Neubaupläne

Berlin baut 2009 weiter - trotz Finanzkrise

Im nächsten Jahr startet eine Reihe von Bau-Großprojekten - obwohl die Finanzkrise auch die Bauindustrie trifft und einige Investoren bei ihren Plänen abspecken mussten. Was unter anderem zur Folge hat, dass sich das eine oder andere Vorhaben verzögern wird.

Die Finanzkrise verschont auch Berlin nicht. Viele Investoren der Baubranche mussten ihre Projekte abspecken oder auf Eis legen. Dennoch bleiben in Berlin auch 2009 zahlreiche Großprojekte. 2008 investierte die Branche in der Hauptstadt rund 2,5 Milliarden Euro. Der Bauindustrieverband erwartet 2009 ähnliche oder nur leicht geringere Investitionen. Ein Überblick über die größten Bauvorhaben.

Riesenrad: Der Bau des Riesenrads am Zoo verzögert sich. Eigentlich sollte es sich bereits 2009 drehen. Stattdessen wird Europas höchstes Aussichtsrad (175 Meter) nun frühestens Ende 2010 fertig. Der Investor, die Great Berlin Wheel, begründet die Verzögerung mit Altlasten auf dem Grundstück an der Hertzallee und einer fehlenden Baugenehmigung für den Abflughalle genannten Anbau. Er soll aus Kostengründen deutlich schlichter ausfallen. Ephraim Gothe (SPD), Baustadtrat von Mitte, hat jedoch versichert, er könne die neue Baugenehmigung bis März 2009 erteilen. Somit sei der Baubeginn wie geplant ab Frühjahr möglich. Der symbolische erste Spatenstich für das 120-Millionen-Euro-Projekt auf dem Gelände des alten Zoo-Wirtschaftshofs wurde bereits Ende 2007 gefeiert.

Zoofenster: Am Bahnhof Zoo geht es 2009 endlich in die Höhe. Am Hochhaus-Projekt „Zoofenster“, bereits vor 17 Jahren auf dem früheren Gelände von Teppich-Kibek geplant, wird seit Sommer 2008 gearbeitet. Zwischen Hardenberg-, Kant- und Joachimstaler Straße wird das Fundament für ein 118,8 Meter hohes Hochhaus gelegt. „Bis August oder September 2009 wollen wir die vier Untergeschosse fertig haben“, sagt Projektleiter Richard Djoa. Ende 2009 werde das Sockelgeschoss an der Kantstraße die Berliner Traufhöhe von 22 Metern erreicht haben. „2010 ist in jedem Fall Richtfest“, so Djoa. Investoren aus Abu Dhabi finanzieren das Zoofenster, das rund 200 Millionen Euro kosten soll. In das 32 Etagen hohe Gebäude sollen neben einem Hotel Büros, Geschäfte und Luxuswohnungen kommen.

Zoobogen: 2009 soll auch der Zoobogen umgebaut und modernisiert werden. Das Gebäude-Ensemble erstreckt sich vom Hochhaus am Zoo an der Hardenbergstraße entlang der Budapester Straße. Dazu gehören auch das Kino Zoo-Palast sowie das Bikinihaus. „Unser Projektvorhaben in der City West verläuft planmäßig“, sagt Bernhard Taubenberger von der Bayerischen Bau und Immobiliengruppe. Der Termin für den Baubeginn stehe noch nicht fest. „Den Bauantrag stellen wir nach Abschluss des städtebaulichen Vertrages. Hierzu befinden wir uns in Endverhandlungen mit dem Bezirk“, so Taubenberger. Etwa 300 Millionen Euro kostet das Projekt, bei dem unter anderem der Zoopalast umgebaut wird, das Bikinihaus eine durchgängige Einkaufspassage erhält und in die oberen Geschosse ein Themenhotel Zoo entstehen soll. Der Zoobogen soll bis 2010/11 saniert werden.

Hochhaus am Breitscheidplatz: Das Hochhaus-Projekt auf dem Schimmelpfeng-Areal an der Kantstraße in Charlottenberg lässt weiter auf sich warten. Die US-Bank Lehman Brothers hatte mit der Immobilienbank Eurohypo die Kaufverträge über das Areal unterzeichnet – dann schlug die Finanzkrise zu. Die Folge: Eurohypo will das Hochhaus mit Hilfe eines Immobilien-Entwicklers nun selbst bauen. Doch die Situation ist nicht neu: Der Bau des dreiteiligen, bis zu 120 Meter hohen Gebäudekomplexes an der Gedächtniskirche geht auf Planungen aus den 1990er-Jahren zurück. Der Senat hatte bereits im November 2003 mit einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan grünes Licht für den Abriss des denkmalgeschützten Schimmelpfeng-Hauses gegeben. Die Baugenehmigung für rund 45.000 Quadratmeter Nutzfläche (Einzelhandel, Hotel, Büros und Wohnen) wurde Anfang 2007 erteilt. Der städtebauliche Vertrag räumt Fristen bis 2013 ein.

Leipziger Platz: Die Bebauung des ehemaligen Wertheim-Areals am Leipziger Platz will Orco trotz der Finanzkrise 2009 beginnen. Auf dem 20.000 Quadratmeter großen Filetgrundstück sollen nach den Plänen des Berliner Architekturbüros Kleihues und Kleihues für rund 250 Millionen Euro ein Hotel, Geschäfte sowie Luxuswohnungen entstehen. „Wir rechnen damit, Ende des ersten, Anfang des zweiten Quartals die Baugenehmigung zu bekommen“, sagt Orco-Sprecherin Sabrina Eilers. Im Jahr 2012 soll der Gebäudekomplex eröffnet werden.

Spreedreieck: Während Regierungsparteien und Opposition sich im „Parlamentarischen Untersuchungsausschuss Spreedreieck“ beharken und sich nicht auf einen Arbeitsplan einigen konnten, steht die Fertigstellung des skandalumwitterten zehngeschossigen Gebäudes am S-Bahnhof Friedrichstraße unmittelbar bevor. Nach Auskunft der Vermietungsabteilung des Hamburger Bauherren und Investors, Harm Müller-Spreer, wird das Gebäude im Frühjahr 2009 fertig. Der Ausschuss soll unterdessen die Grundstücksgeschäfte des Senats am Spreedreieck aufklären. Die Opposition wirft der rot-roten Landesregierung vor, durch mangelhafte Verträge für Berlin einen Schaden von rund 24 Millionen Euro verursacht zu haben. Bis Ende 2010 soll der Bericht vorliegen.

Neubauten am Alexanderplatz: Auf dem Alexanderplatz wird im Frühjahr 2009 ein neues Geschäftshaus eröffnet. Das Unternehmen Hines hat 100 Millionen Euro in den Neubau mit einer Nutzfläche von 22.000 Quadratmetern investiert. 99 Prozent der Flächen seien bereits vermietet. Direkt an der fensterlosen Brandwand des neuen Geschäftshauses ist noch Platz für ein Hochhaus. Das Baurecht für ein 150 Meter hohes Gebäude liegt vor, konkrete Pläne hat Hines aber noch nicht. Auch alle anderen Hochhauspläne – wie etwa direkt an dem benachbarten Einkaufszentrum Alexa – ruhen. Mit einem städtebaulichen Wettbewerb, den der Architekt Hans Kollhoff 1993 gewonnen hatte, wurden zwar die Weichen für ein gutes Dutzend Hochhäuser gestellt. Doch mangels Investoreninteresse lassen die Wolkenkratzer weiter auf sich warten. Mieter sind unter anderem das Elekronik-Kaufhaus „Saturn“ und die Mode-Kette „New Yorker“.

Am Zirkus 1: Das Projekt „yoo Berlin“ der Vivacon AG am Bertolt-Brecht-Platz gibt an, mit den Bauarbeiten im Januar 2009 starten zu wollen. Die Arbeiten an der Baugrube sollen ein Jahr dauern. „Dann startet voraussichtlich im Dezember 2009/Januar 2010 der Rohbau des Untergeschosses“, sagt Vivacon-Sprecherin Kathrin Ulshöfer. Ein Hotel, Luxuswohnungen und Büros sollen hier Platz finden. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 75 Millionen. Das Terrassenhaus am Bertolt-Brecht-Platz hat der Berliner Architekt Eike Becker entworfen. Die Innenarchitektur übernahm Star-Designer Philippe Starck. Das Vier-Sterne-Hotel will die israelische Hotelgesellschaft Leonardo betreiben.

Mediaspree: Der ehemalige Osthafen wird immer mehr zum Umschlagplatz für Mode. Seit 2006 residiert dort in einer denkmalgeschützten Lagerhalle an der Stralauer Allee „Labels 1“. Im August 2008 wurde mit dem Bau des fünfgeschossigen Würfels, in dem Modefirmen ihre Ware präsentieren werden, begonnen; im Juli 2009 soll er fertig sein. Labels II war der erste Baubeginn seit dem Bürgerentscheid im Sommer 2008, bei dem fast 30.000 Bürger gegen die Bauvorhaben im Gebiet der Mediaspree stimmten. Das neue Gebäude hält die Grenze von 50 Metern Mindestabstand zum Spreeufer allerdings nicht ein. Die Baugenehmigung hatte das Bezirksamt kurz vor dem Bürgerentscheid erteilt. Zwischen 22 und 25 Millionen Euro fließen nach Angaben der Investoren in das Vorhaben.

Hackescher Markt: In der Mitte Berlins entsteht für einen dreistelligen Millionenbetrag südlich der Hackeschen Höfe bis 2010 ein neues Viertel – das „Hackesche Quartier“. Auf dem Grundstück werden zwei große Blöcke mit 36.000 Quadratmetern Fläche errichtet. Die IVG Development schafft auf einer der letzten großen Brachflächen in Berlins historischer Mitte Platz für Büros, Luxuswohnungen, ein Apartmenthaus sowie Geschäfte, Cafés und Restaurants.