Bügerinitiative

Tempelhof-Klage gefährdet Flugfeld-Öffnung

Am 8. Mai soll das Flugfeld des ehemaligen Flughafens Tempelhof mit einem riesigen Fest für die Öffentlichkeit geöffnet werden. Doch der Termin wackelt - ausgerechnet durch die Klage eines Pro-Tempelhof-Bündnisses. Das beantragte Eilverfahren dauert offenbar etwas länger als ursprünglich angenommen.

Die am 8. Mai geplante und vom Senat bereits vor mehr als zwei Jahren versprochene Öffnung des Tempelhofer Flugfeldes wird derzeit vom Rechtsstreit zwischen dem Aktionsbündnis B-4-Tempelhof und dem Berliner Senat überschattet, wenn nicht gefährdet. Denn entgegen erster Angaben wird sich das Verwaltungsgericht nun doch etwas mehr Zeit mit der Entscheidung im beantragten Eilverfahren lassen.

Wie berichtet hatte das Aktionsbündnis B-4-Tempelhof eine einstweilige Anordnung gegen den Senat beantragt. Das Bündnis will damit erreichen, dass der Senat „keine flugtechnischen oder sonstigen Anlagen auf dem Gesamtkomplex des Flughafen Tempelhofs“ abbaut oder beschädigt, solange das vom Aktionsbündnis initiierte Volksbegehren zum denkmalgerechten Erhalt des Flughafens und für dessen Ausweisung als Weltkulturerbe nicht abgeschlossen ist.

Anlass für die Klage sind unter anderem die Vorbereitungsarbeiten für das Eröffnungsfest im Mai und die dauerhafte Öffnung des Flugfeldes für die Bevölkerung. „Das Tempelhofer Feld bewegt die Bürger und Bürgerinnen“, hatte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher im vergangenen Jahr festgestellt, als sie Art und Ergebnisse der 2007 gestarteten Bürgerbeteiligung für die Gestaltung des Tempelhofer Felds als Park vorstellte.

Dass nun ausgerechnet eine Bürgerinitiative den geplanten Öffnungstermin, der den Startschuss für die dauerhafte öffentliche Nutzung des Flughafenareals geben soll, wackeln lassen könnte, dürfte Lüscher nicht freuen. Schließlich war die Öffnung quasi als Belohnung für die Schließung des Flughafens vom Senat versprochen worden. Bereits ein Jahr vor der geplanten Schließung des Flughafens hatte Lüscher die Bevölkerung zum Internet-Dialog über die Gestaltung des Flughafenfeldes eingeladen.

Richter nennt Termin fraglich

Ob die Eröffnung nun tatsächlich gefährdet ist, wird die Gerichtsentscheidung zeigen. Ursprünglich jedenfalls hieß es vom Gericht, das es im Eilverfahren spätestens am Montag entschieden werde. Der zuständige Richter und Vorsitzende der 16. Kammer, Volker Reichert, aber nennt den Termin jetzt „fraglich“. Denn nicht nur die Stellungnahme des Senats zum Antrag des Aktionsbündnisses sei relativ spät eingegangen, sondern es gebe jetzt auch den Vorwurf des Aktionsbündnis, der Senat habe sich nicht an seine Zusicherung gehalten, Abbauarbeiten auf dem Flugfeld bis zum 29. März ruhen zu lassen. So sollen nach Angaben des Bündnisses weiterhin Lämpchen der Flughafenbefeuerung am vergangenen Donnerstag abgebaut worden sein. Von Seiten der zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung heißt es dagegen, man habe sich an die Frist, die bis zum 29. März reicht, gehalten. „Es wurde nichts abgebaut“, sagte Sprecher Mathias Gille.

Nach Angaben des Anwaltes des Aktionsbündnisses Dietrich Rudorff vom Büro LBC Zahn Rechtsanwälte soll der Senat jetzt sogar zugesichert haben, die Arbeiten bis zum 6. April ruhen zu lassen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gibt sich gelassen und sieht dadurch den Öffnungstermin nicht gefährdet. Ihre Anwälte, das Büro Geulen & Klinger, dagegen beklagen, dass „bereits jetzt eine nicht ungefährliche Zeitverzögerung entstanden ist“ und zudem durch die Unterbrechung Mehrkosten auflaufen. Grundsätzlich machen sie geltend, dass das Flugfeld, anders als das Flughafengebäude, nicht unter Denkmalschutz steht. Außerdem würden die Anlagen nicht zerstört, sondern im Hinblick auf die Öffnung des Flugfeldes zum Schutz vor Diebstahl und Vandalismus abgebaut und eingelagert, so dass es jederzeit möglich wäre, sie wieder einzubauen.

150.000 Besucher zur Eröffnungsfeier erwartet

Zu der Eröffnungsfeier mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) werden nach neuesten Prognosen 150.000 Besucher erwartet. Vor sechs Wochen sprach die zuständige Grün Berlin GmbH noch von bis 300.000 Besuchern. 80 Vereine, Sportler, Künstler und andere Akteure hat die Grün Berlin im Rahmen eines Findungsverfahrens ausgewählt, um den Besuchern am 8. Mai getreu dem Motto „Bewegungsfreiheit“ ein buntes Programm zu bieten.

Den Auftakt der Eröffnung bilden ab 10 Uhr ein sogenannter 1. Iga-Volkslauf über 5,4 und 10,8 Kilometer sowie ein Staffellauf für Schüler und eine Walking-Runde über den südlichen Ring des Flugfeldes. Anmeldungen nimmt die Turngemeinde in Berlin 1848 ab April entgegen. Infos unter Tel:611010-0 und www.tib1848ev.de.