Schnee in Berlin

Flughafen Tegel kämpft gegen Eis- und Schneechaos

Die Kälte bereitet den Berlinern weiterhin Probleme. Am Flughafen Tegel kam es erneut zu Verspätungen, 56 Flüge wurden gestrichen. Auch Autofahrer und Fußgänger haben mit dem Glatteis zu kämpfen. Eine Frau rutschte in Mitte aus und verletzte sich so schwer, dass sie starb.

Das Winterwetter hat Berlin und Brandenburg weiterhin fest im Griff. Die Schneedecke misst in der Hauptstadt mittlerweile bis zu 17 Zentimeter, wie der private Wetterdienst MeteoGroup Deutschland mitteilte. Zuletzt war im März 2006 eine Schneedecke von bis zu 20 Zentimetern gemessen worden.

Im Straßenverkehr hatten Autofahrer und Fußgänger vor allem am Morgen mit teils glatten Fahrbahnen und Bürgersteigen zu kämpfen. Dadurch stiegen laut Polizeisprecher Michael Merkle die Unfallzahlen leicht an. Bis zum Mittag kam es zu 151 Unfällen in Berlin.

Ein besonder tragischer Unfall ereignete sich am Donnerstagabend am Holocaust-Mahnmal in Mitte an der Ebertstraße/Ecke Hanna-Arendt-Straße. Eine 35-jährige Frau war gegen 18 Uhr an der Westseite des Mahnmals entlanggegangen, als sie auf dem Eis ausgerutscht und mit dem Hinterkopf auf das Pflaster geschlagen. Trotz sofortiger ärztlicher Hilfe verstarb sie nach Angaben der Feuerwehr noch am Unfallort.

Darüberhinaus blieben in die meisten in Unfälle verwickelten Menschen von schweren Verletzungen aber verschont. Zudem verhielten sich die Autofahrer bei den Wetterbedingungen meistens vernünftig und umsichtig, sagte Merkle. Die Polizei warnt jedoch auch für die kommenden Nächte wieder vor eisglatten Straßen und mahnte zur Vorsicht.

Vor allem in den kleineren Seiten- und Wohnstraßen kam es am Freitag immer wieder zu Unfällen mit Blechschäden. Momentan seien die Mitarbeiter der Berliner Straßenreinigung (BSR) intensiv darum bemüht, auch hier für geräumte Fahrbahnen zu sorgen, sagte BSR-Sprecher Bernd Müller. Auf den Nebenstraßen liege gerade der Schwerpunkt. Für die Gehwege sei die BSR jedoch nicht verantwortlich, da müssten die Anwohner selbst zum Schneeschieber greifen.

5000 Passagiere von Flugausfällen betroffen

Der andauernde Schneefall hat auch den Berliner Flugverkehr am Freitag erneut behindert. In Tegel wurden 56 Flüge gestrichen, wie Flughafensprecher Eberhard Elie sagte. Damit seien rund 5000 Menschen von Flugausfällen und erheblichen Verspätungen betroffen gewesen. Ein Chaos sei aber ausgeblieben. Etwa die Hälfte der ausgefallenen Flüge betraf Maschinen, die eigentlich in Tegel landen sollten, die Passagiere der rund 25 ausgefallenen Starts – vor allem nach Stuttgart, Frankfurt, München und Düsseldorf – wurden auf nachfolgende Flüge umgebucht. Da die Zahl dieser Flüge pro Tag besonders hoch sei, habe sich die Situation schon in den Nachmittagsstunden normalisiert, sagte Elie.

Am Morgen mussten die Flugzeuge zunächst vom Schnee befreit werden. Um die Maschinen gegen erneutes Vereisen zu schützen, musste anschließend eine Antivereisungsschicht aufgetragen werden. Da dieses Verfahren im Schnitt 20 Minuten beansprucht, starteten am Vormittag alle Maschinen mit Verspätung. „Eigentlich keine lange Zeit“, sagte Flughafensprecher Elie, „aber einen Flugplan bringt das natürlich durcheinander.“ Um die Wartezeit so gering wie möglich zu halten, seinen zu dieser Jahreszeit etwa acht Enteisungswagen ständig startbereit. Das Glycol-Wassergemisch, mit dem die Flugzeuge behandelt werden, müsse auf 80 Grad erhitzt werden und sei ständig vorrätig. Pro Maschine werden rund 1000 Liter benötigt.

Am Nachmittag entspannte sich die Lage dann wieder. Nach 14 Uhr seien keine Flüge mehr ausgefallen, die Verspätungen hätten maximal 15 Minuten betragen, sagte Elie. Auf dem Flughafen Schönefeld gab es den Angaben zufolge keine Flugausfälle, allerdings waren am Morgen alle Flüge um 15 bis 30 Minuten verspätet. Auch hier normalisierte sich die Situation am Mittag.

Räumfahrzeuge waren in Tegel und am Flughafen Schönefeld rund um die Uhr im Einsatz, um Rollwege und Pisten freizuhalten.

Es bleibt kalt und grau

Für die nächsten Tage ist erst einmal keine frühlingshafte Witterung in Sicht. Nach dem leichtem Tauwetter sollen die Temperaturen in der Nacht zum Samstag auf bis zu minus fünf Grad zurückgehen. In der Nacht zum Sonntag werden noch einmal bis zu sieben Zentimeter Neuschnee erwartet.

Die Wintersportler dürfte es freuen, genau wie die Wintersportgeschäfte. Die Berliner bescheren dem Einzelhandel gerade ein deutliches Umsatzplus. Insbesondere Langlaufski seien gefragt, sagte Klaus Fischer vom Handelsverband Berlin-Brandenburg (HBB). Bei Schlitten gebe es mittlerweile sogar Engpässe, da die Lieferungen mit der großen Nachfrage kaum mithalten könnten. Bei Winterbekleidung registrierte der Handelsverband Umsatzsteigerungen von fünf bis zehn Prozent im Vergleich zu 2008.

(mit apä/ddp/plet)