Gewalt an der Schule

Schüler lässt Lehrer zusammenschlagen

Der stellvertretende Direktor der Berliner Gottfried-Kinkel-Oberschule ist von einem Schüler und zwei Männern zusammengeschlagen worden - so schwer, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste. Der Siebtklässler war zuvor des Unterrichts verwiesen worden und hatte dann offenbar seine Cousins gerufen.

Erneut hat es einen brutalen Zwischenfall an einer Berliner Schule gegeben. Wie Morgenpost Online aus Sicherheitskreisen erfuhr, haben ein Jugendlicher und zwei Männer am Dienstagvormittag den stellvertretenden Direktor der Gottfried-Kinkel-Oberschule in der Spandauer Wilhelmstadt zusammengeschlagen. Der Mann musste sich in einem Krankenhaus behandeln lassen. Die zuständige Senatsverwaltung wies in diesem Zusammenhang daraufhin, dass gerade diese Lehranstalt für ihre gewaltpräventive Arbeit bekannt sei. Bislang habe es keine vergleichbaren Übergriffe gegeben.

Laut Zeugen der Oberschule hatte es gegen 11 Uhr im Klassenzimmer einer 7. Klasse Unruhe gegeben. Demnach soll ein Schüler mit Migrationshintergrund den Unterricht gestört haben und deshalb von seiner Lehrerin des Raumes verwiesen worden sein. Die Tür laut zuknallend habe der Jugendliche das Gebäude verlassen und offenbar mit einem Mobiltelefon zwei Cousins alarmiert.

„Die beiden körperlich sehr stark aussehenden Männer sind dann zusammen mit dem Siebtklässler auf dem Schulhof erschienen“, so ein Schüler der 10. Klasse. „Zunächst verließen sie das Gelände noch, kehrten dann aber durch einen Hintereinganz zurück.“ Dort begegnete das Trio dem stellvertretenden Direktor der Schule. Nach Informationen von Morgenpost Online wurde der Mathematik- und Sportlehrer angegriffen und mehrfach geschlagen. Mehrere Schüler seien dem beliebten Pädagogen zu Hilfe geeilt und hätten die Schläger vertreiben können.

Schule für Gewaltprävention bekannt

Wenig später hielten drei Einsatzfahrzeuge der Polizei und ein Rettungswagen der Feuerwehr vor dem Schulgelände an der Seecktstraße. Das Opfer wurde zur Behandlung in ein nahe gelegenes Krankenhaus transportiert, dort sollen mehrere Verletzungen, darunter eine beschädigte Rippe sowie zahlreiche Prellungen diagnostiziert worden sein.

Ein Sprecher der zuständigen Senatsverwaltung betonte auf Anfrage, dass es sich bei diesem Angriff auf eine Lehrkraft um einen Einzelfall handelt. „Vergleichbares hat es in der Vergangenheit nicht gegeben, die Schule ist für ihre Präventionsarbeit bekannt und hat sehr engagierte Schüler.“ Der Senator werde sich persönlich an den betroffenen Lehrer wenden. Zu Einzelheiten des Zwischenfalls wollte der Sprecher keine Angaben machen und verwies auf die laufenden Ermittlungen.

An der Schule hat der Angriff auf den stellvertretenden Direktor für Wut und Entrüstung gesorgt. „Das sind Methoden, die wir hier nicht billigen und auch in der Zukunft nicht haben wollen“, so ein Schüler der 10. Klasse. Gewalt sei kein Mittel zur Konfliktlösung.

„Das hat dieser Lehrer nicht verdient“

Traurig mache die Schüler auch der Umstand, dass sich das Opfer im letzten Schuljahr vor der Pensionierung befindet. „Dass ein so netter und sozialer Lehrer quasi mit Gewalt in den Ruhestand geschickt wird, hat er nicht verdient“, so eine Schülerin der 9. Klasse. Beliebt sei der Lehrer vor allem wegen seiner lockeren und aufgeschlossenen Art. „Egal wer vor ihm steht, er hat immer ein offenes Ohr für unsere Probleme“, so ein Schüler. Gestern fragten sie sofort nach dem Gesundheitszustand ihres Lehrers. „Leider hat uns niemand etwas zum derzeitigen Gesundheitszustand gesagt“, so ein Schüler.

Die Schule hat unmittelbar nach dem Angriff reagiert und eine Sitzung aller Lehrer einberufen, um ein weiteres Vorgehen zu besprechen und Maßnahmen zu ergreifen, um eine Vermeidung weiterer Zwischenfälle zu vermeiden. Deshalb fiel am Dienstag auch die letzte Unterrichtsstunde für alle Schüler aus. „Natürlich haben wir auch mit unseren Eltern über den Vorfall gesprochen“, sagt ein Jugendlicher der Oberschule. Er wünscht sich, wie auch viele seiner Mitschüler, dass der stellvertretende Schulleiter so schnell wie möglich gesund wird und Weihnachten nicht im Krankenhaus verbringen muss.