Landesliste

SPD-Veteran Benneter siegt über Aufsteiger Böhning

Die Berliner SPD hat ihre Landesliste für die Bundestagswahl im Herbst aufgestellt. Während die Plätze 1 bis 4 nahezu unstrittig waren, gab es für Platz 5 eine Kampfkandidatur zwischen dem früheren Generalsekretär der Bundes-SPD, Klaus-Uwe Benneter, und dem Wowereit-Vertrauten Björn Böhning - mit klarem Ausgang.

Foto: Joachim Schulz

Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse ist zum sechsten Mal zum Spitzenkandidaten der Berliner SPD für die Bundestagswahl nominiert worden. Auf einer Landesvertreterversammlung wurde Thierse, der die Hauptstadt-SPD seit 1990 im Bundestag vertritt, am Sonntag mit rund 71 Prozent gewählt. 159 Delegierte stimmten für den 65-Jährigen, 46 votierten gegen ihn, 19 enthielten sich. Thierse konnte wegen einer schweren Grippeerkrankung selbst nicht erscheinen.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit stellte Thierse als „hervorragenden Kandidaten für die deutsche Einheit“, „bedeutenden Kulturpolitiker“ und „wichtige Stimme für die Menschen in Ostdeutschland“ vor. Der Kulturwissenschaftler arbeitete lange Jahre an der DDR-Akademie der Wissenschaften und war bis 1989 parteilos.

Die Nominierung der Plätze 2 bis 4 erfolgte problemlos. In der mit Spannung verfolgten Kampfkandidatur um Platz 5 setzte sich der frühere Generalsekretär der Bundes-SPD, Klaus Uwe Benneter, unerwartet deutlich mit 61,9 Prozent gegen den früheren Juso-Chef Björn Böhning (30) durch. Für Benneter votierten 140 Delegierte, für Böhning 64 Delegierte. Böhning will im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg dem Alt-Linken der Grünen, Christian Ströbele, das Direktmandat abnehmen, das dieser bereits zweimal errungen hat.

Einige SPD-Mitglieder werteten die klare Niederlage von Böhning auch als Denkzettel an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, da Böhning seit zwei Jahren als strategischer Kopf des Regierungschefs in der Senatskanzlei sitzt. Böhning wies eine solche Interpretation zurück. „Das ist die klare Aufforderung an mich, meinen Wahlkreis direkt zu gewinnen.“ 2005 hatten von den acht Berliner SPD-Bundestagsabgeordneten sieben ihre Wahlkreise direkt erzielt. Nur Benneter zog über die Landesliste ein, nachdem er den Wahlkreis Steglitz-Zehlendorf an die CDU verloren hat.

Auf Platz 2 wählten die mehr als 200 Delegierten die Charlottenburger Bundestagsabgeordnete Petra Merkel mit deutlicher Mehrheit von 88,4 Prozent. Merkel, seit 2002 im Bundestag, saß zuvor 13 Jahre lang im Abgeordnetenhaus. Auf sie entfielen 198 Ja-, 17 Nein-Stimmen und 9 Enthaltungen.

Auf den dritten Platz wählten die Delegierten den Spandauer Bundestagsabgeordneten Swen Schulz. Der 41-Jährige erhielt 183 Ja-, 37 Nein-Stimmen und 8 Enthaltungen. Für Platz 4 wurde konkurrenzlos die Diplom-Pädagogin Mechthild Rawert (51) mit 61,5 Prozent der Stimmen nominiert. 2005 hatte Rawert den Direktwahlkreis Tempelhof-Schöneberg gewonnen.

Das Duell um Platz 6 entschied der Reinickendorfer Abgeordnete Jörg Stroedter ganz knapp mit 52,1 Prozent für sich. Er erhielt 113 Stimmen. Für seine Konkurrentin Eva Högl, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen, votierten 96 Delegierte. Sie kandidierte anschließend für Platz 7. Högl zeigte sich zudem überzeugt, ihren Wahlkreis in Mitte direkt zu gewinnen.

Der SPD-Wahlkampfmanager und Bundesgeschäftsführer, Kajo Wasserhövel, begründete seine Haltung, warum er sich nur als Direktkandidat und nicht auch um einen Listenplatz bewirbt. Im Wahlkreis Treptow-Köpenick tritt Wasserhövel gegen den Bundestags-Fraktionschef der Linken, Gregor Gysi, an. „Es wird Zeit, diesem flachen Populismus von Gregor Gysi eine Absage zu erteilen“, sagte der 46-Jährige.