Senat

Umweltverbände kritisieren das Berliner Wasserkonzept

Der Berliner Senat will drei Wasserwerke zugleich schließen. Damit drohten einige Berliner Seen auszutrocken, sagen Kritiker. Schon jetzt werden Schlachtensse und Krumme Lanke künstlich bewässert. Allein im Grunewald sei der Grundwasserspiegel in 100 Jahren um sechs Meter gesunken.

Legt der Senat den Müggelsee trocken? Das legt die Kritik nahe, die die Umweltverbände an den Plänen der Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) üben, drei Wasserwerke in der Stadt zu schließen. Die Senatorin stellt die Dinge auf den Kopf - zum Schaden der Natur", sagte der Vorsitzende des Naturschutzzentrums Ökowerk, Hartwig Berger. Die Verbände haben sich nach gescheiterten Verhandlungen über die Offenhaltung der Wasserwerke jetzt in einem offenen Brief an Lompscher gewandt und sie aufgefordert, die Entwidmung der Wasserwerke Buch, Jungfernheide und Altglienicke zu stoppen.

Den Hintergrund für die Kritik bildet das Wasserversorgungskonzept für Berlin, das die Umweltverwaltung in diesem Jahr vorgestellt hat. Dabei geht es um die Wasserversorgung Berlins in den kommenden Jahrzehnten. Das Konzept sieht vor, künftig mehr Wasser aus weniger Wasserwerken zu entnehmen. "Der Druck auf die verbleibenden Wasserwerke erhöht sich damit, die Folgen für die Natur sind nicht absehbar", sagte die Geschäftsführerin der Stiftung Naturschutz, Anja Sorges. Besonders die Regionen um den Müggelsee, an der Havel und am Spandauer Forst sind nach Angaben der Umweltverbände von der Schließung der drei Wasserwerke betroffen.

Schon die gegenwärtige Praxis habe Teile des Grunewalds gefährdet. So wären der Schlachtensee und die Krumme Lanke längst ausgetrocknet, wenn sie nicht künstlich mit Wasser aus der Havel versorgt würden, kritisieren die Umweltschützer. Gleiches soll sich nach ihrem Willen nicht wiederholen. Allein im Grunewald sei der Grundwasserspiegel in den vergangenen 100 Jahren durch die gestiegene Wasserentnahme um sechs Meter gesunken. Bei einer höheren Wasserentnahme an den verbleibenden Wasserwerken befürchten die Umweltschützer weitere Schäden für die ohnehin gefährdeten Restmoore im Grunewald an der Saubucht, dem Pechsee und dem Teufelsfenn.

"Hohes Tempo ohne Not"

Dabei besteht nach Auffassung der Umweltverbände keine Veranlassung für die Verwaltung, die drei Wasserwerke schon jetzt zu entwidmen. Sinnvoller wäre es demnach, zunächst die derzeit laufenden Umweltgutachten abzuwarten, wie viel Wasser aus dem jeweiligen Werk zu entnehmen ist, ohne die Umwelt zu schädigen. "Der Spielraum für eine endgültige Bewilligung der Fördermengen ist damit stark und völlig unnötig eingeschränkt", sagte Anja Sorges.

Die Senatsverwaltung wies die Kritik gestern zurück. "Die Senatsumweltverwaltung hat die Schließung der drei Wasserwerke sorgfältig geprüft", sagte die Sprecherin der Umweltsenatorin, Marie-Luise Dittmar. "Wenn Wasserschutzgebiete nicht mehr zur derzeitigen oder künftigen Wasserversorgung erforderlich sind, muss das Wasserschutzgebiet aufgehoben werden." Wegen des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes habe die Senatsverwaltung hier auch keinen Ermessensspielraum und könne die Entwidmung nicht verzögern.

Auch die Wasserbetriebe haben wenig Verständnis für die Kritik der Verbände. "Mit dem Konzept stellen wir die Wasserversorgung Berlins sicher", sagte der Sprecher des Unternehmens, Stephan Natz. "Wenn wir rein wirtschaftlich handeln würden, reichten für die Versorgung drei Wasserwerke in der Stadt aus."

Steigende Fördermengen

Das Wasserversorgungskonzept für Berlin sieht vor, dass in den kommenden Jahren weiterhin das Trinkwasser aus dem Grundwasser gewonnen und nicht mit Chlor versetzt wird. Die Prognosen rechnen mit steigenden Fördermengen, aber sinkendem Verbrauch. Im Jahr 2040 sollen in den verbleibenden zehn Wasserwerken rund 280 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert werden, heute sind es 193 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Wichtigste Neuerung: Ab 2014 soll das Wasserwerk Johannisthal mit einem Neubau wieder ans Netz gehen und zur Frischwasserversorgung beitragen. Von der Schließung der drei Wasserschutzgebiete Altglienicke, Jungfernheide und Buch profitieren die anliegenden Grundstückseigentümer. Mit dem Wegfall der Schutzzone fallen auch die Bauverbote für die Grundstücke. Der Anteil der Wasserschutzgebiete in Berlin sinkt durch die Aufhebung der drei Gebiete von 25 auf 22 Prozent.

Die Wasserbetriebe schätzen die Kosten des neuen Wasserwerks Johannisthal auf 25 Millionen Euro. Es soll an der Stelle der alten Filteranlage entstehen.

800 000 Liter Wasser täglich

Derzeit verbraucht jeder Berliner 111 Liter Wasser pro Tag. Die Wasserbetriebe schätzen den künftigen Verbrauch auf weniger als 100 Liter. Da die Betriebskosten identisch blieben, werden die Wasserkosten durch die Umlagefinanzierung weiter steigen, prognostizieren die Wasserbetriebe. Die Berliner Wasserwerke können dem Grundwasser täglich bis zu 1,15 Millionen Kubikmeter Wasser entnehmen. Der Höchstverbrauch in den vergangenen zehn Jahren stieg jedoch nie höher als 800 000 Kubikmeter an einem Tag.