Gewalt

Angriffe auf Berliner Polizisten steigen dramatisch

Pfefferspray, Schutzwesten und neue Schlagstöcke wurden angeschafft. Die Berliner Polizei hat stark aufgerüstet in den vergangenen Jahren. Trotzdem gibt es in Berlin so viel gewalttätigen Widerstand gegen Polizisten wie sonst nirgendwo in Deutschland. Traurige Spitzenreiter in der Liste der Angriffe sind Neukölln, Wedding und Kreuzberg.

924 Polizisten wurden in Berlin im vergangenen Jahr bei Einsätzen verletzt, sagte Polizeipräsident Dieter Glietsch am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. 3371 Mal wehrten sich Menschen gewaltsam gegen ihre Festnahme oder andere Eingriffe der Polizei. Seit zehn Jahren liegt Berlin damit bundesweit auf dem „traurigen Spitzenplatz“. Auch die Feuerwehrleute klagen über zunehmende Gewalt.

Von Anfang 2007 bis November 2008 gab es 21 Fälle, in denen sich eine Menschenmenge zusammenrottete und die Polizisten bedrohte, um zu verhindern, dass jemand festgenommen wurde. Laut Glietsch handelte es sich dabei meist um Jugendliche oder junge Männer aus Einwandererfamilien in Neukölln, Wedding oder Kreuzberg. Innerhalb weniger Minuten würden sie sich versammeln und die Polizisten lautstark bedrohen, schilderte Glietsch eine typische Situation.

Allerdings bleibe es meist bei verbalen Auseinandersetzungen, nur in Ausnahmefällen seien einzelne Männer auch körperlich aggressiv geworden. Die schnell herbeigerufene Verstärkung der eigens gebildeten Eingreiftruppe habe die schwierigen und bedrohlichen Konflikte in allen Fällen beruhigt.

Der Berliner Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Eberhard Schönberg, beklagte, in vielen Fällen gehe es brutaler zu als früher. „Alles was Uniform trägt, Polizei, Feuerwehr, BVG, ist Objekt des Hasses. Teile der Gesellschaft haben sich längst daran gewöhnt.“ Gewalt gegen Polizisten müsse härter bestraft werden. „Hier muss der Staat ein Zeichen setzen.“ Die Hilflosigkeit des Staates bei der Problemlösung sei erschreckend.

Die höchsten Zahlen verletzter Polizisten liegen laut Glietsch allerdings schon einige Jahre zurück. 1999 wurden 1787 Polizisten verletzt; den niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre gab es 2006 mit 858 Fällen. Auch beim Widerstand gegen die Staatsgewalt schwankten die Zahlen der vergangenen Jahre immer wieder. Insgesamt sei Berlin aber auf einem ähnlichen - und sehr hohem Niveau - geblieben, während es bundesweit eine Zunahme um rund 21 Prozent in zehn Jahren gegeben habe, so Glietsch.

Innensenator Ehrhart Körting (SPD) berichtete auch von sinkendem Respekt vor der Feuerwehr. Zwar hätte sich die Zahl der Angriffe auf Feuerwehrmänner kaum verändert. 2008 gab es 17 Angriffe, in den Jahren davor zwischen zwölf und 19. Aber nach dem „subjektiven Gefühl“ der Feuerwehrleute, sagte Körting, hätte sich die Aggressivität deutlich verstärkt. Die Akzeptanz der Feuerwehr sei früher größer gewesen. Viele Beleidigungen und Drohungen würden inzwischen gar nicht mehr angezeigt, weil sie sich so gehäuft hätten. dpa/mim

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