Großprojekt

Chipperfield will Kudamm-Bühnen verlagern

Mit einem überraschenden Vorschlag hat Star-Architekt David Chipperfield Bewegung in den jahrelangen Streit um die Zukunft des Kudamm-Karrees und die beiden Theater im Erdgeschoss der Problem-Immobilie gebracht. Der Brite schlägt vor, die Komödie an einen anderen Standort zu verlagern.

Foto: David Chipperfield Architects

Star-Architekt David Chipperfield schlägt vor, die Komödie am Kurfürstendamm an einen anderen Standort zu verlagern. Er spricht von einem neu zu schaffenden Max-Reinhardt-Platz an der Uhlandstraße. Am Kudamm soll lediglich eine kleine Studiobühne entstehen.

Der Vorschlag fand am Montag im Stadtplanungsausschuss von Charlottenburg-Wilmersdorf breite Zustimmung, gleichwohl sehen die Parteien noch Diskussionsbedarf. Nur die Linke lehnte den Vorschlag gänzlich ab. Scharfe Kritik kam auch von der Initiative ‚Rettet die Kudamm-Bühnen'.

Chipperfield, der in Berlin den Umbau der Berliner Museumsinsel leitet, war vom irischen Investor Ballymore vor knapp einem halben Jahr angeheuert worden, einen Ausweg aus der verfahrenen Situation zu finden.

Erste Pläne ließ der Bezirk abblitzen

Vor vier Jahren hatte der damalige Eigentümer des Karrees, die Deutsche Bank Real-Estate, den Traditions-Bühnen erst die Mietverträge gekündigt und dann den Gebäudekomplex an den Private-Equity-Fonds Fortress verkauft. Daraufhin hatten Bürger knapp 200.000 Unterschriften gesammelt, um Theater und Komödie am Kurfürstendamm zu erhalten.

Fortress wiederum verkaufte das Karree 2008 an die irische Ballymore-Gruppe. Auch die Iren zeigten sich in der Theaterfrage unnachgiebig: Ihr 500-Millionen-Euro-Projekt müsse sich rechnen. Deshalb sollte nur ein Theater mit 650 Plätzen und modernster Technik bleiben – und das nur im Obergeschoss.

Nachdem der Bezirk erste Pläne abblitzen ließ, zeigten sich die Bezirkspolitiker im Herbst 2009 gesprächsbereit: Man werde einer Ein-Theater-Lösung zustimmen, so die BVV. Allerdings sei diese Zustimmung an die Forderung geknüpft, dass das neue Kudamm-Karree nicht mehr Nutzfläche bekommen dürfe als das alte.

Chipperfield schlägt nun vor, eine zehn Meter breite, offene Passage vom Kurfürstendamm bis zum Hochhaus im Gebäudeinneren zu ziehen. Kolonnaden sollen sie optisch verbreitern. Vor dem Hochhaus soll sich ein 80 Meter langer und 30 Meter breiter öffentlicher Platz zur Uhlandstraße öffnen. Die Idee: An diesem Max-Reinhardt-Platz soll das Theater einen neuen, attraktiven Standort finden.

„Damit lösen wir gleich mehrere Probleme“, sagt Chipperfield. „Wir werten die Uhlandstraße auf, indem wir ein unattraktives Parkhaus abreißen und einen urbanen Platz schaffen. Außerdem werten wir das Hochhaus auf, das bislang gar keine Adresse hatte. Und vor allem werten wir das Theater auf, das durch Überbauung aus den 70er-Jahren von außen nicht mehr erlebbar ist.“ Und für den Investor wäre dies die beste Lösung, weil er Platz für Einzelhandel in bester Kudamm-Lage gewönne.

Theaterdirektor Martin Woelffer wollte am Montag noch keine Stellung zu dem Vorschlag beziehen. Er sagte: „Ich gehe davon aus, dass unsere Verabredung mit Ballymore noch gilt.“ Diese beinhalte den Erhalt eines der beiden Theater am Kurfürstendamm. Ottfried Laur, Chef des Berliner Theatervereins und Begründer der Initiative ‚Rettet die Kudamm-Bühnen', kündigt erneuten Widerstand an. „Boulevard-Theater brauchen Boulevard. Diesen Vorschlag akzeptieren wir nicht.“ Die Ballymore-Gruppe jedenfalls plant den Baubeginn für 2011. Fertigstellung soll 2014 sein.

Der Kudamm befindet sich im Wandel

Nicht nur am Kudamm-Karree will die City-West ihr verstaubtes Image aufpolieren. Noch in diesem Jahr werden die Arbeiten am Zoobogen mit dem Bikinihaus und dem Kino ZooPalast beginnen. Auch der bröckelnde Turm der Gedächtniskirche wird im Frühjahr für zwei Jahre eingerüstet; die Buden sollen verschwinden. Ab Mai wird zudem der Mittelstreifen der Tauentzienstraße neu gestaltet, die Betonkübel aus den 70er-Jahren verschwinden. Neue Mittelinseln sollen zudem für bessere Querungsmöglichkeiten sorgen. Das Hochhaus „Zoofenster“ an der Kant-, Ecke Hardenbergstraße hat die Kellerebene bereits hinter sich gelassen und soll bis Ende dieses Jahres auf eine Höhe von 119 Metern anwachsen. Ende 2011 wird das Luxushotel Waldorf Astoria einziehen. Im Sommer soll die Ausschreibung für den Bau einer Tiefgarage unter dem Hardenbergplatz starten – Voraussetzung dafür, dass vor dem Bahnhof Zoo endlich ein repräsentativer Platz entstehen kann.

Und auch direkt am Kurfürstendamm gibt es in diesem Jahr Neuerungen: Gleich zwei Bauvorhaben am Kurfürstendamm starten. Das Grundstück Nummer 195 an der Ecke Bleibtreustraße, in Nachbarschaft zum Haus Cumberland, entwickelt die Freo-Gruppe. Die Sanierung des Hochhauses beginnt im Frühjahr. Im Juli oder August soll dann der Baustart für den gläsernen Neubau auf dem Areal erfolgen. Und auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Halensee am westlichen Ende des Kurfürstendamms errichtet die Bauhaus AG einen Heimwerkermarkt.