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Berlin will Daimler mit allen Mitteln halten

Daimler hat mit einem Abschied aus Berlin gedroht. Der Automobil-Konzern könnte seine zentralen Bereiche nach Stuttgart verlagern. Für den Bürostandort Potsdamer Platz wäre der Weggang Daimlers ein harter Schlag. Nachdem die Bahn schon viele Büros geräumt hat, würde ein Daimler-Umzug den Leerstand dort auf mehr als die Hälfte erhöhen.

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Der Berliner Senat will mit allen Mitteln um den Verbleib von Daimler am Potsdamer Platz ringen: "Selbstverständlich wird auch das Land Berlin alles tun, um Daimler von den Vorzügen eines Verbleibs am Standort zu überzeugen". sagte Wirtschaftsstaatsekretär Jens-Peter Heuer (Die Linke).

Am Tag zuvor hatte Daimler angekündigt, nach Auslaufen der Mietverträge 2012 zentrale Bereiche mit insgesamt 200 Mitarbeitern eventuell an einen anderen Ort zu verlegen - vielleicht sogar nach Stuttgart. Die Entscheidung soll im Juni fallen. Die Berliner Planspiele sind offenbar Teil eines verschärften Kostensenkungsprogramms. "Es ist unser Ziel, auch langfristig das Einsparvolumen nachhaltig auf dem Niveau von fünf Milliarden Euro zu halten", sagte Finanzchef Bodo Uebber dem "Handelsblatt". Dazu würden alle Register gezogen.


Daimler-Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm nannte die Umzugsüberlegungen "ökonomisch völligen Quatsch". Den Berliner Kollegen seien Forderungen nach Kostensenkungen vom Unternehmen vorgelegt worden. Wenn versucht werde, Zugeständnisse durch Umzugsdrohungen abzupressen, "ist das ein durchschaubares und unfaires Manöver".

Staatssekretär Heuer ist indes zuversichtlich: Daimler habe mit seiner jüngsten Entscheidung für den Aufbau der Elektromotorenproduktion in Marienfelde ein klares Standortbekenntnis abgegeben. Dies sei Folge eines Abwägungsprozesses gewesen. Der Senat wolle versuchen, Daimler mit "gewichtigen Argumenten" zu überzeugen.

Für den Bürostandort Potsdamer Platz wäre der Weggang Daimlers ein harter Schlag. Schon jetzt ist die Lage dort schwierig. "Nachdem die Bahn bereits umfangreiche Flächen aufgegeben hat, sind aktuell in dem Areal Büroräume mit einem Gesamtumfang von rund 80 000 Quadratmetern unvermietet", sagte Markus Schmidt, Leiter Research beim Immobiliendienstleister Aengevelt. Das entspricht einer Leerstandsquote von 35 Prozent. "Gibt der Automobilkonzern die bislang von ihm angemieteten 40 000 Quadratmeter auf, würde die Quote auf 52,5 Prozent steigen." Einen solchen Schlag könnte der Potsdamer Platz kaum verdauen, meinte ein weiterer Makler. "Selbst wenn die Konjunktur und damit die Nachfrage nach Büroflächen in den nächsten Jahren kräftig anziehen würden, dürfte sich der Standort kaum erholen." Hohe Leerstandsraten würden Mieter in der Regel in andere Quartiere treiben. Nicht ausgeschlossen sei aber, dass der Konzern nur günstigere Konditionen durchsetzen wolle.

Daimler hatte sein Quartier am Potsdamer Platz Ende 2007 an den Fonds Immoinvest der SEB für rund 1,4 Mrd. Euro verkauft. Von den 285 000 Quadratmetern in den Fondsobjekten hat Daimler 10 000 Quadratmeter angemietet. Weitere 30 000 Quadratmeter hat der Konzern in anderen Immobilien im Quartier. Schon allein dadurch verfüge der Konzern über ein gutes Druckmittel bei den Verhandlungen, so der Makler.

"Wir führen derzeit mit Daimler normale Mietergespräche und sehen keinen Grund, nach einem Nachmieter zu suchen", sagte SEB-Sprecherin Brigitte Schroll.