Stadtentwicklung

Wie weit die Berliner Bauprojekte des Bundes sind

Elf Jahre ist die Bundesregierung jetzt schon in Berlin – in dieser Zeit hat sie mit ihren Neu- und Umbauten das Stadtbild deutlich verändert. 2010 gehen wieder zahlreiche Bauprojekte in ihre entscheidende Phase. Morgenpost Online hat sich umgesehen.

Vor knapp elf Jahren zog die Bundesregierung von Bonn nach Berlin – zumeist in eigens errichtete Neu- oder aufwendig sanierte Altbauten. Von den neuen sind einige, wie etwa das Bundeskanzleramt oder das Paul-Löbe-Haus, aufgrund von Baufehlern schon wieder sanierungsbedürftig. Doch auch ohne diese „Problembauten“ sind die Arbeiten im Parlaments- und Regierungsviertel noch längst nicht abgeschlossen. Ein Ende ist auch für die kommenden Jahre nicht in Sicht. Morgenpost Online hat sich auf den Baustellen des Bundes umgeschaut, die im Jahr 2010 das Bild der Stadt verändern werden.

Baubeginn Humboldt-Box

Für das größte und wichtigste Kulturbauvorhaben der Bundesrepublik, den Bau des Humboldt-Forums in Gestalt des Berliner Schlosses auf dem Schloßplatz in Mitte, hatte der vormalige Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) die Fertigstellung für 2013 angekündigt. Mittlerweile gibt es mit Peter Ramsauer (CSU) einen neuen – und zurückhaltenderen – Bauminister. Nach dessen Auskunft beginnt der Bau erst Ende dieses Jahres, die Fertigstellung ist für 2016 terminiert. Immerhin: Mit dem Bau der Humboldt-Box soll begonnen werden, sobald das Wetter es zulässt. Die Aussichtsplattform der Box soll am 21. Dezember eröffnet werden. Besucher können sich dann – ähnlich wie bei dem erfolgreichen Vorbild, der rote Info-Box am Potsdamer Platz – vor Ort über das Bauvorhaben informieren.

Kulturspeicher

Fünf Monate nach der Grundsteinlegung hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz am vergangenen Donnerstag Richtfest für das erste Magazingebäude am Fürstenwalder Damm gefeiert. In Friedrichshagen entsteht derzeit eine regelrechte Speicherstadt für die Kultur. Die Archivbestände der Staatsbibliothek und verschiedener Institute sollen dort künftig aufbewahrt werden. Allein der erste Bauabschnitt beherbergt in seinen vier Geschossen sechs Millionen Bände plus Tausende Bilddokumente. Ab 2011 sollen 22.000 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung stehen. Die Kosten betragen insgesamt 84,7 Millionen Euro. Ab 2015 ist auch ein Neubau für Depots und Werkstätten der Staatlichen Museen geplant.

Landwirtschaftsministerium

An der Wilhelm- Ecke Französische Straße kann Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) im Februar den Schlüssel zu ihrem neuen Dienstsitz entgegennehmen. Nach den Plänen des Berliner Architekturbüros Anderhalten entstand ein Neubau für 23,7 Millionen Euro. Die benachbarte ehemalige Musikhochschule der DDR ist ebenfalls Bestandteil der Erweiterungspläne und wurde zeitgleich für 11,2 Millionen Euro umgebaut. 185 Mitarbeiter sollen dort untergebracht werden. In die neuen Ministeriumsräume an der Französischen Straße in Mitte soll auch das bisher in Bonn angesiedelte Krisenzentrum für Seuchen einziehen. Die Mitarbeiter befassen sich mit akuten Problemen wie der Vogelgrippe oder Lebensmittelskandalen.

Familienministerium

Familienministerin Kristina Köhler (CDU) hat mit ihren rund 200 Mitarbeitern ebenfalls im Februar Grund zu feiern. Durch Teilabriss, Umbau, Neubau und Sanierung entstand für 47 Millionen Euro ein 10.000 Quadratmeter großer Dienstgebäudekomplex im Karree Glinka-, Jäger- und Taubenstraße, der sich um einen begrünten Innenhof gruppiert.

Bundesnachrichtendienst

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wird am 25. März für die Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND) an der Chausseestraße Richtfest gefeiert. 2006 begannen die Arbeiten auf dem zehn Hektar großen Grundstück. Ab 2013 sollen dort 4000 Geheimdienstler ihre Büros beziehen. Mit einer Grundfläche von 150 mal 280 Metern, einer Höhe von 30 Metern und 260.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche wird die BND-Zentrale zu den größten Bundesbauten zählen. Und zu den teuersten: Die Gesamtkosten einschließlich Umzug und Technik werden auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt.

Marie-Elisabeth-Lüders-Haus

Der Bundestag braucht mehr Platz und will deshalb das sogenannte Band des Bundes durch einen Anbau am Marie-Elisabeth-Lüders-Haus vergrößern. Nach den Plänen des Architekten Stephan Braunfels soll dieser Ende März/Anfang April an der Luisenstraße begonnen werden und 2013 fertig sein. Kosten: 180 Millionen Euro.

Topographie des Terrors

21 Jahre nach dem ersten Anlauf zum Bau einer Ausstellungshalle auf dem Gelände an der Wilhelm- Ecke Niederkirchnerstraße soll am 6. Mai das Dokumentationszentrum der „Topographie des Terrors“ eröffnet werden. Auf dem Areal entsteht ein flacher, verglaster und mit Stahllamellen verkleideter Ausstellungspavillon, der künftig eine Dauerausstellung, einen Veranstaltungssaal sowie eine Bibliothek über die Geschichte der NS-Terrorzentralen beherbergen wird. Das je zur Hälfte von Bund und Land finanzierte Gebäude kostet 24 Millionen Euro.

Hochsicherheitslabor

An der Seestraße 10 in Wedding wird im Mai der Grundstein für das bundesweit erste Hochsicherheitslabor des Bundes gelegt. Für den Kampf gegen Bio-Terrorismus und zur Isolierung von Patienten mit ansteckenden gefährlichen Krankheiten investiert der Bund im ersten Bauabschnitt 110 Millionen Euro. Das Robert-Koch-Institut wird das Hochsicherheitslabor betreiben. 2011 soll es fertig sein.

Regierungsflughafen

Ende Oktober/Anfang November soll der erste Spatenstich zum Bau des Regierungsterminals auf dem künftigen Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt erfolgen. Der Neubau des Empfangsgebäudes für Staatsgäste, der sogenannte Protokollbereich, soll 19,5 Millionen Euro kosten.

James-Simon-Galerie

Die Berliner Museumsinsel soll ein Empfangsgebäude bekommen. Im November wird der Grundstein für die James-Simon-Galerie gelegt. Den Entwurf hat der kürzlich von Königin Elizabeth II. zum Ritter erhobene britische Architekt David Chipperfield geliefert. Der Bund stellt Mittel in Höhe von 73 Millionen Euro bereit. Die James-Simon-Galerie wird als zentrales Besucherzentrum entscheidende Servicefunktionen für die Museumsinsel und alle benachbarten Museen übernehmen. Zugleich ist dort der Startpunkt für die Archäologische Promenade. Dieses teilweise unterirdisch angelegte Wegesystem wird alle Museen auf der Insel miteinander verbinden.

Ministerium für Umwelt

Im Dezember wird der neue Dienstsitz des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) fertig. In unmittelbarer Nähe zum Potsdamer Platz an der Stresemannstraße wird für 47,8 Millionen Euro ein Neubau errichtet und das unter Denkmalschutz stehende Gebäude des früheren preußischen Landwirtschaftsministeriums saniert.

Bundestagstunnel

Bis November 2010 ist die Wilhelmstraße zwischen Dorotheenstraße und Unter den Linden für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Der Bund baut seit Dezember 2009 für 7,5 Millionen Euro einen 50 Meter langen Tunnel. Dieser soll zwei Bundestagsgebäude verbinden.

Staatsoper Unter den Linden

Noch offen ist der konkrete Baustart für die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden. Anvisiert ist der Beginn der Arbeiten noch für dieses Jahr. 2008 hatte sich Senatsbaudirektorin Regula Lüscher im Wettbewerb um den Neubau des Staatsopernsaals gemeinsam mit der Jury für einen radikalen Umbau entschieden. Der Wettbewerb musste wieder aufgehoben werden – die Regeln des Denkmalschutzes waren nicht eingehalten worden. Nun soll der Opernsaal im Kern erhalten bleiben. Der Stuttgarter Architekt HG Merz wird die 239 Millionen Euro teure Sanierung (davon trägt der Bund 200 Millionen) leiten. Die sanierte Oper soll im Oktober 2013 eröffnet werden.