Überdachung

Am Ostkreuz kann man trocken umsteigen

Der neue Regionalbahnsteig am Ostkreuz wird nun doch einen richtigen Wetterschutz, eine Überdachung bekommen. Das Land springt finanziell für den Bund und die Deutsche Bahn AG in die Bresche. Denn sie wollte nur sechs Häuschen zum Unterstellen bauen.

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Das Land Berlin stellt für die 60 bis 70 Meter lange Überdachung zunächst eine Million Euro bereit. Das Geld kommt aus Mitteln, die der Senat nicht an die Berliner S-Bahn zahlt. Das Land springt damit für den Bund und die Deutsche Bahn AG in die Bresche. Im Zuge der mit 411 Millionen Euro veranschlagten Komplett-Modernisierung des Bahnhofs Ostkreuz war ursprünglich sowohl für den S-Bahnsteig als auch für den Regionalbahnsteig auf Ringbahn-Ebene ein großzügiges Kuppeldach aus Glas geplant. Doch weil zunächst nur wenige Regionalzüge in Nord-Süd-Richtung fahren werden, verweigerte der Bund seinen Anteil an der etwa zehn Millionen Euro teuren Bahnhofshalle.

Daraufhin ließ die Bahn lediglich sechs Wetterschutzhäuschen bauen. Sehr zum Ärger der täglich Zehntausenden Nutzer der S-Bahn, die dort noch bis zur Fertigstellung des benachbarten S-Bahnsteigs (geplant Mitte 2012) ihre Ringbahnzüge halten lässt. Die dachlosen Pläne stießen damals prompt auf scharfe Kritik vom Fahrgastverband.

Finanziert wird das Dach aus gestrichenen S-Bahn-Geldern

Dem Protest schloss sich auch der Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses an. Einhellig wurde ein Bahnsteigdach für den Regionalbahnsteig gefordert, zunächst vergebens. Doch die S-Bahn-Krise sollte in dieser Frage die Wende bringen. Weil monatelang Züge ausfielen oder verspätet waren, strich der Senat der S-Bahn einen erheblichen Teil ihrer Zuschüsse. Allein 2009 überwies die Senatsverkehrsverwaltung der Bahn-Tochter wegen nicht erbrachter Leistungen 37 Millionen Euro weniger. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres behielt der Senat weitere 10,3 Millionen Euro ein. Was mit dem Geld passieren soll, war lange unklar.

Während Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) die Mittel gern zum Stopfen von Haushaltslöchern nutzen wollte, setzte sich Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) dafür ein, das Geld den Nutzern des öffentlichen Nahverkehrs als Hauptgeschädigte des S-Bahn-Desasters zugutekommen zu lassen. Acht Millionen Euro gingen daraufhin an die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die damit zusätzlich U-Bahnhöfe behindertengerecht umbauen lässt. Allein in diesem Jahr werden fünf der geplanten 26 neuen Aufzüge aus den S-Bahn-Mitteln finanziert.

Nun stellt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung je eine weitere Million Euro für einen Aufzug und eben für das zusätzliche Dach im Bahnhof Ostkreuz bereit, das möglichst bis Ende 2011 errichtet werden soll. Voraussetzung dafür ist aber eine Änderung der bisher erteilten Baugenehmigung.

Großer Teil des Geldes fließt in neue Aufzüge in U-Bahnhöfen

Der Fahrgastverband Igeb begrüßte das Vorhaben. Bereits im November hatte er einen Forderungskatalog zur Verwendung der eingesparten S-Bahn-Mittel vorgestellt. Zentraler Punkt schon damals: ein Dach für den Regionalbahnsteig. Dass weiterhin ein großer Teil des Geldes in neue Aufzüge in U-Bahnhöfen fließen soll, stößt hingegen auf wenig Gegenliebe.

Für den barrierefreien Ausbau stünden ohnehin genug Fördermittel zur Verfügung, kritisierte Igeb-Vize Jens Wieseke. Mit dem S-Bahn-Geld sollten besser Projekte finanziert werden, für die sonst kurzfristig kein Geld da wäre. Als Beispiele nennt der Verband weitere Ausgänge an den stark genutzten ebenerdigen U-Bahnhöfen oder Hochbahn-Stationen wie Görlitzer Bahnhof, Prinzenstraße, Oskar-Helene-Heim oder Hallesches Tor. Außerdem könnten mit den S-Bahn-Millionen der Ausbau des Straßenbahnnetzes vorangetrieben oder Umsteigewege an Bus- und Straßenbahnhaltestellen verkürzt werden.