Leser-Wahl

Frank Zander ist Berliner des Jahres 2008

Tausende Leser von Morgenpost Online und der Berliner Morgenpost haben entschieden: Der Entertainer Frank Zander ist Berliner des Jahres 2008 - vor allem wegen seines Engagements für die Obdachlosen der Hauptstadt. Sie hatten einen anderen Favoriten? Hier erfahren Sie, auf welchem Platz er oder sie gelandet ist.

Der sozial engagierte Sänger und Entertainer Frank Zander (66) ist der „Berliner des Jahres 2008“. Bei der knapp dreiwöchigen Wahl der Leser der Berliner Morgenpost gab es ein klares Votum für den gebürtigen Berliner, der sich seit 14 Jahren um die Ärmsten der Armen in dieser Stadt kümmert und sie alljährlich zur Weihnachtzeit zum Gänsekeulenessen einlädt. Nach Peter Raue (2004), Hans Wall (2005), Jenny De la Torre (2006) und Thomas Dörflein (2007) ist Frank Zander bereits der 5. „Berliner des Jahres“, den die Leser der Berliner Morgenpost gewählt haben.

Für einen Augenblick verschlägt es selbst Frank Zander – dem Urberliner mit Herz und Schnauze – die Sprache. „Ich freu' mich wahnsinnig über diese Auszeichnung“, sagt der Sänger dann. Von einem großen Medium derart geehrt zu werden, unterstreiche die Wichtigkeit seines Anliegens, den Ärmsten der Stadt etwas Gutes zu tun. „Berliner des Jahres, das ist eine großartige Bestätigung.“

"Ein bisschen wie Robin Hood"

Frank Zander (66) hat bekanntlich eine große Klappe – und wird dafür von seinen Fans geliebt. Genauso gerade heraus wie er als Sänger („Hier kommt Kurt“) und Entertainer auf der Bühne ist, genauso engagiert ist er für die Ärmsten der Armen in der Stadt. Seit 1993 veranstaltet er für Obdachlose und Bedürftige das nun schon legendäre Weihnachtsessen mit Gänsekeulen, Klößen und Rotkohl, seit 1998 im Hotel Estrel. In diesem Jahr feierte Zander dort mit mehr als 2500 Obdachlosen.

„Ein bisschen fühle ich mich wie Robin Hood, mir geht es gut und ich kann anderen helfen, das ist doch wunderbar“, sagt Zander. Und betont ausdrücklich, dass sein Essen eine Veranstaltung mit und nicht einfach nur für Obdachlose sei.

„Meine Mutter wäre stolz auf mich“, sagt der 66-Jährige, der in Berlin geboren und am Neuköllner Karl-Marx-Platz aufgewachsen ist. Er liebe die Stadt und ihre Bewohner. „Berlin ist meine Stadt.“ Das sei immer klar gewesen, ebenso wie die Tatsache, dass man sich um die armen Menschen kümmern muss. „Ich hab früh damit angefangen, den Menschen, die sich hinter dem Bahnhof Zoo aufhielten, zu Weihnachten kleine Geschenke zu machen. Das war für mich untrennbar mit dem Fest verbunden – wie der Kirchgang eben.“ Aus diesem Impuls sei die Idee des Gänseessens gewachsen. „Ich hab einfach helfen wollen.“ Dass „dabei so viel zurückkommt“, habe er sich anfangs gar nicht vorstellen können, sagt Zander.

Als wäre es gestern gewesen, kann sich der Entertainer an die erste Veranstaltung erinnern: „Das war auf Schloss Diedersdorf bei Berlin. Zwei Busse brachten damals 150 Obdachlose, die durch Kälte und Schnee auf das Schloss zugestampft kamen. Die haben sich dermaßen gefreut. Da erst haben wir gemerkt, was wir da losgetreten haben.“

Was hat ihn in den vergangenen 14 Jahren besonders bewegt? Frank Zander überlegt nicht lange: „Da kam mal drei Jahre lang ein großer dicker Mann, der hat mich jedes Mal bei der Begrüßung umarmt und fast zerquetscht dabei, so sehr hat er sich über die Einladung gefreut. „ Er habe schon immer auf diese Umarmung gewartet, erinnert sich Zander. Im vierten Jahr habe dann ein Freund des „Bären“ berichtet, dass der gestorben sei, ganz kurz vor der Weihnachtsfeier. „Das hat mich sehr getroffen. Zumal ich mir vorstellen konnte, wie traurig diese Beerdigung gewesen sein muss.“ Und mit seinem typisch berlinischen Humor legt Zander nach: „Wenn ich mal auf der Bahre liege, sind da mindestens 2000 Obdachlose mit auf dem Friedhof. Das wird irre.“

Doch nicht nur Freude, auch Probleme hat es bei der Organisation der Veranstaltung immer wieder gegeben. „Zum Glück haben wir die jedes Mal lösen können“, sagt Zander und meint mit wir seine Frau Evi und seinen Sohn Marcus sowie viele seiner Freunde.

Das Hotel Estrel war die Rettung

Auf der Kippe stand das Gänseessen mit Obdachlosen bereits nach der dritten Veranstaltung. „Damals haben wir nach einem geeigneten Ort gesucht und fast keinen gefunden“, erinnert sich Frank Zander. Das Estrel-Hotel sei dann die Rettung gewesen.

Auch im kommenden Jahr wird es dort wieder ein Fest mit Obdachlosen geben. „Wir werden auch das 15. Gänseessen richtig groß feiern“, kündigt Frank Zander jetzt schon an. „Seine Obdachlosen“ würden ihm jedes Mal gute Wünsche mit auf den Weg geben. Bleib uns bloß gesund, heiße es dann immer, damit wir auch nächstes Jahr wieder feiern können.

Nach seinen Wünschen für die Zukunft befragt, sagt der Entertainer nur eins: „Berlin soll keine Gettos für Superreiche errichten, dass ist mein größter Wunsch. Wir sollten alle miteinander leben und uns gegenseitig helfen, Nachbarschaftshilfe eben, so wie das früher in meiner Kindheit gang und gäbe war.“

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