Interview

Das ist die Frau, die den Burkini erfand

Auf das Schwimmen am Strand oder in Schwimmbädern mussten streng gläubige Musliminnen lange verzichten, es sei denn, sie wollten völlig bekleidet ins Wasser steigen. Dann erfand Aheda Zanetti den Burkini, eine Mischung aus Burka und Bikini. Der ist nun auch in Berlin erlaubt. Im Interview mit Morgenpost Online erklärt Zanetti, wie sie zum Burkini kam - und warum man damit Geld verdienen kann.

Aheda Zanetti ist 41 Jahre alt, Australierin, Muslimin und hatte ein Problem, das nur zum Teil mit Mode zusammenhing: Wie sollte sie mit ihren Kindern schwimmen gehen, wenn ihr Glaube das Tragen von Bikinis und Badeanzügen verbietet? Da erfand sie den Burkini. Berliner Hallenbäder haben die Mischung aus Burka und Bikini probeweise bis zum Sommer zugelassen. Auf Morgenpost Online erläutert Aheda Zanetti, wie sie den Burkini erfand - und warum das inzwischen ein gutes Geschäft ist.

Morgenpost Online: Frau Zanetti, Sie haben den "Burkini" erfunden, eine Art Hightech-Burka für den Strandurlaub. Wie kommt man denn auf so etwas?

Aheda Zanetti: Den Burkini habe ich in erster Linie für mich entworfen, weil meine Kinder auch mal mit mir schwimmen gehen wollten ...

Morgenpost Online: Und zwar in Sydney, wo der gebräunte Bikini-Körper zum Lifestyle gehört. Für eine gläubige Muslima ist das sicher nicht leicht.

Aheda Zanetti: Eben. Als Fünfjährige hatte ich noch Schwimmunterricht im Badeanzug. Aber in der Pubertät habe ich angefangen, Schleier zu tragen und bin dann nicht mehr ins Wasser gegangen. Damals galt in Sydney: Wer keinen Bikini trägt, ist "out".

Morgenpost Online: Und Ihr Burkini löst das Dilemma?

Aheda Zanetti: Der Erfolg meiner Kollektion hat mich umgehauen. Ich wollte etwas entwerfen, das man als aktives und verschleiertes Mädchen tragen kann. Etwas, dass nicht gleich das stereotypische Bild von Verschleierung oder gar Islamterror bedient.

Morgenpost Online: Wie war das, als Sie Ihr Design das erste Mal anhatten?

Aheda Zanetti: Das war im Jahr 2003. Ich bin mit einem navyblauen Anzug in unser örtliches Schwimmbad gegangen. Den hatte ich vorher in unserer Badewanne getestet. Ich bin schnurstracks zum Sprungbrett und von dort ins Wasser getaucht. Danach war ich das Pool-Gespräch.

Morgenpost Online: Entspricht der Burkini denn der islamischen Kleiderordnung?

Aheda Zanetti: Jede Frau muss ihre eigene Entscheidung treffen, ob sie sich verschleiern will. Wenn sie sich dazu entschließt, dann habe ich das passende Produkt für sie - einen Badeanzug für die aktive Muslima.

Morgenpost Online: Manche Ihrer Badeanzüge wirken sogar richtig flippig: knallrosa mit Hawaiiblüten ...

Aheda Zanetti: Das kommt drauf an. Mein Label bietet schmal oder weit geschnittene Burkinis an, je nachdem, wie konservativ der Kunde ist. Aber ich mache meine Mode nicht, um jemanden besser aussehen zu lassen. Ich mache Mode, damit islamische Frauen wieder Spaß am Strand und am Schwimmen haben.

Morgenpost Online: Gab's schon Extrawünsche?

Aheda Zanetti: Wir mussten für unsere europäischen Kunden die Hosenbeine etwas längen, aber das Design ist nach wie vor dasselbe. Der Stoff ist eine Spezialanfertigung. Er schützt vor UV-Strahlen, ist wasserabweisend, hygienisch, kühl auf der Haut und extrem leicht. Das ist ganz wichtig. Der Burkini darf sich nicht so stark mit Wasser vollsaugen, dass seine Trägerin Angst vorm Ertrinken hat. Inzwischen tragen selbst Rettungsschwimmerinnen meine Mode, und ich mache noch nicht einmal Werbung dafür.

Morgenpost Online: Das heißt, Ihr Geschäft ist durch Mundpropaganda groß geworden?

Aheda Zanetti: Ja, inzwischen verkaufe ich rund 3000 Burkinis im Monat. Die gehen in die ganze Welt, von Holland bis nach Kuwait. Im Februar eröffne ich eine Zweigstelle in Marokko. Dann werde ich den europäischen Markt besser beliefern können.