Prostitution

Hunderte von Bordellen in Berlin angemeldet

In Berlin sind seit 2002 offenbar Hunderte von Bordellen angemeldet worden. Auch wenn es keine exakte Statistik existiert: Bekannt ist, das allein in vier Bezirken 180 Betriebe gemeldet wurden. Lediglich 23 von ihnen wurden seit 2005 aus planungsrechtlichen Gründen untersagt. Und dass es soviel sind, hat einen Grund.

Foto: GW/TA / AFP

In Mitte meldeten sich seit 2002 nach Auskunft des Bezirks 30 Bordelle an, hinzukamen 95 Betriebe mit "Zimmervermietung". In Spandau wurden seitdem sechs Bordellbetriebe angemeldet, Tempelhof-Schöneberg notierte 29 Anmeldungen, aus planungsrechtlichen Gründen sprach das Bau- und Wohnungsaufsichtsamt allerdings neun Nutzungsuntersagungen aus. In Treptow-Köpenick werden pro Jahr rund 20 Anmeldungen registriert. Eine exakte Statistik über die Anzahl von Bordellen in Wohngebieten existiert allerdings in keinem Bezirk.

Dies geht aus der Antwort auf eine kleine Anfrage des FDP-Abgeordneten Rainer-Michael Lehmann hervor. Lehmann hatte gefragt, welche Bezirke aus Gründen des Baurechts Bordelle nicht genehmigt hatten. In den vergangenen drei Jahren haben die Bauämter allerdings nur insgesamt 23 bodellartige Betriebe in Wohnungen untersagt. Mitte, Tempelhof-Schöneberg, Charlottenburg-Wilmersdorf und Spandau hatten die Betriebe abgelehnt. Meist hatten Beschwerden von Nachbarn dazu geführt. Baurechtlich sind Bordelle in Wohngebieten unzulässig.

Im Jahr 2002 war das Prostitutionsgesetz geändert worden. Es erleichtert jetzt den im Rotlichtmilieu arbeitenden Frauen ihre Tätigkeit. Das bedeutet jedoch nicht, dass auch das Baurecht für Bordelle gelockert wurde – und dies führt in Berlin immer wieder zu Konflikten. Theoretisch können sich Bordelle in Gebieten, in denen das Planungsrecht geändert wurde, inzwischen offiziell anmelden. Die Gerichte allerdings gehen in ihrer Rechtsprechung bis heute davon aus, dass Bordelle in Wohngebieten per se stören, und zwar unabhängig vom Einzelfall.

Planungsrechtlich prüften die Bezirke den Betrieb von Bordellen immer im Einzelfall, so Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Damit könne auch einmal von der Annahme abgewichen werden, dass Bordelle störend seien. Es sei nicht von Interesse, wenn Prostitution in "dunkle Ecken" abgedrängt werde, so dass sie nicht mehr kontrollierbar sei. Der liberale Umgang mit der Prostitution in Berlin, versicherte Lüscher, soll erhalten bleiben.

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