Ehemaliger Flughafen

Tempelhof befürchtet Chaos zur Park-Eröffnung

Der neue Park soll den Berlinern viel Platz bieten – bei seiner Eröffnung wird es allerdings erst einmal eng. Denn für die Eröffnung der Fläche auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof gibt es noch kein Verkehrskonzept. Für den Tempelhofer Stadtrat Oliver Schworck (SPD) eine Katastrophe. Denn es gibt schon schlechte Beispiele.

Die vom Senat geplante Öffnung des Tempelhofer Feldes am 8. und 9. Mai steht unter dem Motto „Bewegungsfreiheit“. Angesichts der Größe der Tempelhofer Freiheit von 300 Hektar lud Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) erst kürzlich alle Berliner ein, diese Bewegungsfreiheit zu genießen. In den angrenzenden Straßen und Wohngegenden des Flughafengeländes dürfte an diesen beiden Tagen allerdings die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt sein.

Denn der Senat, der an beiden Tagen 150.000 bis 200.000 Besucher erwartet, hat bislang kein Verkehrskonzept zur Öffnung des Tempelhofer Feldes vorgelegt. Auch sind keinerlei zusätzliche Parkplätze – etwa am Rande des Flughafenfeldes – vorgesehen. Stattdessen setzt die Senatorin ausschließlich auf U- und S-Bahn.

Einziges Zugeständnis: Die Takte der S-Bahn sollen erhöht und die Züge der U-Bahn verlängert werden. „Das Tempelhofer Feld ist hervorragend mit dem ÖPNV angebunden. Zusätzliche Parkplätze wird es nicht geben“, sagt der Sprecher der Senatorin, Matthias Gille. Das im August 2009 in Auftrag gegebene Verkehrskonzept sei noch in Arbeit und werde zu der Flugfeldöffnung nicht zum Tragen kommen.

Für Tempelhof-Schönebergs Stadtrat Oliver Schworck (SPD) eine „Katastrophe“. Er wirft dem Senat große Versäumnisse vor und fürchtet, dass auf dem ohnehin schon verstopften Tempelhofer Damm sich dann gar nichts mehr bewegt und die Gartenstadt Tempelhof unerträglich zugeparkt wird. Das Gleiche wird für die Wohnviertel rund um die Neuköllner Oderstraße befürchtet. Schworck spricht von unerträglichen und gefährlichen Zuständen. So sei bei der Pyromusikale im vergangenen Sommer die gesamte Gartenstadt rund um die Manfred von Richthofen-Straße und den Tempelhofer Damm dermaßen zugeparkt gewesen, dass kein Krankenwagen hätte durchfahren können. Auch seien Mittelstreifen und Grünflächen kaputtgefahren worden. „Die Wut der Anlieger kann ich verstehen“, sagt Schworck.

Dem Senat wirft der Stadtrat „brüskes Verhalten“ vor. So sei dieser nicht auf den Bezirk zugekommen. „Fragen meinerseits zum Verkehrskonzept wurden lediglich mit dem Hinweis, das Konzept sei noch in Arbeit, beantwortet“, sagt Schworck. „Die Frage der Verkehrslenkung ist überhaupt nicht geklärt. Das gleiche gilt auch für Abstellflächen für Fahrräder. Mir ist auch völlig unklar, wie man mit dem dauerhaften Besucherstrom umgehen will.“

Der stadtentwicklungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Klaus-Peter von Lüdeke, fordert vom Senat, so schnell wie möglich ein Verkehrskonzept vorzulegen und Parkplätze auszuweisen. „Es darf kein Dauerzustand werden, dass die Gegend rund um das Tempelhofer Feld im Verkehrschaos versinkt.“ Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Oliver Friederici, spricht bereits von „einem Stück aus dem Tollhaus“. „Es gibt ja auf dem Tempelhofer Feld Betonflächen ohne Ende. Da kann man doch Parkplätze einrichten. Wenn man natürlich will, dass die Öffnung Tempelhofs kein Erfolg wird, dann schafft man keine Parkplätze. Letztlich sind die Anwohner die Leidtragenden.“

Die Verkehrsexpertin der Grünen, Claudia Hämmerling, hält dagegen die Bus-, U- und S-Bahn-Verbindungen zum Tempelhofer Feld für ausreichend, verlangt aber ein Bus- und Bahnkonzept.