Nationalsozialismus

Gerichtsstreit um Heesters KZ-Besuch beigelegt

Johannes Heesters ist mittlerweile 106 - doch offenbar kein Stück müde. Fast anderthalb Jahre lang hat er sich mit dem Historiker Volker Kühn gestritten. Es ging um einen Besuch Heesters’ im KZ Dachau 1941. Nun haben sich die beiden Parteien vor dem Berliner Kammergericht geeinigt.

Der 106 Jahre alte Schauspieler Johannes Heesters und der Historiker Volker Kühn haben ihren Rechtsstreit um einen Besuch von Heesters im KZ Dachau 1941 beigelegt. Vor dem Berliner Kammergericht schlossen die beiden Parteien am Donnerstag einen Kompromiss mit einer Erklärung Kühns.

Der Historiker darf weiter seine Meinung äußern, Heesters sei damals im KZ auch aufgetreten. Er darf den Schauspieler aber nicht als einen Lügner bezeichnen, wenn dieser dies bestreitet. Die Gerichtskosten muss nach dem Vergleich Heesters tragen, wie Kühns Anwalt Peter Raue sagte.

Der betagte Schauspieler war nicht bei der Verhandlung. Wie sein Anwalt Gunter Fette sagte, ging es vor allem darum, den Vorwurf der Lüge auszuräumen. Dass Heesters in Dachau war, hat er nie bestritten. Er sei aber dort nicht vor SS-Wachmannschaften aufgetreten. An Dachau erinnern könne sich Heesters. „Das weiß er sehr wohl“, sagte Fette.

Heesters hatte gegen den Historiker eine Unterlassungsklage wegen dessen Äußerungen in einer Zeitung eingereicht. Er war damit im Dezember 2008 gescheitert. Heesters Anwalt erinnerte in dem Verfahren daran, dass der Schauspieler ein Leben lang bedauert habe, dass er zusammen mit dem Ensemble des Münchner Gärtnerplatz-Theaters der Einladung der SS gefolgt sei – welche damals alle als Befehl verstanden hätten.

Der Besuch ist in einem Fotoalbum des damaligen KZ-Kommandanten dokumentiert. Auf den Bildern ist der Schauspieler in Hut und Mantel bei der Besichtigung des Lagers zu sehen, aber nicht bei einer Bühnendarbietung. Ein mittlerweile verstorbener Zeuge, der Kühns These von einem Auftritt stützte, hatte in einer Fernsehdokumentation gesagt, er habe damals für Heesters den Vorhang gezogen.