Berliner Landgericht

Mutter wegen sexuellen Missbauchs verurteilt

Eine Berliner Mutter hat gemeinsam mit ihrem damaligen Lebensgefährten zwischen 1996 und 2002 ihre Tochter und ihren Sohn immer wieder missbraucht. Nun ist sie deswegen zu einer relativ milden Strafe verurteilt worden. Nicht einmal die Anwältin der Tochter hatte auf eine besonders hohe Strafe gedrungen.

Eine Berliner Mutter, die Sohn und Tochter sexuell missbraucht hatte, ist am Freitag zu einem Jahr Haft mit Bewährung verurteilt worden. Die inzwischen 51-jährige Pflegehelferin hatte die Vorwürfe im Prozess vor dem Berliner Landgericht gestanden. Triebkraft der sexuellen Übergriffe in den Jahren 1996 bis 2002 war der kürzlich verstorbene Lebensgefährte der Angeklagten. Die damals minderjährigen Kinder leiden bis heute.

Der inzwischen 23-jährige Sohn sagte im Prozess, „es herrschte ein Gesetz des Schweigens“. Er habe auch an Selbstmord gedacht. Erst im Jahr 2008 hatten sich die Geschwister einander offenbart und Anzeige erstattet. „Es sind Dinge, die sind so schlimm, dass man die eigene Mutter anzeigt“, überwand die angehende Goldschmiedin eigene Schuldgefühle. Unter Tränen berichtete sie von Alpträumen und Ängsten sogar in ihrer eigenen Wohnung. Sie verspüre Ekel und Scham.

Das Gericht ging von einer verminderten Schuldfähigkeit wegen der damaligen schweren Alkoholabhängigkeit der Berlinerin aus. Erheblich strafmildernd wurde das Geständnis bewertet. Es machte eine lange, quälende Beweisaufnahme überflüssig. Die Strafkammer ging von fünf Fällen aus. Es kam zu sexuellen Berührungen. Die Kinder mussten auch beim Sex der Mutter mit dem Mann zusehen. Der Partner habe die größte Schuld auf sich geladen, urteilte das Gericht.

Die Anwältin der 20-Jährigen betonte, kein Gerichtsverfahren könne gutmachen, was den Kindern angetan worden sei. Eine hohe Strafe wäre zwar angemessen und gerecht. Aber es würde der Tochter auch nicht viel helfen, wenn die Angeklagte im Gefängnis sitzt, argumentierte die Nebenklagevertreterin. Einen konkreten Strafantrag stellte sie nicht.