Ganzkörperbadeanzug

Burkinis werden nicht in allen Bädern zugelassen

Im Kreuzberger Spreewaldbad dürfen muslimische Frauen zu bestimmten Zeiten Ganzkörperbadeanzüge tragen. Nun wurde beraten, ob die Genehmigung auf andere Bäder ausgeweitet wird. Ergebnis: Es bleibt bei einer Ausnahme.

Burkinis, die Ganzkörperbadeanzüge für muslimische Frauen, werden nicht flächendeckend in den Berliner Bädern zugelassen. Das hat Sport- und Innensenator Ehrhart Körting (SPD) zusammen mit dem Chef der Berliner Bäder-Betriebe, Klaus Lipinsky, entschieden. „Wir sehen keinen Anlass, über eine Ausweitung nachzudenken. Es besteht kein Bedarf“, sagte Körting, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Bäder-Betriebe ist.

Getragen werden könnten die Burkinis – eine Wortschöpfung aus Bikini und Burka – aber weiterhin beim Frauenschwimmen im Kreuzberger Spreewaldbad. „Wir tolerieren das, um muslimischen Frauen die Möglichkeit des Schwimmens zu eröffnen, mit allen Bedenken, die wir dabei haben, dass es sich auch um eine Abschottung handeln kann“, sagte Körting. Es gebe aber Gruppen wie beispielsweise gerade ältere Frauen, die beim Schwimmen lieber unter sich blieben. Deshalb werde auch geprüft, zusätzliche Frauen-Schwimmzeiten in der Alten Halle an der Krummen Straße in Charlottenburg anzubieten.

Unter Schwimmern hatte sich bereits erster Protest wegen der Burkinis geregt – auch hygienische Bedenken wurden vorgetragen. Es handele sich lediglich um die Geschäftsidee einer Frau, die diese Anzüge verkaufe. Auch aus frauenpolitischer Sicht wurde die Entwicklung kritisiert, dass muslimische Frauen mit Ganzkörperbadeanzügen schwimmen sollten.

Der nur während des Frauenschwimmens am Montag im Kreuzberger Spreewaldbad (14 bis 17 Uhr) zugelassene Ganzkörperbadeanzug ist dort bislang nur selten zu sehen, meistens dann, wenn Film- oder Fotoaufnahmen für die Presse gemacht werden, berichteten die Schwimmmeister. Die Berliner Unternehmerin, Nele Abdallah, die die Gewänder im Internet vertreibt, hatte bei den Bäderbetrieben die Genehmigung für das Tragen der Burkinis beantragt. Nach einem Test über die Tauglichkeit des Anzugs beim Schwimmen im Sommerbad am Columbiadamm im vergangenen Sommer war zusammen mit der Senatsinnenverwaltung und den Schwimmverbänden entschieden worden, die Schwimmbekleidung zunächst probehalber in einem Bad zu erlauben.

Auch Frauen, die den Burkini trügen, müssten aber vor dem Schwimmen unbekleidet duschen, hieß es. Unterwäsche dürfe unter den Burkinis nicht getragen werden. Bei Verdachtsfällen müssten Bademeisterinnen die Burkini-Trägerinnen kontrollieren. Dass im Sanitärbereich ausschließlich weibliches Personal arbeite, können die Bäder-Betriebe nicht sicherstellen.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.