Ein gastronomisches Kuriosum und Treff von Liebhabern besonderer Orte ist die Kaiserdiele. Auf einem Fleckchen am Liane-Berkowitz-Platz am Südwestkorso liegt das ehemalige Straßenbahnerhäuschen und Zeitungskiosk aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts. In die Kaiserzeit fallen die Gäste auf den rund 80 Kies-Terrassenplätzen im Weingarten auch, wenn sie auf dem Preisverzeichnis lesen: „Unser Schankpersonal ist angewiesen, gut einzuschenken, und bitten wir, nicht genügend eingeschenkte Krüge und Gläser nachfüllen zu lassen“.
Drinnen finden sich nur 20 Plätze, „die Winter sind wirtschaftlich schwierig“, sagt Oliver-Lloyd Boehm. Der Innenarchitekt hat das historische Kleinod ausgebaut und bietet seit drei Jahren einfache, überwiegend kalte Hausmannskost gehobener Qualität zu zivilen Preisen. So gibt es zu fein perlendem Kaiser Pilsener aus Landsberg, 2,30 Euro für 0,3l, leckere Dielenstullen, bestrichen mit hausgemachtem Schmalz, frischem Mett, belegt mit Rohmilchkäse, oder gebuttert und geklappt mit Boulette, Solei und Spreewaldgurke, 1,50 Euro bis vier Euro.
Zur selbst gebackenen Quiche, 3,50 Euro das Stück, passen ausgesuchte Weine zwischen 3,50 Euro und fünf Euro das Glas. Auf der einzigen Herdplatte werden Eintöpfe und Confits gekocht. Frische Gartensalate und solche von Nudeln und Kartoffeln werden von den Gästen ebenfalls geschätzt.
Nicht jeder, der in der Kaiserdiele sitzt, weiß, dass Rosa Luxemburg 1915 hier nach ihrer Frankfurter Rede gegen Krieg und Monarchie verhaftet wurde. Demnächst soll eine Gedenktafel daran erinnern.
Kaiserdiele Südwestkorso 62A, Friedenau, tägl. 16 – 24 Uhr, Tel. 23 46 32 81.
fmr





