Stadtreinigung

Wo die BSR den meisten Hundedreck wegsaugt

Berlins Hunde hinterlassen täglich 40 Tonnen Kot auf den Straßen. Die Berliner Stadtreinigung (BSR) hat dagegen Spezialfahrzeuge - große, rollende Nassstaubsauger. Gesaugt wird aber längst nicht überall. Die BSR schickt ihre 14 Rüsselfahrzeuge nur durch extrem verschmutzte Gegenden.

Foto: Sven Lambert

Ideen im Kampf gegen Hundehaufen haben wieder Konjunktur in diesem Frühjahr: Die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling hatte gefordert, Arbeitslose auf Berlins Hundehalter anzusetzen, damit diese die Hundehaufen nicht liegen lassen. Der Vorschlag löste breite Kritik und Empörung aus, selbst Parteikollegen der Grünen-Politikerin distanzierten sich von dem Vorschlag.

Dabei wiegt das Thema schwer angesichts von 40 Tonnen Hundekot täglich auf Berlins Straßen. Die Berliner Stadtreinigung (BSR) weiß auch ganz genau, wo die Lage am schlimmsten ist. „In besonders verdreckten Gebieten setzen wir zusätzlich zu unseren Kehrmaschinen Spezialfahrzeuge ein“, sagte BSR-Sprecher Bernd Müller.

Doch wo genau die Hundekotmobile unterwegs sind, gibt die BSR indes nur ungern preis. Offenbar fürchtet die Anstalt, weitere Bürger könnten für ihre Straßen den Einsatz der Saugmobile fordern. Denn die Erfahrungen sind durchaus positiv: Wo gesaugt wird, hat sich die Haufendichte merklich verringert.

Im Oktober 2005 hatte die BSR das Unternehmen GbR Großbauten Reinigung mit dem Einsatz von zunächst zehn rollenden Nassstaubsaugern beauftragt. Mittlerweile sind montags bis samstags 14 Rüsselfahrzeuge in allen Bezirken unterwegs, „schwerpunktmäßig in Gebieten, in denen Hundehalter sich nicht groß darum scheren, was mit der Hinterlassenschaft ihrer Vierbeiner passiert“, sagte GBR-Betriebsleiter Peter Hollmann.

Neukölln, Friedrichshain und Wedding als Schwerpunkt

Auf dem Tourenplan stehen beispielsweise der Hermannplatz und die Karl-Marx-Straße in Neukölln, in Friedrichshain die Gegend rund um den Boxhagener Platz und die Simon-Dach-Straße. Ein weiteres Einsatzgebiet ist der Leopoldplatz in Wedding. „An diesen Orten sehen sie nur sehr selten Hundebesitzer, die mit Tüten unterwegs sind. Die flüchten sich eben in die Anonymität der Großstadt“, vermutet Hollmann.

Wie und wo die Hundekotmobile genau eingesetzt werden, darüber entscheidet die Berliner Stadtreinigung. Neben den genannten Brennpunkten in Neukölln, Friedrichshain und Wedding wird auch an der Bismarckstraße, auf dem Kurfürstendamm und an der Bundesallee in der West-City gesaugt. In Pankow sind die Fahrzeuge an der Eberswalder Straße, der Greifswalder Straße, der Prenzlauer Promenade sowie an der Anton-Saefkow-Straße unterwegs. Weiteres Ziel: der Asternplatz in Lichterfelde.

Saugmobil hat zehn Stunden Einsatz

Die BSR verlasse sich bei der Auswahl auf ihre Erfahrungswerte aus der täglichen Stadtreinigung und natürlich auf Beschwerden, die von Bürgern eingingen, so GBR-Betriebsleiter Hollmann. Die Saugmobile sind pro Tag zehn Stunden unterwegs und nehmen auf den rund zwölf Kilometer langen Touren zwischen fünf und sieben Tonnen Hundekot auf. Die Fahrzeuge funktionieren wie ein Staubsauger, der den Kothaufen zunächst mit Wasser benetzt, um ihn leichter von der Straße lösen zu können. Im Auffangbehälter wird der Hundedreck dann mit Desinfektionsmittel verflüssigt. „Das verhindert eine Geruchsentwicklung, und der Hundedreck lässt sich so leichter in der Kanalisation entsorgen“, erklärt BSR-Sprecher Müller.

Hollmann räumt ein: „Natürlich bleibt trotz der Reinigungsmaßnahmen noch immer genügend Hundedreck liegen.“ Wenn man die Stadt sauber halten wolle, könne es keine Lösung sein, immer mehr Fahrzeuge einzusetzen. „Wir stoßen da auch an wirtschaftliche Grenzen“, so BSR-Sprecher Müller. Eine Alternative sei das Bereitstellen von Hundekottüten, um Hundehalter selbst zum Entsorgen der Haufen zu animieren. „Dafür sind die einzelnen Bezirke verantwortlich und nicht die Stadtreinigung“, weist die BSR jegliche Zuständigkeit von sich. Wenn alle erzieherischen Ansätze versagten, müssten letztlich diejenigen stärker in die Pflicht genommen werden, die das Problem verursachten, so Hollmann. „Langfristig helfen da nur strengere Strafen für Halter, die sich nicht um die Haufen ihrer Hunde scheren.“