edelstahllampe.

Foto: CREATE BERLIN

So richtig kann sich Tim Brauns nicht mit der Kritzelei auf dem PVC-Boden anfreunden, die anscheinend ein Gesicht darstellen soll. Auch irgendwie kreativ, wenn sie auch nicht zu den Lichtobjekten passt, die er gerade direkt daneben aufbaut. Bleibt zu hoffen, dass diejenigen, die ab heute im Betahaus in Kreuzberg die Ausstellung "Made in Berlin" besuchen, sich voll und ganz auf das konzentrieren, was Brauns und fünf andere Designer bzw. Designagenturen bis zum kommenden Sonntag ausstellen werden. Anlass für die Sonderschau ist das "DMY International Design Festival", das ebenfalls bis Sonntag das Schaffen von 550 Designern aus mehr als 30 Nationen in der Hauptstadt präsentieren wird. Das Motto des Festivals lautet "Same same, but different", es soll um die "feinen Differenzen" gehen, "die gutes Design als gesellschaftlich relevant auszeichnen".

Sonderausstellung "Made in Berlin"

Die Ausstellung "Made in Berlin", organisiert vom Kreativnetzwerk Create Berlin, ist in dieser Form bereits auf der Möbelmesse in Mailand im April gezeigt worden. "In Mailand sind vor allem Hersteller unterwegs, die nach innovativen Produkten Ausschau halten. Hier kann man nun die Resonanz beim Endverbraucher testen", sagt Brauns, der mit seiner Firma "e27" noch mit anderen Objekten auf dem Festival vertreten ist. Neben Fachbesuchern sind nämlich auch alle Designinteressierten willkommen, insgesamt erwarten die Veranstalter zur siebten Edition des Festivals 30.000 Besucher.

"Hier in Berlin kann man sich wunderbar informieren, gerade auch Designstudenten sind hier gut aufgehoben. Außerdem findet hier ein lebhafter Austausch der Kreativmetropolen statt", so Brauns. Die Stadt Berlin und ihr Image seien definitiv ein Magnet - auch wenn in der Hauptstadt nicht die produzierende Wirtschaft zu Hause sei. "Berlin lebt von seinem kreativen Potenzial, deshalb haben auch alle großen Firmen wieder Büros hier. Und ich denke, dass auch in den nächsten Tagen viele Scouts unterwegs sein werden, um sich inspirieren zu lassen."

Inspiration ist das eine, die Umsetzung noch mal etwas anderes. Ein gutes Beispiel ist die Lampe "Pull", die Brauns gerade in Szene setzt. Entstanden ist sie aus einem gelaserten Edelstahlrund, das anschließend zieharmonikagleich auseinander gezogen und mit einem Lampenschirm gekrönt wird. "So eine Idee mag in einer Woche Gestalt annehmen, die Ausarbeitung mit Stabilitätstests und Zertifizierungen dauert dann bestimmt noch einmal ein Jahr." Einen Hersteller für die Lampe hat Brauns bereits gefunden. Bei anderen Objekten hier im Raum handelt es sich um Prototypen, wie etwa bei dem Sitzobjekt von Werner Aisslinger aus verstärktem Filz in Korallenform.

Kooperation mit KPM

Dann wären da zum Beispiel noch der "White Knight", eine Porzellanfigur von "Zeitgeist Toys" in Kooperation mit KPM, die umstrickten Lampen und die riesigen, handgeknüpften Blumenampeln von "llot llov" oder das Sofa von Coordination. Danilo Dürler von "ett la benn" ist unter anderem mit einem variabel höhenverstellbaren Regalsystem vertreten. "Wir sind es Berlin schuldig, dass wir auch hier ausstellen und nicht nur auf Messen wie Mailand oder Köln." Gerade von Italienern höre er immer wieder, wie groß die Freiräume seien, die die Kreativen in Berlin genießen können.

"Die niedrigen Mieten sind ein echter Standortvorteil", sagt der 32-Jährige, der mit seinem Partner auch im Bereich Innenausstattung tätig ist, zuletzt beim neuen Restaurant "Yumcha Heroes" am Weinbergsweg. Auch er ist gespannt auf die Reaktion der Festivalbesucher. "In Mailand gab es Pressestimmen, die uns als allerbeste Ausstellung gelobt haben", sagt Dürler.

Dann habe es wiederum auch Besucher gegeben, die schnell auf dem Absatz kehrt gemacht hätten, weil sie "Plüschigeres" gewohnt gewesen seien. "Die haben es einfach nicht begriffen, aber Geschmäcker sind nun mal verschieden", sagt Dürler.

In den kommenden Tagen sollte es bei 550 internationalen Designern indes nicht allzu schwierig sein, etwas zu finden, das dem eigenen Gusto entspricht.