Flughafen Tempelhof

Deutsch-Russisches Konsortium plant Ökostadt

Ein Haus für 50.000 Einwohner, auf dessen Dach die Autos fahren, will einem Brandenburger Ingenieur zufolge ein deutsch-russisches Konsortium auf dem Flugfeld in Tempelhof bauen. Angeblich soll demnächst in Moskau ein Prototy des Hauses entstehen. Der Berliner Senat reagierte zurückhaltend.

Nur zwei Tage nachdem die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung den „Call for ideas“ zur Nachnutzung des Tempelhofer Flughafengebäudes im Internet startete, meldete sich am Mittwoch der Ingenieur Roland Lipp aus Briesen, einem Ortsteil im brandenburgischen Halbe, zu Wort – nicht im Internet, sondern mit einer Pressekonferenz in der Pizzeria Rossa in direkter Nachbarschaft des Roten Rathaus.

Bekanntlich sucht der Senat nicht nur für das Flughafengebäude, sondern auch für das 386 Hektar große Tempelhofer Feld innovative Nutzungsideen und Investitionsangebote für die Zeit nach der Aufgabe des Flugverkehrs. Lipp, Vorstand des Vereins „Assoziation Strassenhaus“, glaubt diese zu haben. Sein abenteuerliches Konzept, das er präsentierte, heißt: „ElCity-Tempelhof – Erste Ökostadt Europas“. Das Prinzip dieser sogenannten Ökostadt ist die Verlagerung des Straßenverkehrs auf die Dächer zusammenhängender und kilometerlanger Straßenhäuser, die ähnlich eines Regals Wohnen, Arbeiten, Fahren und Transportieren in sich aufnehmen und damit Platz am Boden für mehr Grün bieten.

„Durch die Straßen auf den Dächern werden 40 Prozent der Grundstücksfläche für mehr Grünlandschaft gewonnen", sagt Lipp und erklärt, dass die Autoabgase abgesaugt und zur Pflanzenversorgung in Gewächshäusern genutzt werden können. Das Konzept für Tempelhof sieht ein 15 Kilometer langes Straßenhaus mit zwei je sieben Kilometern langen und kreuzungsfreien Einbahnstraßen auf dem Dach vor. „50.000 Einwohner können hier wohnen. Das wird aber keine neue Berliner Mauer, da Sichtachsen durch das Haus geplant sind“, sagt Lipp. „Wir können auch ein Stadion für die Berliner Fußballmannschaft einrichten. Das ist kein Thema. Auch ein Hotel ist geplant und die Ansiedlung des deutsch-russischen Instituts für Transport und Stadtplanung kann dort seinen Sitz nehmen. Ein Reiterhof oder Gocartfahren bis nachts um 3 Uhr sind möglich.“

Zwei Milliarden Euro investieren

Hinter dem Projekt stehen Lipp zufolge großindustrielle Firmen aus Russland, die bereit seien, zwei Milliarden Euro zu investieren. Namen wollte Lipp aber nicht nennen. Die „Assoziation Strassenhaus“, die das Konzept entwickelte, ist Lipp zufolge ein Zusammenschluss von deutschen und russischen Wissenschaftlern, Städteplanern und Industriemanagern. Die Siemens AG, die Moskauer Universität für Transportwesen und die Russische Akademie für Architektur und Bauwissenschaften sollen auch dazugehören.

Über Roland Lipp selbst ist nicht viel zu erfahren. Der 55-jährige ist Eigentümer des Schlosses Briesen im brandenburgischen Halbe und nach eigenen Aussagen promovierter und habilitierter Ingenieur für Kunststofftechnik. Seinen Professoren-Titel habe ihm eine osteuropäische Universität verliehen, sagt Lipp. In Moskau hat der brandenburgische Ingenieur offenbar Bürgermeister Juri Luschkow überzeugt. Dort soll, so Natalija Wolf vom Vorstand der Assoziation, eine 16 Kilometer lange Teststrecke des Straßenhauses entstehen. Begonnen werden soll 2009 mit einer ein Kilometer langen Teststrecke.

In der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung reagierte man mit Zurückhaltung. Das ElCity-Konzept sei einer von vielen Vorschlägen für das Tempelhofer Feld und werde entsprechend geprüft, hieß es. Lipp hatte es dem Senat vor drei Wochen zukommen lassen.

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