"Massiv" im Nahen Osten

Berliner Gewalt-Rapper tourt als Friedensbotschafter

"Massiv" ist berüchtigt für seine brutalen Texte und umgibt sich auch sonst mit einer Aura der Gewalt. Doch nun macht das Goethe-Institut den Berliner Skandal-Rapper zum Friedensbotschafter im Nahen Osten. Dort ist er auf Tournee durch die Palästinensergebiete. Kritiker sind entsetzt. Das Goethe-Institut verteidigt seine Entscheidung.

Zimperlich ist "Massiv" nicht. In seinem Album "Blut gegen Blut" fordert der Berliner Rapper "Waffen in die Fressen bis die Kiefer auseinander brechen" und droht seinen Gegnern mit "Bang Bang! mein Schuss dein Sarg" oder "ich schick euch Leute aus der Nachbarschaft". Der Hip-Hopper, so scheint es, fühlt sich ganz wohl in seiner Rolle als Gewaltmensch. Und als Anfang des Jahres in Wedding auf ihn geschossen wurde, war sein Image als "Ghettoanarchist" perfekt.

Nun soll ausgerechnet dieser Mann im Namen des Goethe Institutes den Friedensprozess im Nahen Osten unterstützen – als Botschafter der deutschen Kultur. "Massiv" soll laut Institut "Jugendlichen in Palästina zeigen, dass Rap ein Weg sein kann, um mit Sprache Einfluss zu nehmen". Gemeinsam mit anderen Hip-Hoppern ist der palästinensisch-stämmige "Massiv" auf Tournee in der Westbank.

Er sei dazu "auserwählt als erste Rapper in der Geschichte des Deutsch-Raps, zwei Kulturen, zwei Länder einander näher zu bringen" glaubt "Massiv" und möchte seinen Auftrag dazu nutzen, "bedürftigen Kindern und Kriegsopfern ein Lächeln zu schenken".

Ob das klappen kann, wird nicht zuletzt in Internetforen heiß diskutiert. Auch beim Goethe-Institut sieht man, dass es befremdlich wirken kann, einen als Gangsta-Rapper geltenden Künstler auf eine Friedensmission in ein Krisengebiet zu schicken. Denn von "Massiv" kommen Botschaften wie "Wer will Krieg, komm, Blut gegen Blut, komm, Messer aus der Tasche, Schlägerei bis das Blut kommt!".

"Über Jasmin Wagner findet man keinen Kontakt"

"Ich kann verstehen, dass es eine Gratwanderung ist, jemanden wie Massiv einzuladen", sagt der Leiter des Goethe Institutes von Ramalah, Farid Majdschari, ein. "Aber diese Kinder und Jugendlichen hier kennen keine andere Sprache, über eine Jasmin Wagner findet man keinen Kontakt zu ihnen. Über 'Massiv' schon."

Der also soll anstelle des vormaligen Techno-Teenies "Blümchen" besser dazu in der Lage sein, die Situation in den palästinensischen Krisengebieten entspannen - das ist für manche Beobachter schwer nachzuvollziehen angesichts von Texten wie diesem: "Du wirst umhüllt mit einem weißen Tuch. Das ist der ehrenvolle Tod. Guck wie Allah dich in den Himmel ruft. Dieser Junge starb fürs Vaterland."

Doch das Goethe-Institut verspricht sich mit diesen Konzerten, mit den Jugendlichen überhaupt in Kontakt zu treten. "Auf dieser Grundlage bauen dann weitere Projekte auf, wie zum Beispiel Musikschulen" sagt Majdschari. Außerdem schien auch "Massivs" Manager nach Meinung Majdscharis darauf bedacht, dass der Skandal-Rapper aus Berlin gemäßigt auftritt. Zu explosive Texte seien bei seinen Auftritten in Palästina bislang vermieden worden.

Aller Kritik zum Trotz, trat er bereits in Jenin, Nablus und Ramallah vor Hunderten Palästinensern auf und auch das Goethe Institut bleibt bei seiner Entscheidung, die Tour zu unterstützen. Der Rapper triumphiert auf seiner Website: "Al Massiva ist nicht zu stoppen!"

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