Kälte und Krise

Warum Berlins Arbeitslosigkeit nur leicht steigt

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Leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit

Im Dezember ist die Arbeitslosigkeit in Berlin leicht angestiegen: Im Vergleich zum November erhöhte sich die Erwerbslosenquote um 0,1 Prozent. Verglichen mit Dezember 2008 liegt sie allerdings um 0,6 Prozentpunkte höher.

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In Berlin ist die Zahl der Arbeitslosen zum Jahresende 2009 nur leicht gestiegen: Die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit verzeichnete gegenüber dem November ein Plus von 0,1 Prozentpunkten - deutschlandweit waren es 0,2 Prozentpunkte. Die Arbeitslosenquote in der Hauptstadt liegt allerdings weiterhin deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Experten hatten indes Schlimmeres befürchtet.

Im Dezember 2009 waren in Berlin insgesamt 227.367 Arbeitslose gemeldet, 1.334 mehr als im Vormonat und 9.177 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote lag im Dezember bei 13,5 Prozent - das sind 0,1 Prozentpunkte mehr als im November und 0,6 Prozentpunkte mehr als im Dezember 2008.

Insgesamt blieb auch zum Jahresende der befürchtete starke Anstieg der Arbeitslosenzahl aus. Deutschlandweit ging zwar die Zahl der Jobsuchenden im Dezember um 60.000 auf 3,276 Millionen nach oben – ein Plus von 173500 im Vergleich zum Vorjahr. Doch blieb eine große Entlassungswelle bislang aus. „Trotz der tiefen Rezession hat sich der Arbeitsmarkt im Jahr 2009 robust gezeigt“, sagte der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank- Jürgen Weise. Die Arbeitslosenquote nahm im Dezember um 0,2 Punkte auf 7,8 Prozent zu. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 7,4 Prozent gelegen.

Der leichte Anstieg der Arbeitslosigkeit in Berlin, so Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der BA, hat "klassische jahreszeitliche Gründe" - die Winterkälte. In sogenannten Außenberufen etwa konnte nur noch eingeschränkt gearbeitet werden. Haupt-Koopmann verwies auf die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl - die liegt für den Dezember um 2000 unter der vom November und zeige, "dass der Anstieg ausschließlich saisonale Ursachen hat".

Im Oktober 2009 - das sind die aktuellsten Werte, die vorliegen - waren in Berlin 1.127.900 Männer und Frauen in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen tätig, also fest angestellt. Damit lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 18.300 über dem Vorjahreswert.

Der Winter macht arbeitslos

In Brandenburg waren im Dezember 2009 insgesamt 151.301 Arbeitslose gemeldet, 4754 mehr als im Vormonat und 10.915 weniger als vor einem Jahr. Brandenburgs Arbeitslosenquote stieg im Dezember auf 11,3 Prozent, das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als im Vormonat und 0,7 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Auch der Anstieg der Brandenburger Arbeitslosenquote, der über dem bundesweiten Durchschnitt liegt, hat laut Margit Haupt-Koopmann saisonale Gründe. Die sogenannten Außenberufe - etwa in der Bauindustrie oder in der Landwirtschaft - bestimmen den Arbeitsmarkt in Brandenburg mit. In diesem Bereich konnte wegen des Wintereinbruchs nicht mehr gearbeitet werden. Entsprechend sank die Nachfrage nach Arbeitskräften. Die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl lag in Brandenburg um 1000 unter der des Vormonats.“

Bei Brandenburgs jüngeren Arbeitslosen von 15 bis unter 25 Jahren sank die Zahl im Vergleich zum Vormonat um 137, im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1.465 Personen auf 15.406. Die Anzahl älterer Arbeitsloser von 50 bis unter 65 Jahren stieg zum Vormonat um 1723 und sank zum Dezember letzten Jahres um 1200 Personen auf 50.258.

Im Oktober 2009 waren in Brandenburg 752.700 Männer und Frauen in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen tätig. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag um 1.100 über dem Vorjahreswert.

Kurzarbeit bremst den Anstieg

Bundesweit waren im Schnitt des Jahres 2009 3,423 Millionen Menschen ohne Arbeit, 155.000 mehr als im Jahr 2008. Laut BA haben vor allem der massive Einsatz der Kurzarbeit, aber auch statistische Effekte zu dem vergleichsweise moderaten Anstieg beigetragen. Im Westen waren im Durchschnitt 2,320 Millionen Menschen ohne Beschäftigung (ein Plus von 176.000), im Osten 1,103 Millionen (minus 20.000). Ersten Schätzungen zufolge meldeten Unternehmen im Dezember für 130.000 bis 140.000 Mitarbeiter konjunkturelle Kurzarbeit an, das sind etwas mehr als im November.

Saisonbereinigt sank die Arbeitslosenzahl in Deutschland im Dezember um 3000 auf 3,421 Millionen. Im Westen nahm die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl um 2000 zu, im Osten verringerte sie sich um 5000. Die BA wies jedoch darauf hin, dass ohne einen Sondereffekt durch die Neuausrichtung der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen die Gesamtzahl um 6000 gestiegen wäre.

Die Erwerbstätigkeit nahm nach den jüngsten Daten von Oktober auf November um 64.000 auf 40,58 Millionen ab. Im Jahresverlauf betrug der Rückgang 218.000. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag nach Hochrechnungen vom Oktober bei 27,81 Millionen, ein Minus gegenüber dem Vorjahr von 213.000. Dieser Rückgang wäre ohne den anhaltenden Zuwachs der sozialversicherungspflichtigen Teilzeitbeschäftigung deutlicher ausgefallen, hieß es bei der BA. Auch die Kurzarbeit half, Stellen zu erhalten.

Berlin kommt recht gut durch die Krise

Der unterdurchschnittliche Anstieg der Arbeitslosigkeit in Berlin deutet erneut darauf hin, dass die Hauptstadt vergleichsweise gut durch die Wirtschaftskrise kommt. Der Krisenbetroffenheitsindex des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) vom Dezember sieht auf den ersten zehn Plätzen vier Landkreise aus Baden-Württemberg, drei aus Bayern, zwei aus Nordrhein-Westfalen und mit dem Erzgebirgskreis einen aus Sachsen.

Am unteren Ende der Tabelle finden sich dagegen ausschließlich Regionen aus Nord- und Ostdeutschland. Den letzten Platz nimmt der Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg ein. Hier hat sich die Krise praktisch gar nicht ausgewirkt. Auch Berlin kam danach bisher überdurchschnittlich gut durch die Krise. In die Berechnung des Index fließen die Entwicklung am Arbeitsmarkt, die Umsatz- und Exportentwicklung in den Branchen sowie ihre Beschäftigungsprognosen ein. Weniger stark von der Krise betroffen sind demnach Kreise und Städte, die einen Schwerpunkt in den Bereichen Dienstleistung, Versorgungswirtschaft, Gesundheitsbranche, Ernährungsgewerbe oder Pharma haben. Tourismus, Dienstleistung und Gesundheit gehören zum Beispiel in Berlin zu den Kernkompetenzen.

( ddp/dpa/RTR/dino )