Wieder Schnee

Glatte Straßen in Berlin - mehr als 200 Unfälle

Glatte Straßen und Gehwege haben den Verkehr in Berlin behindert. Die Polizei registrierte mehr Autounfälle, bei BVG und S-Bahn kam es zu Verspätungen. Auch auf dem Flughafen Tegel hat man weiter mit den Folgen des Wintereinbruchs zu kämpfen. Die Polizei kann allerdings dem Wetter tatsächlich auch etwas Gutes abgewinnen.

Auf den winterlichen Straßen in Berlin ereigneten sich von Mitternacht bis zum Dienstagmittag 241 Verkehrsunfälle, von denen ein Großteil witterungsbedingt war. Insbesondere im Berufsverkehr zwischen 8 und 9 Uhr war die Zahl der Crashs mit 48 „leicht erhöht“, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Nach bisherigen Erkenntnissen blieb es bei Blechschäden.

Bereits am frühen Montagabend war in Pankow eine 82-jährige Frau von einem Auto überfahren worden. Die Seniorin wollte an der Ecke Scherenberg-/Wichertstraße die Fahrbahn überqueren. Ein 37-jähriger Autofahrer konnte nicht mehr ausweichen. Sie erlitt Prellungen an Kopf und Hüfte sowie vermutlich einen Oberschenkelhalsbruch.

Die Berliner Stadtreinigung BSR war auch am Dienstagmorgen im Einsatz, doch vor allem auf den Nebenstraßen und in den Außenbezirken blieb der Schnee bei Minusgraden liegen. An Kreuzungen konnte es gefährlich glatt werden.

Verspätungen bei BVG und S-Bahn

Bei der S-Bahn kam es in den Morgenstunden auf mehreren Linien zu Verspätungen zwischen zwei und zehn Minuten. Auf den Linien S3 und S5 wurden vereinzelt Züge gestrichen, „um den Fahrplan zu stabilisieren“, wie S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz sagte. Er sprach von einem „durchschnittlichen Wintertag“ für die S-Bahn. Situationen wie im Januar, als wegen der extremen Minustemperaturen reihenweise Fahrzüge ausfielen, habe es nicht gegeben. So sei nur eine Weiche in den Morgenstunden ausgefallen. Grund für die Verspätungen seien zudem nicht allein Eis und Schnee. Viele Züge ­ insbesondere aus dem östlichen Teil Berlins und dem Umland - seien deutlich voller gewesen, weil viele Berufspendler vom Auto auf die Bahn umgestiegen seien. Dadurch hätten sich im Berufsverkehr die Aufenthaltszeiten an den Bahnhöfen verlängert. Bei den Regionalbahnen kam es vereinzelt zu Fahrzeug- und Weichenstörungen.

Bei der BVG verlief der Verkehr von U-Bahn und Tram normal. Busse hatten bis zu 30 Minuten Verspätung, wie eine Unternehmenssprecherin sagte.

Zahlreiche Unfälle in Brandenburg

Spiegelglatte und verschneite Straßen haben am Dienstagmorgen auch in Brandenburg zu zahlreichen Verkehrsunfällen geführt. Im Bereich des Polizeipräsidiums Potsdam wurden von Mitternacht bis 12 Uhr insgesamt 114 Unfälle gezählt, von denen 44 auf die Witterungsverhältnisse zurückzuführen waren, teilte ein Polizeisprecher mit. Zwei Personen seien dabei verletzt worden. Das Polizeipräsidium Frankfurt (Oder) meldete 138 Unfälle, von denen 58 witterungsbedingt waren. Sechs Personen wurden leicht verletzt. Besonders im Landkreis Oder-Spree, im Havelland sowie auf dem nördlichen und südlichen Berliner Ring krachte es häufig.

Auf der Bundesstraße 96 bei Teschendorf kam es auf spiegelglatter Straße zu drei Unfällen. Es blieb bei Sachschäden. Die Unfallstelle war für rund eine Stunde komplett gesperrt, der Verkehr musste umgeleitet werden.

Zu einem weiteren Glätteunfall kam es auf der Bundesautobahn 10 zwischen den Anschlussstellen Birkenwerder und Mühlenbeck. Ein 46-jähriger Lkw-Fahrer geriet aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit auf glatter Fahrbahn ins Schleudern und kollidierte mit der Mittelschutzplanke. Der Lkw kam dann nach rechts von der Straße ab und überschlug sich. Der 47-jährige Beifahrer wurde leicht verletzt. Es entstand ein Sachschaden von rund 15.000 Euro.

Flugausfälle auf dem Airport Tegel

Während es auf dem Flughafen Schönefeld keine Beeinträchtigungen gab, mussten Reisende in Tegel neben den Flugausfällen zudem erhebliche Verspätungen in Kauf nehmen. 17 Abflüge mussten bis zum frühen Nachmittag gestrichen werden. Besonders zwischen 6 und 7 Uhr hätten sich zahlreiche Flüge verspätet, sagte Flughafensprecher Eberhard Elie. Bis Mittag habe sich die Situation wieder normalisiert. Die Ausfälle betrafen den Angaben zufolge Flüge nach Brüssel, Nürnberg, Stockholm, Kopenhagen, Stuttgart, Zürich, Amsterdam, München und Köln. Die Winterdienste der Berliner Flughäfen seien jedoch die ganze Nacht im Einsatz gewesen, hieß es weiter. Die trockene Luft und die niedrigen Temperaturen hätten aber zu starken Vereisungen geführt, so dass Beeinträchtigungen unvermeidbar gewesen seien.

Polizei registriert wenige Straftaten

Einen positiven Effekt hat das Wetter: Der starke Schneefall hat in Berlin die Kriminalitätsrate stark sinken lassen. Die Polizei registrierte laut einem Sprecher in der Nacht zu Dienstag lediglich einen Überfall auf einen Supermarkt. Ein Mann hatte eine 44-jährige Angestellte des Geschäfts in der Hermsdorfer Straße in Reinickendorf mit einem Messer bedroht. Anschließend zwang er eine 42 Jahre alte Kassiererin, Geld herauszugeben. Die Frauen blieben unverletzt. Der Täter flüchtete mit seiner Beute.

Grundstückseigentümer müssen Wege räumen

Der Sprecher der Berliner Stadtreinigung (BSR), Bernd Müller, wies auf die Räumpflicht von Grundstückseigentümern hin. Immer wieder riefen Berliner bei der BSR an, um sich über nicht geräumte Gehwege zu beschweren. Falls ein Grundstückseigentümer seiner Aufgabe nicht nachkomme, müsse er im Zweifel für Folgeschäden wie Verletzungen durch Stürze haften, sagte Müller.

Kälteste Region Deutschlands

Wie viel Schnee in der Nacht fiel, war in der Stadt und im Umland ganz unterschiedlich. So werden aus Tegel 11 Zentimeter gemeldet, aus Schönefeld 12 Zentimeter und aus Dahlem 16 Zentimeter.

Mit Tiefstwerten bis zu minus 18 Grad Celsius in Manschow an der Oder sei es in der Region in der Nacht am kältesten in Deutschland gewesen, sagte Christoph Gatzen vom privaten Wetterdienst MeteoGroup Deutschland am Dienstag auf ddp-Anfrage. Am östlichen Stadtrand von Berlin wurden minus neun Grad gemessen, in Tempelhof immerhin noch minus acht Grad. Insgesamt sei in der Region eine Schneedecke von 10 bis 17 Zentimeter gemessen worden, erläuterte der Wetterexperte. Cottbus könne sich über den meisten Schnee freuen, in der Prignitz und im Havelland hingegen waren die Straßen kaum noch bedeckt.

Auch am Mittwoch bleibt es laut dem Meteorologen winterlich, aber trocken. Vereinzelt kann es zu Auflockerungen kommen. Am Donnerstag zieht dann voraussichtlich das nächste Tief in die Region, das mehr Wolken und auch wieder Schneeschauer bringt. Die Höchstwerte liegen am Tag um den Gefrierpunkt, in der Nacht sinken sie auf bis zu minus zehn Grad ab. Frühlingswetter sei weiterhin nicht in Sicht, sagte der Wetterexperte. dpa/ddp/sei/fal