Berliner Immobilienmarkt

Trotz Finanzkrise bleiben Luxuswohnungen gefragt

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Dirk Westphal

Das Luxuswohnprojekt "Fehrbelliner Höfe" ist gestoppt. An anderen Projekten in Berlin hält die Immobilienfirma Orco Germany aber fest. Die Konkurrenz hält es nicht anders. Der Luxusmarkt sei in Berlin noch nicht ausgeschöpft, ist man sich einig. Orco werfen Mitbewerber aber vor, sich schlicht verkalkuliert zu haben.

Das Haus an der Zionskirchstraße 71 ist denkbar unscheinbar – unverputzt, ein Mietshaus wie viele andere in Berlin. Und doch unterscheidet das Haus Bedeutendes von den Nachbargebäuden. Denn es gehört keiner kleinen Vermietergesellschaft oder einem Privateigentümer, sondern einer der größten Immobilienfirmen in Deutschland – der an der Börse notierten Orco Germany. Der Firma, die am Mittwoch bundesweit für Schlagzeilen sorgte, weil sie ihr Luxuswohnprojekt „Fehrbelliner Höfe“ stoppte.

Die Höfe liegen nicht weit entfernt von dem Haus in der Zionskirchstraße. Vor eineinhalb Jahren hatte in dem unauffälligen Haus Orcos Deutschland-Chef Rainer Bormann sein Büro, bis er an den Kudamm nach Charlottenburg wechselte. Bormann wuchs in der DDR auf, wurde Investmentbanker und arbeitete jahrelang in Fernost. Er kennt die Finessen der Finanzmärkte, die Fachbegriffe und Kniffe, die über Wohl und Wehe einer Finanzierung entscheiden, die Grundlage sind zur Beschaffung von Fremdkapital und ohne dass Großprojekte kaum zu stemmen sind. So verfolgt Bormann Zinstrends, vergleicht Währungscharts für Euro, Dollar und Yen. Und die Aufs und Abs auf den internationalen Kapitalmärkten.

Weil die Entwicklung mit den dort rasant steigenden Zinsen alles andere als rosig ist, zog der Kaufmann die Notbremse für das Projekt Fehrbelliner Höfe. Das Projekt, das den Bau einer mondänen Loftlandschaft in den Räumen einer ehemaligen Lampenfabrik vorsah, werde „zunächst ausgesetzt“, ließ Bormann in einer knapp gehaltenen Presseerklärung mitteilen. Begründet wurde dies mit der schleppenden Vermarktung der 154 geplanten Luxuswohnungen, von denen erst 40 verkauft wurden. Und zum anderen mit den rasant steigenden Kosten für Fremdkapital, das Orco in zweistelliger Millionenhöhe für den Umbau der Höfe eingeplant hatte.

Orco kalkulierte sehr teuer

Wettbewerber halten Orcos Erklärung jedoch trotz der gestiegenen Kapitalzinsen für nicht ausreichend. „Die haben sich einfach verkalkuliert“, sagt der Berliner Immobilenexperte Danny Wolf. Orco habe für die Appartements in den „Fehrbelliner Höfen“ 5000 bis 9600 Euro pro Quadratmeter verlangen wollen. Ein Preis der in der New Yorker Upper West Side nur wenige irritieren würde, aber für Berliner Verhältnisse unfassbar hoch ist. Weder gebe das der Markt in Berlin her, noch könne man eine solche Käuferschicht an der Fehrbelliner Straße ansiedeln, so Wolf. Er verkauft Appartements für die Stofanel-Gruppe, die Mitte September an der Schwedter Straße mit dem Bau ihrer „High-Qualitiy“-Wohnanlage Marthas Hof beginnt. Ab 2700 Euro pro Quadratmeter geht es dort los. Im Vergleich zu den Fehrbelliner Höfen fast ein Schnäppchen.

Wolfs Büro liegt in einem grünen Verkaufspavillon an der Schwedter/Ecke Bernauer Straße direkt auf dem ehemaligen Mauerstreifen. Einem Kiez, der immer noch den dezenten Charme der untergegangenen DDR versprüht. „Urban Villages" steht in moderner Schrift auf dem Pavillon. So unauffällig die Schrift auch ist, steht sie doch für einen Trend. Für international tätige Projektentwickler, die versuchen, eine ebenso internationale Klientel als Käufer für hochwertige und hochpreisige Wohnobjekte zu gewinnen. Entsprechend wohlklingend sind die Namen. Sie klingen wie Arien, mahnen an entspanntes Zurücklehnen, an Urlaub in einem kuscheligen Resort: Puccini-Höfe, Fellini-Residences oder Parkside-Appartements. Das erinnert an New Yorks Riverside-Residences, an schönes Wohnen fernab von den Problemen einkommensschwacher Bevölkerungsgruppen. Ein Eindruck, der gewollt ist, denn die Projektentwickler, die zunehmend auf den Berliner Markt drängen, haben vor allem eine Käuferschicht im Fokus: Gutverdiener, die für ihr Geld eine hohe Qualität verlangen.

Eine Dusche mit "Regenwaldschauereffekt" gehört dazu

Was dort mittlerweile Standard ist, kann man auch an der Kommandantenstraße 76 in Mitte sehen. Dort liegt der Showroom der Fellini Residences. In dem Minikubus hat der Bauherr eine Musterwohnung eingerichtet. Raumhohe Fenster, massives überlanges Eichenparkett, beheizte Badspiegel, sich selbst regulierende Fensterrollos, schwere Granitfliesen im Bad und auch mal eine Dusche mit „Regenwaldschauereffekt“. Es sind die Insignien unbeschwerten Lebens. 4000 Euro kostet hier der Quadratmeter. Klotzen statt kleckern, zeigen statt verstecken, lautet die Devise seiner Anbieter.

Die Architektur des gegen