Justiz

Heesters geht im Streit um KZ-Auftritt in Berufung

Entertainer Johannes Heesters will das Urteil zu seinem angeblichen Auftritt 1941 im Konzentrationslager Dachau anfechten. Der 105-Jährige hat Berufung gegen eine Entscheidung des Berliner Landgerichts eingelegt. Es geht um eine Äußerung des Kabarettautors Volker Kühn. Der bleibt gelassen.

Der 105-jährige Schauspieler Johannes Heesters hat im Gerichtsstreit um einen angeblichen KZ-Auftritt in Dachau Berufung gegen ein Urteil des Berliner Landgerichts eingelegt. Das teilte eine Gerichtssprecherin mit. Die Berufungsbegründung werde vom Gericht zurzeit noch geprüft. Erst nach Abschluss dieser Prüfung könne ein möglicher neuer Verhandlungstermin vor dem Berliner Kammergericht angesetzt werden.

Heesters war in dem Urteil mit seiner Klage unterlegen, den Berliner Kabarettautor Volker Kühn entsprechende Behauptungen untersagen zu lassen. Auf seiner Internetseite betonte der Schauspieler, es sei ihm „ein tiefes persönliches Bedürfnis, gegen diese unwahren Behauptungen vorzugehen“.

Er bestreite „bis zum heutigen Tage“, betonte Heesters, „vor der SS-Wachmannschaft zu deren Unterhaltung gesungen“ zu haben. „Ich habe dort nicht gesungen ... Es hat keinen Auftritt von mir in Dachau gegeben.“ Die von Kühn angeführte „äußerst fragwürdige Zeugenaussage“, auf die sich die Urteilsbegründung stütze, könne „definitiv nicht stimmen und beruht vielleicht auf einer falschen Erinnerung“, meint der Schauspieler.

„Obwohl es also meiner Meinung nach bis zum heutigen Tag keinen einzigen stichhaltigen Beweis dafür gibt, dass ich an diesem Tag in Dachau aufgetreten bin, dürfte Herr Kühn nach diesem Urteil – sollte es nicht aufgehoben werden – weiterhin behaupten, dass ich dort vor der SS aufgetreten sei. Hiergegen kämpfe ich weiter.“ Ausdrücklich betonte Heesters allerdings auch, dass er „Herrn Kühns kritische Auseinandersetzung mit dem Verhalten von Künstlern im Dritten Reich als historisch wichtig und notwendig empfinde. Das muss öffentliches Interesse sein und bleiben.“

Das Berliner Landgericht hatte festgestellt, dass es nicht zu klären gewesen sei, ob Heesters 1941 tatsächlich vor den SS-Wachmannschaften auftrat. Es gebe aber Anhaltspunkte dafür. Man könne Kühn keinen Vorwurf machen, dass er die Indizien für einen Auftritt Heesters in dieser Weise bewerte. Die Faktenlage lasse es zu. Kühn sieht der erneuten juristischen Auseinandersetzung "gelassen" entgegen. Die Sachlage sei wohl unverändert, da die Gegenseite offenbar kein neues Beweismaterial vorgelegt habe, sagte der Historiker auf Anfrage.

Der 105-jährige Schauspieler plant bereits seinen nächsten größeren Auftritt: Vom 11. Juni bis 24. Juli übernimmt er die Rolle „Stimme des Herrn“ in Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ im Alten Schauspielhaus Stuttgart.