Richtfest im Naturkundemuseum

Platz für 257.000 Gläser mit hochprozentigem Alkohol

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Isabell Jürgens
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Naturkundemuseum bekommt neuen Ostflügel

Fast drei Jahre nach dem Beginn der Bauarbeiten an seinem Ostflügel feierte das Berliner Naturkundemuseum Richtfest. Der Gebäudeteil, der 1945 fast vollständig im Bombenkrieg zerstört wurde, hat nun eine Dachkonstruktion.

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Das Berliner Naturkundemuseum erhält einen neuen Ostflügel. Dort sollen ab Frühjahr 2010 exotische Frösche, Schlangen, Spinnen, Eidechsen und Fische gelagerten werden - eingelegt in Alkohol. Auf eine historische Rekonstruktion des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gebäudeteils haben die Architekten bewusst verzichtet.

Dieses Gebäude wird es künftig in sich haben: 257.000 Gläser mit hochprozentigem Alkohol sollen im sogenannten Ostflügel des Naturkundemuseums an der Invalidenstraße, über dem am Mittwoch der Richtkranz hochgezogen wurde, im Frühjahr 2010 Einzug halten. Doch nicht die Bestände eines Spirituosenhändlers werden dort gelagert, sondern die wertvollen zoologischen Sammlungsobjekte des Museums. In den Gläsern sind exotische Frösche, Schlangen, Spinnen, Eidechsen und Fische konserviert, die Forscher der Humboldt-Universität von ihren Reisen in ferne Länder mitgebracht haben.

Gut 29,5 Millionen Euro werden in den Wiederaufbau des Ostflügels des 120 Jahre alten Museums investiert. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs hatte eine Bombe den Ostflügel quasi in der Mitte durchgerissen. Die klaffende Lücke wird nun nach den Plänen des Architekturbüros Diener & Diener wieder geschlossen. Die Architekten haben dabei ganz bewusst auf eine historische Rekonstruktion verzichtet: „Wir werden den Neubau mit einer festen Hülle aus gegossenem Beton versehen, in dem die historischen Fassadenelemente, wie das Fensterrelief, Gesimse und Mauerwerk, als Abguss wieder aufgenommen werden“, erläutert Daniel Rebmann vom Büro Diener & Diener das Konzept. Dass auf den originalgetreuen Wiederaufbau verzichtet wurde, habe zudem ganz pragmatische Gründe. „Die Sammlung benötigt weder Tageslicht noch ist eine Belüftung über die Fenster vorgesehen“, so Kehlmann. Die erforderlichen klimatischen Bedingungen an Luft und Temperatur ließen sich unter der Betonhülle besser herstellen.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher lobte den Neubau, der eigentlich ein „Weiterbau der Ruine“ sei, als innovativen Umgang mit der gebauten Geschichte. „Ab März 2010 kann sich jeder Besucher von der hohen Qualität dieses Gebäudes überzeugen.“ Denn der Ostflügel mit seinen 10000 Quadratmetern Nutzfläche wird nicht nur den Forschern vorbehalten sein, sondern im Erdgeschoss als Teil der Dauersammlung öffentlich zugänglich. Für den Generaldirektor des Museums, Reinhold Leinefelder, ist die Wiederherstellung deshalb nicht nur ein „wissenschaftlicher, sondern auch ein kultureller Meilenstein, weil wir die Sammlung 65 Jahre nach Kriegsende endlich wieder zeigen können“.

Mit der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts im kommenden Frühjahr sind die Baumaßnahmen am historischen Gebäude jedoch nicht abgeschlossen. Für die weitere Sanierung maroder Säle sind noch einmal 26,5 Millionen Euro vorgesehen. „Diese Ausgaben sind kein Luxus, sondern bitter nötig, weil das Museum seit dem Krieg in vielen Bereichen nur provisorisch genutzt werden konnte“, betont die Senatsbaudirektorin.