Sinti und Roma

Mahnmal-Bau startet 16 Jahre später

Nach jahrelangem Streit hat nun am Reichstag der Bau des Mahnmals für die Sinti und Roma begonnen. Bereits 1992 war die Errichtung des Denkmals beschlossen worden. Doch zwei Opferverbände hatten sich jahrelang um die Inschrift des Mahnmals gestritten - vor allem um das Wort "Zigeuner".

Foto: ddp / DDP

Nach jahrelangen Verzögerungen und heftigem Streit ist gestern mit dem Bau des Mahnmals für die in der NS-Zeit ermordeten Sinti und Roma begonnen worden. Auf einer Grünfläche südlich des Reichstags soll das Denkmal nach einem Entwurf des israelischen Künstlers Dani Karavan an den Völkermord an Sinti und Roma erinnert werden. Damit befindet es sich in unmittelbarer Nähe zum 2005 eingeweihten Holocaust-Mahnmal für die ermordeten Juden Europas und dem im Frühjahr fertiggestellten Homosexuellen-Mahnmal. Dem zweiten nationalsozialistischen Völkermord dürften nach Schätzungen von Historikern über 100.000 Roma zum Opfer gefallen sein. Der Zentralrat der Sinti und Roma nennt jedoch eine fünf Mal höhere Zahl.

Der Bau wird vom Bund mit zwei Millionen Euro getragen, das Land Berlin stellt das Grundstück. Das Mahnmal wird die Gestalt eines Brunnens mit dunklem Wasser haben und soll im Laufe des kommenden Jahres fertig gestellt werden.

Am Baubeginn nahmen Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sowie der Vorsitzende des Zentralrates der Deutschen Sinti und Roma, Romani Rose, und die Vorsitzende der Sinti Allianz Deutschland, Natascha Winter, teil.

Beide Verbände hatten um die Inschrift des Mahnmals gestritten. Das bereits 1992 beschlossenen Mahnmals hatte sich vor allem wegen dieser Streitigkeiten verzögert. Dabei ging es um die Verwendung des Wortes „Zigeuner“. Während der Zentralrat den Begriff für den Text abgelehnt hatte und sich für Sinti und Roma aussprach, plädierte die Sinti Allianz dafür. Mit dem Begriff „Zigeuner“ würden auch andere Stämme wie die Lalleri und Manusch eingeschlossen.

Neumann betonte, die Planung und die Inschrift des Denkmals seien mit allen Opfergruppen abgesprochen worden.

Zuvor hatte Neumann von einem „schwierigen Prozess“ gesprochen, „beinahe wie die Quadratur des Kreises“. Damit werde „den Anliegen der Opferverbände in größtmöglicher Weise Rechnung“ getragen. Als Kompromiss wird am Brunnenrand das Gedicht des 1964 geborenen Italieners Santino Spinelli, „Auschwitz“, zu lesen sein. Außerdem haben das Institut für Zeitgeschichte (München) und das NS-Dokumentationszentrum in Köln die Gedenktafel mit der Chronologie des Völkermordes erarbeitet. Der Bundesrat hatte den Texten am 20. Dezember 2007 zugestimmt.

Wowereit sagte, die Bedrohung und Verfolgung von Menschen wegen ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Lebensweise dürfe nicht hingenommen werden. In dieser Woche sei das Mahnmal für die in der NS-Zeit verfolgten Homosexuellen in Berlin beschädigt worden. Man müsse den Ewiggestrigen mit aller Härte entgegentreten, sagte der SPD- Politiker.

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