Ohne Phaeton

Die Berlinale verliert den Hauptsponsor VW

VW wird mit seinem Phaeton-Shuttle bei den 60. Internationalen Filmfestspielen nicht mehr dabei sein. Damit braucht die Berlinale einen neuen Luxus-Fahrdienst, der die Promis an den roten Teppich kutschiert. Welcher Verlust dadurch für die Festspiele entsteht, darüber wahren beide Parteien Stillschweigen.

Foto: picture-alliance/ dpa / dpa-Zentralbild

Die Krise hat die Berlinale zwar erreicht, aber nur als Thema in den Filmen, nicht auf dem Festival. Das hatte Festivalchef Dieter Kosslick noch im Vorfeld der Berlinale Anfang Februar vollmundig verkündet. Nun hat sie ihn doch eingeholt: Mit VW geht dem Festival einer seiner drei Hauptsponsoren verloren, wie die Berlinale jetzt bestätigte. Künftig wird der Phaeton nicht mehr vor dem Roten Teppich vorfahren.

Das kann niemanden überraschen. Schon im November gab es erste Spekulationen über einen Rückzug des Autoherstellers. Der Vertrag mit der Berlinale lief über drei Jahre und lief mit den 59. Filmfestspielen im Februar aus. Die Verhandlungen über eine weitere Zusammenarbeit liefen, hieß es noch im November, eine Entscheidung sei aber nicht vor Mitte 2009 zu erwarten. So lange hat es nun doch nicht gedauert. Auf der Berlinale-Website war VW gestern auf der der Liste der Offiziellen Partner schon nicht mehr zu finden. Dennoch übt man sich in gegenseitigen Höflichkeitsbezeugungen.

Höhe des Ausfalls ist nur zu erahnen

„Gemeinsam mit der Berlinale blicken wir sehr zufrieden auf eine siebenjährige erfolgreiche Partnerschaft zurück“, resümiert Heike Lichte, bei VW verantwortlich für PR-Aktivitäten. „Die Kooperationsvereinbarung ging nach der diesjährigen Berlinale regulär zu Ende, eine Weiterführung ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht geplant.“ Ganz ähnlich klingt das bei der Festivalleitung an: „Dass die Partnerschaft mit Ende des Vertragszeitraumes keine Fortführung findet, ist bedauerlich. Wir können auf eine langjährige stabile gute Partnerschaft mit VW zurück blicken.“

Die Wolfsburger stellten nicht nur den Luxusfahrdienst für die Stars und Sternchen der Berlinale. VW engangierte sich außerdem als Partner des Talent Campus und richtete dort die „Score Competition“ unter dem Sounddesignern aus. Ein Highlight unter den Berlinale-Partys jedoch, die „People's Night“ von VW, um deren Einladungen man sich stets gerissen hat, war bereits in diesem Jahr abgesagt worden. Finanzielle Gründe seien dafür nicht verantwortlich, hat man damals noch behauptet. Der Sponsor wollte sich vielmehr stärker auf seine „Golden Bear Lounge“ im Hyatt Hotel konzentrieren.

Um welche Summe es eigentlich geht, die dem Festival verloren geht, ist ein wohl gehütetes Geheimnis, zu dem sich weder das Festival noch der Sponsor öffentlich äußern. Nur so viel ist gewiss: Rund 17 Millionen Euro betrug das Gesamtbudget des Festivals in diesem Jahr, plus eine weitere Million für den Talent Campus. Und der einzige verlässliche Betrag darin sind die 6,3 Millionen Euro öffentliche Gelder, die der Bund der Berliner Festspiele GmbH zuschießt. Aus den Eintrittskarten (dieses Jahr wurden 270000 Tickets zum Preis von durchschnittlich sieben Euro verkauft) kamen ungefähr weitere 1,9 Millionen zusammen, eine runde Million erbringen die Akkreditierungen, eine Dreiviertelmillion die Werbung, eine halbe Million der Film- und der Koproduktionsmarkt, eine weitere Dreiviertelmillion die öffentliche Förderung für den Talent-Campus und eine halbe Million der Word Cinema Fund.

Zieht man all das vom Gesamtbudget ab, verbleiben noch etwa vier bis fünf Millionen Euro, die aus dem Sponsorenbereich kommen. Geht man davon aus, dass die Hauptsponsoren ZDF, L'Oréal und VW ungefähr den gleichen Betrag beisteuern, käme man also auf eine mögliche Lücke von einer bis anderthalb Millionen.

Längster Partner ist L'Oréal

Dass ein Hauptsponsor abspringe, sei zwar „bedauerlich, aber auch nicht ungewöhnlich“, hatte Frauke Greiner, Pressesprecherin der Berlinale, schon nach den Spekulationen im November verlauten lassen. In der Tat war vor VW bereits Mercedes Benz mehrere Jahre Sponsor, und bevor 2005 das ZDF Medienpartner wurde, hatte lange Sat.1 diese Funktion inne. Die längste Partnerschaft hält das Festival mit dem Kosmetikkonzern L'Oréal – sie geht 2010 ins zwölfte Jahr.

Nach dem Abgang der Wolfsburger gibt sich die Berlinale tapfer: Für die Jubiläumsausgabe 2010, wenn die 60. Berlinale gefeiert wird, sei man „zuversichtlich, dass wir mit den bestehenden Partnern und neuen Allianzen wieder ein erfolgreiches Festival durchführen werden.“ In den Startlöchern könnte BMW stehen, die sich schon bei Cinema for Peace engagieren.