Schneechaos

Glatte Straßen und Wege - wie Berlin vorsorgt

Weil der Winter ungewohnt hart ist, wird in manchen deutschen Städten das Streusalz knapp: Münster, Bremen und auch Kommunen in Niedersachsen müssen sich einschränken, bei den Streusalz-Herstellern gibt es Lieferschwierigkeiten. Berlin aber hat vorgesorgt.

Foto: BSR

Es ist wohl ein Albtraum für jede Gemeinde: Es schneit und schneit, Straßen und Gehwege sind glatt, doch das Streusalz wird knapp und Nachschub gibt es keinen mehr. In vielen Regionen könnte dies nun Realität werden. Die Stadt Münster wurde von Lieferant Esco bereits darüber informiert, dass "Städte und Gemeinden in nächster Zeit“ zunächst kein Streusalz mehr bekämen. Vorrangig würden nur noch Streudienste von Autobahnen beliefert, da es "leichte Lieferverzögerungen" gebe.

Nun muss Münster mitten im Winter am Streugut sparen - und versuchen, über andere Kanäle an das begehrte Salz zu kommen. Aber: "Die Preise steigen derzeit heftig“, sagte ein Sprecherin der Stadt. Auch andere Kommunen berichteten von Engpässen bei Bestellungen. Angespannt ist die Situation auch in Bremen. "Die Salzlager sind bereits stark angeknabbert“, sagte der Sprecher des Bremer Straßenamtes, Martin Stellmann. "Der Nachschub gerät schon ins Stocken.“

In Berlin droht dieses Szenario nach Angaben der BSR nicht. "Wir haben gut vorgesorgt, unser Salzvorrat ist absolut ausreichend", sagte Unternehmenssprecher Bernd Müller. "Als Hauptstadt haben wir natürlich ganz ander Möglichkeiten, für den Winter vorzusorgen als kleine Städte, die können nicht so einen großen Vorrat anlegen", sagte Müller weiter. Die Stadtreinigung darf als einziges Unternehmen in Berlin Salz streuen.

20.000 Tonnen Salz pro Tag sind nicht genug

Nicht nur bei Esco, auch beim Düngemittel- und Salzhersteller K+S mit Sitz in Kassel läuft der Betrieb auf Hochtouren. "Wir müssen unsere Aufträge derzeit priorisieren. Deshalb erhalten die Kunden zuerst Auftausalze, die für Autobahnen und überregionale Hauptstraßen zuständig sind“, erklärte K+S-Sprecher Ulrich Göbel. Aus dem Grund sei die „Nachschubsituation durchaus ein wenig angespannt“. K+S produziert derzeit etwa 20.000 Tonnen Streusalz am Tag. "Wir verzeichnen eine extrem starke Nachfrage", so Göbel.

Offenbar waren viele Städte nicht auf einen so harten Winter vorbereitet und versuchen nun, bei den Lieferanten nachzubestellen. "Unsere Lieferverträge sind langfristig und vor allem frühzeitig abgeschlossen worden", sagte BSR-Sprecher Müller. Deshalb gehe er davon aus, dass Berlin im Bedarfsfall auch weiterhin mit Streusalz beliefert werde. Auch, weil zum Gebiet der BSR einige wichtige Autobahnen rund um Berlin gehören. "Diese streuen wir ja auch alle mit", so Müller.

Zum Wochenende droht neues Schneechaos

Doch Autobahnen sind nicht mehr überall ein Argument für bevorzugte Salzlieferungen. In Niedersachsen ist die Versorgunglage mit Streusalz so schlecht, dass die Autobahn 7 womöglich nicht mehr komplett abgestreut werden kann, sollte es erneut heftig schneien. Es gebe Pläne, dann nur noch eine Spur zu streuen und ein Tempolimit zu verhängen, sagte der Chef des Landesbetriebes für Straßenbau und Verkehr in Bad Gandersheim, Udo Othmer.

Das Wetter dürfte ihm wenig Hoffnung machen: Ein Tief bringt ab Freitag riesige Schneemengen. Der Osten und Norden Deutschlands werden davon nach der Prognose des Deutschen Wetterdienstes am meisten betroffen sein, bis zu 20 Zentimeter Neuschnee werden erwartet. Berlin jedenfalls sollte dafür gerüstet sein.