Global Energy Institute

Berlin bekommt eine Energie-Universität

In Berlin sollen künftig Energieexperten an einer privaten Universität ausgebildet werden. Global Energy Insitiute soll diese heißen und von einer privaten Stiftung und Sponsoren aus der Automobil- und der Energiebranche finanziert werden. Als Standort ist das Gasometer in Schöneberg im Gespräch. Doch das dort geplante Projekt "Europäisches Energie Forum" steht auf der Kippe.

In Berlin wird eine private Universität aufgebaut, die sich dem Thema Energie widmen soll. „Der Standort Berlin ist gesetzt", sagte ein Sprecher der Initiative für das geplante Global Energy Institute. Ob aber, wie bisher diskutiert, das zum Umbau für das Energieforum ausgeguckte ehemalige Gasometer in Schöneberg die 15 Professoren und 500 Master-Studenten beherbergen wird, ist offen. Wie es hieß, würden auch andere Objekte als Sitz der Hochschule mit drei Fakultäten geprüft.

Hinter dem ambitionierten Projekt steht die Hamburger „Zeit“-Stiftung, die das Konzept für die Energie-Universität erstellt hat. Ziel ist, Studenten zu Energiegestaltern für Führungspositionen in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik auszubilden. Solche spezialisierten Studiengänge gebe es in Deutschland noch nicht, hieß es. Die Bundesregierung unterstützt das Projekt, vor allem Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) haben Interesse an einer solchen Einrichtung, die auch als Denkfabrik und Politik-Beratung zu diesem Zukunftsthema fungieren soll.

Auch die großen deutschen Wissenschaftsorganisationen wie die Fraunhofer-, Max-Planck- und die Helmholtz-Gesellschaft sind als Planer mit dabei. Um die Kooperation dieser außeruniversitären Organisationen zu sichern, will man sich auch nicht zu dicht an die bestehenden Berliner Universitäten andocken.

Das Global Energy Institute soll von einer noch zu gründenden Stiftung getragen werden. 250 Millionen Euro Stiftungskapital sollen binnen mehrerer Jahre eingesammelt werden. Als Sponsoren schweben den Gründern auch Firmen vor. Einerseits Energieverbraucher, wie etwa aus der Automobilindustrie, andererseits aber auch Energieversorger, Ölkonzerne oder Unternehmen aus dem boomenden Sektor der regenerativen Energien. Noch sei aber die Finanzierung insgesamt nicht gesichert, hieß es. Der Berliner Senat werde sich in jedem Fall nicht finanziell beteiligen.

Die Geld-Frage ist nach Informationen von Morgenpost Online auch dafür verantwortlich, dass sich die Gespräche um den Sitz im Schöneberger Gasometer derzeit schwierig darstellen. Dem Vernehmen nach wären die Kosten in dem symbolträchtigen Neubau in alter Hülle, die das Berliner Architekturbüro Remtec entworfen hat, vergleichsweise hoch.

Anwohner nennen das Projekt Energie Forum "gigantomanisch"

Der Bauunternehmer Reinhard Müller, Chef der Remtec, hat vor anderthalb Jahren das 40.000 Quadratmeter große Gelände am S-Bahnhof Schöneberg von der Gasag gekauft. Involviert ist auch der Bauunternehmer Klaus Groth. 500 Millionen Euro wollen sie investieren. Geplant ist unter anderem ein gläserner Zylinder innerhalb des 80 Meter hohen Gasometers, dessen Stahlgerüst erhalten bleiben soll.

Im vergangenen November hatte Müller die Pläne vorgestellt. Die Rede war damals schon von einer privaten Hochschule. Auch das Gelände rund um das Gasometer sollte mit internationalen Partnern zu einem „Europäischen Energie Forum“ entwickelt werden. Rund um die Hochschule sollten sich Firmen aus dem Energie- und Umweltsektor ansiedeln.

Wie jetzt zu hören ist, sind die Investoren aber inzwischen uneinig über die Fortführung des Projektes. Vor allem gehe es um die Preise, die von Nutzern gefordert werden sollen. Obwohl der Bezirk Tempelhof-Schöneberg die Pläne unterstützt, haben sich Anwohner zu dem als „gigantomanisch“ kritisierten Vorhaben geäußert. Sie befürchten eine Wand aus Hochhäusern mitten im Kiez. Denkmalschützer monierten ebenfalls die Höhe der Gebäude.

Diese Einwände und eine sich daraus ergebende längere Planungsphase haben nun dazu geführt, dass die Hochschul-Gründer sich auch anderswo nach einem Domizil umschauen.

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