Berliner Landesarchiv

Klaus Kinskis Akten bleiben verschlossen

| Lesedauer: 2 Minuten
Jens Anker

Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen den Leiter des Berliner Landesarchivs eingestellt. Der Archivar hatte die psychiatrischen Akten des Schauspielers Klaus Kinski veröffentlicht. Der Mitarbeiter soll nicht gewusst haben, dass er damit gegen das Gesetz verstieß, heißt es in der Begründung.

Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen den Leiter des Berliner Landesarchivs, Uwe Schaper, wegen der Veröffentlichung der psychiatrischen Akten Klaus Kinskis eingestellt. Demnach war die Herausgabe der Krankenakte Kinskis zwar verboten, der Archivleiter bleibe aber dennoch straffrei, heißt es in dem Beschluss der Staatsanwaltschaft. Schaper sei einem „Verbotsirrtum“ erlegen.

Demnach war die Herausgabe strafbar, allerdings habe der Archivleiter nicht gewusst, dass sein Handeln gegen das Gesetz verstößt. Schaper habe sich auf die Auskunft des Datenschützers Alexander Dix verlassen, der die Herausgabe gerechtfertigt hatte.

Die Anwälte der Familie Kinski kritisierten am Dienstag die Einstellung des Verfahrens. „Das Landesarchiv ist eine Behörde mit einem eigenen Gesetz, das nur wenige Paragraphen hat“, sagte Rechtsanwalt Ferdinand von Schirach. „Ich meine, es ist wirklich nicht zu viel verlangt, wenn der Leiter dieser Behörde dazu verpflichtet ist, das Gesetz gut zu kennen.“

Die Anwälte fordern jetzt eine Entschuldigung des Behördenleiters, da der Schaden durch die Veröffentlichung der Akte nicht zu reparieren sei. „Es stände unserer Stadt gut zu Gesicht, wenn die beteiligten Herren öffentlich ihre Fehler eingestehen und sich entschuldigen“, sagte von Schirach am Dienstag. Niemand habe es – weder vor der Veröffentlichung, noch danach – für nötig gehalten, Kontakt mit den Nachkommen aufzunehmen. Von Schirach kritisiert dabei vor allem Berlins obersten Datenschützer, Dix. „Dix ist seinen Aufgaben nicht nachgekommen – der Wächter hat versagt.“ Seine Aufgabe sei es, die Bürger vor dem Staat schützen, hier aber habe er das Gegenteil gemacht.

Der Krankenhauskonzern Vivantes hatte am 21. Juli zahlreiche Krankenakten vor allem aus der NS-Zeit an das Landesarchiv übergeben. Darunter befand sich auch die Akte des Schauspielers Klaus Kinski, der sich 1950 drei Tage lang in der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik aufgehalten hatte.

Der historische Aktenbestand der Nervenklinik umfasste insgesamt 90.000 Dokumente aus 80 Jahren Psychiatriegeschichte (1880-1960). Diese stehen nun im Landesarchiv Forschern auf Antrag zur Verfügung. Anlässlich der Übergabe der Akten machte das Landesarchiv Kinskis Krankenakte öffentlich. Daraufhin hatten die Witwe des Schauspielers, Minhoi Loanic, und der Sohn, Nikolai Kinski, Strafanzeige gegen alle Beteiligten gestellt. Otto Dix verteidigte die Veröffentlichung, Archiv-Wissenschaftler hatten sie dagegen kritisiert. Bei der Veröffentlichung berief sich das Landesarchiv auf das Archivgesetz, in dem die Weitergabe der Akten nach bestimmten Fristen möglich ist.